Immer schön am Seil entlang

Mit Abstand verknotet: „Dinjerhof“-Freunde erkunden Grenzgebiet

Auch im tiefen Wald zwischen Ober-Roden und Rollwald hielten die „Freunde im Dinjerhof“ dank Knotentechnik ihren Mindestabstand ein. Foto: Ziesecke
+
Auch im tiefen Wald zwischen Ober-Roden und Rollwald hielten die „Freunde im Dinjerhof“ dank Knotentechnik ihren Mindestabstand ein. 

Passanten am Ober-Röder Marktplatz oder Spaziergänger im Wald schauten erst irritiert, dann aber sehr belustigt, wenn sie auf die rund 30-köpfige Gruppe stießen, die da am Freitagabend entlang zog.

Rödermark/Rodgau – Was wie eine Mischung aus „Nabuccos“ Gefangenenchor und einem Kindergartenausflug mit Betreuern vornweg und hintendran aussah, war eine humorvolle Aktion der „Freunde im Dinjerhof“ mit ernstem Hintergrund.

Nachdem der Vorstand einen ersten Weinabend im Hof in der leicht gelockerten Coronazeit für absolut verfrüht hielt, suchte er andere Wege, den nach Gemeinschaft lechzenden Mitgliedern ein Treffen zu ermöglichen. Schließlich kramte Reinhard Berker viele Taue und Stricke hervor und lud zur Seilschaft, einem Ausflug zur lange Zeit verschollenen „Stockau-Quelle“ auf Rollwälder Gebiet. Sein Vortrag war gespickt mit vielen Informationen und vor allem lokalhistorischen Hintergründen.

Um den geforderten Abstand der „Mitläufer“ zu verdeutlichen, wurden am Marktplatz die Seile zusammengeknotet und alle 150 bis 200 Zentimeter eine Griffschlaufe gebunden – und nur daran konnten die Teilnehmer sich fortbewegen. Was mit viel Gelächter, mit Seilhüpfen und Strick um den Hals und vielem mehr seinen Beginn nahm, war schon nach wenigen Metern Normalität.

Vorbei an Schulstraß" und früherer Hinnergass, am „Winkel“ und dem Feldkreuz an der Dieburger Straße, mit viel Glück in einem Schwung über den Bahnübergang und zu den fehlenden zehn ersten Hausnummern in der Babenhäuser Straße ging"s zur Kläranlage, wo das Storchenpaar seine Jungen im Nest beschützte. An der Rentnerbank am Waldeingang gab"s im Vorbeigehen kühle Getränke und hygienisch verpackte Snacks – denn eine Pause war nicht vorgesehen.

An der „verschwundenen Stockau-Quelle“ lauschten die rund 30 Mitglieder der Seilschaft den Ausführungen des Hobby-Historikers Reinhard Berker.

Das Ziel, die „Stockau-Quelle“, nur etwa 50 Meter jenseits der Ober-Röder Gemarkungsgrenze, ist den wenigsten Rodgauern und Rödermärkern ein Begriff. Vor rund 20 Jahren hatte der Verein für multinationale Verständigung festgestellt, dass es diese Quelle nicht mehr gibt. Sie war offenbar Forstarbeiten zum Opfer gefallen. Doch plötzlich fanden sich drei Bilder von dieser Quelle, die teils 2017 aufgenommen wurden. Spätestens da war Hobbyhistoriker Berker unruhig. Er beschaffte sich die Koordinaten und machte sich auf den Weg, um sofort danach ein mit Bootslack geschütztes Sperrholzschild an die Bäume auf dem Weg zu hängen. Nun lebt sie wieder, die „Stockau-Quelle“, und am Freitagabend wurde sie zum Ziel- und Wendepunkt der Seilschaft der „Freunde im Dinjerhof“.

Nach rund zwei Stunden und sehr viel längst überfälligem Info- und Gedankenaustausch schließlich landete die Truppe, die zwischenzeitlich auch mal Fersenpflaster verteilen oder wegfliegende Sonnenhüte einsammeln musste, wieder am Marktplatz. Für die meisten ging es dann noch zu einem „Abschlussgespräch“ in den „Dinjerhof“, in dem die Bänke in coronagerechten Abstand stehen – voll Vorfreude auf die nächste Seilschafts-Tour, die voraussichtlich in drei Wochen starten wird.

Infos im Internet gibt es auf dinjerhof.de.

VON CHRISTINE ZIESECKE

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare