Blitzer gegen Temposünder

Blitzer an gefährlicher Stelle: Erschreckende Quote – fast jedes dritte Auto zu schnell

Tempo-Messgerät blitzt Schnellfahrer in der Frankfurter Straße in Rödermark
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Rödermark: Selbst abzüglich aller Mess-Toleranzen reichen 50 Stundenkilometer in der Tempo-30-Zone für einen deftigen Strafzettel. Von diesem Raser profitiert auch die Stadtkasse. Denn bei einer Geschwindigkeitsübertretung bis 20 Stundenkilometern wird ein Verwarnungsgeld fällig, darüber ein Bußgeld. Und das kassiert das Regierungspräsidium Kassel.

Die Ordnungspolizei kontrolliert regelmäßig die Geschwindigkeit in Rödermark. Die Quote der Raser ist erschreckend.

Rödermark – Gerade mal 30 Minuten steht der städtische Blitzer an diesem Morgen in der Frankfurter Straße, und schon hat sein Radarstrahl in der Tempo-30-Zone 20 Autos erfasst. „Spitzenreiter war ein BMW X5 mit 64 Stundenkilometern“, stellt Ordnungspolizist Ermin Spahic professionell emotionslos fest. Dass er froh ist, so einen Raser erwischt zu haben, zeigt sein nächster Satz: „Die Frankfurter Straße ist doch Schulweg.“

Spahic und sein Kollege Horst Schmidt haben eine Schulung fürs Tempomessen absolviert und müssen ihr Wissen auch alle zwei Jahre durch Lehrgänge auffrischen. Bei ihrem Radartrupp achtet die Stadt Rödermark – wie alle anderen deutschen Kommunen – auf absolute Korrektheit. Ihre Messungen müssen juristisch unangreifbar sein. Denn auf nichts reagieren Autofahrer hierzulande gereizter als auf einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens.

Doch von wegen Radarfalle: Ordnungspolizisten müssen beim Einrichten einer Messstelle ähnlich viele Vorschriften beachten wie Autofahrer in einer Tempo-30-Zone. Die Geräte werden jedes Jahr geeicht und dürfen nur an bestimmten Stellen mit der Wasserwaage justiert aufgestellt werden. Vom Schild, ab dem eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt, müssen Schmidt und Spahic 150 Meter Abstand halten. Der Gesetzgeber gibt Autofahrern damit eine große Chance, ihr Tempo anzupassen. Weitere Regeln und die Lage der Messpunkte sind in einem dicken Ordner abgeheftet.

Die genormte Technik ist vergleichsweise simpel. Das Gerät hat zwei Sensoren; der erste erfasst das Auto in 50 Metern Entfernung, der zweite in 30 Metern. Diese kurze Strecke reicht dem Computer, um in Millisekunden über korrekte oder überhöhte Geschwindigkeit zu entscheiden. Nach den Erfahrungen von Ermin Spahic und Horst Schmidt trifft ihr Blitz jedes dritte Auto. Mit der Verkehrsmoral scheint‘s auf Rödermärker Straßen nicht allzu weit her zu sein.

Immerhin: Extreme Raser sind die Ausnahme. Das machen die Männer vom Ordnungsamt an der Hauptstraße Waldacker fest, wo seit ein paar Monaten zwischen 22 und 6 Uhr eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern gilt. Bei der jüngsten Messung waren die meisten Temposünder mit 45 bis 50 Sachen unterwegs – also der Geschwindigkeit, die tagsüber auf der Hauptstraße erlaubt ist. Lachen mussten die Stadtpolizisten über das schnellste Auto des Abends – 78 Stundenkilometer maßen sie bei einem blau-silbernen Opel mit WI-Kennzeichen. Doch die Kollegen von der Landespolizei waren auf Einsatzfahrt und bekommen keinen Strafzettel.

Durchweg positiv reagieren Anwohner, wenn Spahic und Schmidt das Messgerät vor ihren Grundstücken aufstellen. Raser gefährden schwächere Verkehrsteilnehmer und machen Krach.

Nur ausnahmsweise offen: Die Ordnungspolizisten Horst Schmidt und Ermin Spahic gewährten dem

Viele Autofahrer sehen in dem schwarzen Kasten die Radarfalle und zeigen dies auch deutlich. Aber Stinkefinger und Pöbeleien durch Fenster prallen am dicken Fell ab, das sich Ordnungspolizisten zwangsläufig zugelegt haben.

Abends blitzen sie der Sicherheit wegen nur zu dritt, denn immer wieder halten Autos an. Ermin Spahic erinnert sich an einen Taxifahrer – 74 statt 50 Stundenkilometer –, der ihn zunächst bedrängte, das Foto zu löschen. Als „dicke Hose“ nichts brachte, drückte der Mann auf die Tränendrüse: Mit seinem Taxi müsse er Frau und vier Kinder ernähren. Auch dieses Argument zog nicht.

Ein ungewöhnlicher „Anhalter“ kommt kurz vor Dienstschluss in der Frankfurter Straße auf Schmidt und Spahic zu. „Kontrolliert doch mal die B 459 vor der Wingertstraße. Dort wird nur gerast“, bittet der SUV-Fahrer aus Waldacker. Während der Hauptverkehrszeiten habe er kaum eine Chance, mit dem Fahrrad über die Ortsdurchfahrt zu kommen. Und wenn er die Ampel drücke, pöbelten ihn die ausgebremsten Autofahrer an: „Du W...., kannst du nicht einfach so drüberlaufen!“ Doch gegen Vollpfosten hilft der Radarblitz nur beschränkt... (Von Michael Löw)

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