Heute eine Brandruine

"Paramount Park": Von der Edeldisco zum Lost Place

Das Ende: Ein Großbrand am zweiten Weihnachtsfeiertag 2006 machte den „Paramount Park“ zu der Ruine, als die seine verkohlten Mauern noch heute Ober-Rodens Nord-Eingang verschandeln. 
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Das Ende: Ein Großbrand am zweiten Weihnachtsfeiertag 2006 machte den „Paramount Park“ zu der Ruine, als die seine verkohlten Mauern noch heute Ober-Rodens Nord-Eingang verschandeln. 

Der „Paramount Park“ in Rödermark ist lange die In-Adresse für ein edles Party-Publikum gewesen. Rückblick auf den Glanz und Niedergang einer Institution.

Ober-Roden – „Gigantische Tonmöbel“ oder „Laserkanone als Puls des totalen Lichtspektakels“: Die Macher schwelgten nur so in Superlativen. Im Herbst 1993 wurde die schon lange leer stehende Eissporthalle in der Kapellenstraße zu einer Großdiskothek ausgebaut, für die der Name Tanztempel viel zu bescheiden klang. Tanzdom war die Bezeichnung, die auf den „Paramount Park“ am ehesten zutraf.

"Paramount Park" in Rödermark Ober-Roden: Riesiger Einzugsbereich

Der Frankfurter Gastronom Bruno Faust hatte Millionen Mark in die Schlittschuhbahn gesteckt. Sechs Locations entstanden: Herzstück war die große Disco; um sie herum gruppierten sich ein deutsches und ein mexikanisches Restaurant, Bistro, Café und Pianobar. Abtanzen zu den Beats von Lautsprechern mit 30 000 Watt Leistung und Chillen in Clubatmosphäre waren im „Paramount Park“ kein Widerspruch.

„Deutschlands interessantester Laden“ (O-Ton von Manager Michael Gerber) läutete zwar nicht das angekündigte neue Gastronomie-Zeitalter zwischen Ost- und Bodensee ein. Aber der Einzugsbereich war schon riesig.

Die legendäre Eröffnungsparty in der Nacht zum 1. Oktober erlebten 3 500 handverlesene Gäste aus der halben Republik. Selbst VIPs wie Eintracht-Spielmacher Uwe Bein standen damals brav Schlange vor Schwarzen Sheriffs in Uniform und breitschultrigen jungen Männern im Anzug.

Paramount Park hr3 Clubnight im Jahr 1998

"Paramount Park" in Rödermark Ober-Roden: Vergnügen hatte Schattenseiten

Auch in normalen Nächten selektierten die Türsteher gnadenlos. Wer gegen den Dresscode – edel für die Herren, sexy für die Damen – verstieß, blieb draußen. Diesen Luxus konnte sich der „Paramount Park“ lange leisten. Auch weil Faust und Gerber Topbands wie „Culture Beat“, „Dolls United“ oder „Haddaway“ nach Ober-Roden lotsten.

Das Tanzvergnügen hatte jedoch seine Schattenseiten. Ober-Rodens Norden war am Wochenende nachts hoffnungslos zugeparkt. Die Laserkanonen auf dem Dach, deren Leuchtfinger in den Himmel stachen, erinnerten ältere Rödermärker an die Flakscheinwerfer des Zweiten Weltkriegs. Sie wurden bald abgeschaltet. Die Türsteher schafften es immer wieder in den Polizeireport oder in die Gerichtsberichte unserer Zeitung. Aber sie wurden auch selbst Opfer brutaler Attacken. Ein Security-Mann überlebte nur mit Glück, als ein Angreifer mehrmals auf ihn schoss.

"Paramount Park" in Rödermark Ober-Roden: Publikum wurde weniger

Nach ein paar Jahren hatte sich das Konzept einer noblen Großdiskothek überholt. Der „Paramount Park“ strich einzelne Öffnungstage, legte die Mega-Tanzfläche still oder änderte das Konzept. Als das den Niedergang nicht stoppte, änderte das Management den Namen und wechselte den Wirt. Die einstige In-Location fand als „Soundz“ oder „Nachtlicht“ zwar immer noch ihr Publikum. Aber das strömte längst nicht mehr.

Der Anfang: In der Nacht zum 1. Oktober 1993 tobten sich 3 500 nobel gekleidete Tanzwütige in den sechs Locations des „Paramount Park“ aus. In den Boden eingelassene 30 000-Watt-Lautsprecher sorgten dafür, dass die Besucher die Musik von den Fuß- bis in die Haarspitzen spürten.

Das endgültige Aus kam am späten Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags 2006. Im hinteren Teil des Gebäudes brach ein Großbrand aus, der die Diskothek verwüstete und einen Millionenschaden – diesmal in Euro – verursachte. Mehr als 100 Feuerwehrleute aus der ganzen Umgebung konnten nicht verhindern, dass der „Paramount Park“ zur Ruine wurde. Schnell war von einer „heißen Sanierung“ die Rede. Doch genauso schnell stellten Polizei und Versicherung klar: Das Feuer wurde durch einen technischen Defekt ausgelöst.

"Paramount Park" in Rödermark: Disco wird zum Lost Place

Von der einstigen Herrlichkeit ist eine Brandruine geblieben. Die taucht im Internet inzwischen als „Lost Place“, als „vergessener Ort“, auf. Das sind verwilderte Gebäude, Geisterdörfer oder aufgegeben Freizeitparks, die man normalerweise nicht mitten im Rhein-Main-Gebiet findet.

Vier Investoren – Holger Faust, der Sohn des Bauherrn Bruno Faust, sowie Lothar, Udo und Roger Frank aus Rödermark – stellten Anfang 2016 Pläne vor, um den „Lost Place“ aus der Vergessenheit zu reißen: Sie wollten den „Paramount Park“ sowie die Fußballhalle und die Sauna nebenan abreißen und auf rund 10 000 Quadratmetern Fläche den „Quartiershof Kapellenstraße“ mit Wohnungen und zehn Prozent Gewerbeanteil bauen. Die Stadt änderte dafür den Bebaungsplan, der im Norden von Ober-Roden überwiegend Gewerbe vorsah.

Das Projekt dümpelte mehr als zwei Jahre vor sich hin. Ende 2018 stieg Faust aus, die Stadt schloss mit den Urberacher Investoren einen neuen Vertrag. Aber die Ruine der ehemals heiligen Tanzhallen steht immer noch.

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VON MICHAEL LÖW

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