Neue Hoffnung für Anwohner

Ortsumgehung Urberach unter Hessens zehn wichtigsten Straßenprojekten

Kreuzung der Ortsdurchfahrt Rödermark-Urberach (B 486) mit der Rodaustraße und dem Taubhaus.
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Rödermark: Große Urberacher Kreuzungen wie die der Ortsdurchfahrt mit der Rodaustraße und dem Taubhaus sollten ursprünglich durch Kreisel ersetzt werden. Doch wenn Hessen Mobil nächstes Jahr mit der Sanierung der B 486 beginnt, hat der Verkehrsfluss – und damit genau das Gegenteil der Bremswirkung eines Kreisels – Vorrang.

Hessens grüner Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat die Ortsumgehung Urberach zu einem der zehn wichtigsten Straßenprojekte im Land erklärt. Die Frage ist nur: Welche Variante?

Rödermark – Die im Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgeführte Umgehungsstraße am westlichen Ortsrand oder die von der Stadt favorisierte K-L-Trasse? Für Rödermarks Bürgermeister Jörg Rotter ist die Antwort klar.

Der vierspurige Ausbau der B 45 von Dieburg Richtung Odenwald und die Ortsumgehung Urberach gehören für Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zu den zehn wichtigsten Straßenbauprojekten der nächsten Jahre in Hessen. Während die Bürgermeister des Kreises Darmstadt/Dieburg in ihrer Einschätzung zwischen Geschenk oder Kuckucksei schwanken, steht für Rödermarks Verwaltungs-Chef Jörg Rotter fest: „Das ist viel eher ein Geschenk als ein Kuckucksei.“ Das sehe auch der Magistrat einhellig so, bekräftigt er.

„Die Entscheidung des Landes, die Ortsumgehung Urberach in die Top Ten der Bundesstraßenprojekte aufzunehmen, bietet für uns die große Chance, die wachsenden Verkehrsströme so zu lenken, dass einerseits die Leichtigkeit des Verkehrs verbessert wird, andererseits die Anwohner von Konrad-Adenauer- und Traminer Straße vor Lärm und Abgasen geschützt werden“, sagt Rotter. Rund 13 000 Autos rollen – so die Prognose für 2030 – über die B 486. Die „gute Nachricht“ ist laut Rotter ein wichtiger Meilenstein in der seit Jahrzehnten dauernden Diskussion um eine Ortsumgehung. Rotter: „Die Stadt kann mit verbesserter Position in die Gespräche gehen.“

Den Rödermärkern dürften harte Verhandlungen bevorstehen. Denn Al-Wazir will „Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan“ voranbringen. Und darin steht das Projekt „B486-G10-HE“ mit Kosten von knapp 26 Millionen Euro, deren Finanzierung der Bund schon eingeplant hat. Eine 5,2 Kilometer lange Umgehungsstraße führt vom B 45-Anschluss „Erdkautenweg“ dicht am westlichen Ortsrand vorbei und mündet ungefähr am Umspannwerk wieder auf die Bundesstraße. Die Einschätzung des Bundesministeriums: „Es sind sehr hohe Wirkungen (Verkehrsentlastung, Anmerkung der Redaktion.) ohne nennenswerte Zusatzbelastungen zu erwarten.“

„Nichts darf gegen den Willen der Stadt geschehen“, hält Bürgermeister Jörg Rotter dagegen. Denn die Trasse würde den Bienengarten, Bauernhöfe und den Wald von Urberach abschneiden. Unter anderem deshalb waren Pläne zum Bau einer Umgehungsstraße in den Neunzigerjahren nie weiter verfolgt worden. Rotter sieht den Bundesverkehrswegeplan denn auch „nicht als Festlegung auf eine Trasse, sondern als Investitionsentscheidung.“

Der Magistrat will stattdessen Urberach über die K-L-Trasse, den Ausbau der Kreisstraße 180 (Eppertshausen-Messel) und der Landesstraße  3317 (Messel-Offenthal), entlasten. Die Machbarkeitsstudie eines Darmstädter Verkehrsplaners schlägt vor, die K-L-Trasse durch drei Querspangen – am Erdkautenweg, am Eppertshäuser Knoten und südöstlich von Messel – für Autofahrer attraktiv und die Nachbarkommunen akzeptabel zu machen. Zu diesem Paket gehört außerdem die Beruhigung der Urberacher Hauptstraßen.

Mit der Sanierung der wichtigsten Verbindung, der B 486, will Hessen Mobil nächstes Jahr beginnen. „Das setzt uns ein bisschen unter Druck“, räumt Rotter ein. Denn solange die Ortsdurchfahrt eine Bundesstraße ist, hat der Verkehrsfluss Vorrang. Kreisel sind da nach Ansicht des Bürgermeisters schwer durchzusetzen. Sein Fernziel: Konrad-Adenauer- und Traminer Straße zu Ortsstraßen herunterstufen, die ausgebaute K-L-Trasse im Gegenzug als Bundesstraße klassifizieren.

„Beide Straßenbauprojekte müssen und sollen im Paket geplant werden. Der überörtliche Verkehr erhält ein neues Angebot, der verbleibende Verkehr wird so gesteuert, dass die Ortslage für alle sicherer und attraktiver wird“, fordert Rotter. Es gelte nun, schnell mit dem Land ins Gespräch zu kommen, damit die K-L-Trasse gleichrangig im Planungsverfahren berücksichtigt werden kann. Untersucht werden Verkehrsentlastung, ökologische Eingriffe und Akzeptanz der Bevölkerung – ebenfalls gleichrangig.

Zur Bürgerbeteiligung hat der Bürgermeister einen „Runden Tisch Verkehrsentlastung“ ins Leben gerufen. An diesen Gesprächen nimmt auch die Kreisverkehrsbehörde teil. Die Interessen der Nachbarkommunen will Rotter „gleichberechtigt berücksichtigen“.

Bürgermeister aus dem Kreis Darmstadt/Dieburg befürchten, dass die Planung millionenteurer Straßenprojekte ihre Verwaltung überfordert. Rotter teilt diese Sorgen nicht: Um das Thema gut angehen zu können, hat die Stadt sich personell verstärkt. Am 1. Oktober trat Patricia Baumeister die neu geschaffene Stelle der Verkehrsplanerin an. „Mit der geleisteten Vorarbeit und Frau Baumeisters Expertise verfügen wir nun über eine ausgezeichnete Basis, die Projekte in enger Abstimmung mit Hessen Mobil tatkräftig angehen zu können“, ist der Rödermärker Bürgermeister guter Dinge. (Michael Löw)

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