Krankenkasse könnte Geld sparen

Appell an Jens Spahn: Mann will Gesundheitssystem entlasten – Und darf nicht

16 original verpackte Kartons voller Stoma-Beutel hat Kurt Krummholz gefunden, als er das Haus einer im Oktober gestorbenen Freundin ausräumte. Er würde sie gern weitergeben und damit einen Beitrag zur Kostensenkung im Gesundheitswesen leisten. Aber niemand will sie haben.
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16 original verpackte Kartons voller Stoma-Beutel hat Kurt Krummholz gefunden, als er das Haus einer im Oktober gestorbenen Freundin ausräumte. 

Ein Mann aus Rödermark will das Gesundheitssystem entlasten – um immerhin 1000 Euro. Aber niemand nimmt sein Angebot an - nun wendet er sich an Jens Spahn.

Rödermark – Alle klagen übers teure Gesundheitswesen und fordern wirksame Maßnahmen gegen die Kostenexplosion. Kurt Krummholz würde das System gern um 1 026,75 Euro entlasten. Und darf nicht. Er hat eine Kiste mit 16 original verpackten Stoma-Beuteln in der Garage in Rödermark (Kreis Offenbach) stehen und findet keinen Abnehmer.

Stoma-Beutel sind die „Toiletten“ von Menschen mit künstlichem Darmausgang. Eine solche Patientin war die am 24. Oktober in der Sana-Klinik in Offenbach gestorbene frühere CDU-Stadträtin Lilo Haag. Obwohl Kurt Krummholz ein gestandener Sozialdemokrat ist, verband ihn eine ebenso lange wie herzliche Freundschaft mit Lilo Haag. Als ihr Mann vor zehn Jahren starb, machte sie ihn zum Vertrauten mit Bankvollmacht und Schlüssel. Denn Angehörige hatte sie nicht.

Appell an Jens Spahn aus Rödermark: Mann will Gesundheitssystem entlasten

Jetzt hat Kurt Krummholz die traurige Pflicht, das Haus des Ehepaars Haag auszuräumen. Dreimal pro Woche ist er dort. „Eine Herkulesaufgabe“, stöhnt der 86-Jährige. Dabei stieß er auf den Karton voller Stoma-Beutel. Die lieferte ein Sanitätshaus, kurz bevor Lilo Haag ins Krankenhaus kam. Der Wert: 1 026,75 Euro.

Ab in die Tonne? Kommt für den Pensionär nicht infrage – auch wenn gut 1 000 Euro im Multi-Milliarden-Geschäft mit der Gesundheit so gut wie nichts sind. Seit Wochen versucht er, die Beutel sinnvoll loszuwerden. Bislang ohne Erfolg.

Appell an Jens Spahn aus Rödermark: Mann hat jede Menge Stroma-Beutel

Das Sanitätshaus lehnt die Rücknahme ab. Was einmal über die Krankenkasse abgerechnet ist, darf nicht wieder ins Geschäft. Die nächste Abfuhr holt sich Krummholz in der Klinik in Offenbach. „Wir können das nicht nehmen, weil es zu viele sind“, erklärt das Krankenhaus mit hunderten von Betten und verweist ihn ans Ketteler-Krankenhaus: „Dürfen wir nicht!“

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Frustrierend sind auch die Auskünfte von drei Pflegeheimen. Deren Antworten fallen ganz vage aus, schwanken irgendwo zwischen Formalismus und „Man weiß ja nicht, was drin sein könnte.“

Rödermark: Krankenkasse will nicht - Appell an Jens Spahn

Selbst die Krankenkasse, bei der Lilo Haag versichert war, will die Stoma-Beutel, die eigentlich ihr Eigentum sind, nicht zurückhaben.

Anfang Dezember hat sich Kurt Krummholz an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gewandt. „Die Weigerung der Rücknahme von original verpackten Verbands- und Hilfsmitteln ist für mich nicht nachvollziehbar. Eine solche Vorgehensweise widerspricht der Kostendämpfung im Gesundheitswesen und bedeutet eine Verschwendung von Kassenbeiträgen“, schreibt Krummholz. Der Minister möge doch „Sorge dafür tragen“, dass die teuren Beutel einen Abnehmer finden. Die Antwort aus Berlin lässt seit knapp drei Wochen auf sich warten.

Die Krankenkassen können nach Ansicht von Kurt Krummholz viel Geld sparen, denn er ist sicher: „Ich bin doch nicht der Einzige mit sowas.“ Es gibt viele Familien, die nach dem Tod eines lange gepflegten Angehörigen medizinisch wertvolle Reste erben.

VON MICHAEL LÖW

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