Schausteller

Corona-Zwangspause für Rödermarks Kirmes-König

Seinen Lagerplatz in Nieder-Roden musste Sascha Adler wegen der Kosten aufgeben. Hier steht er an einem eingemotteten Autoscooter zuhause in Ronneburg.
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Seinen Lagerplatz in Nieder-Roden musste Sascha Adler wegen der Kosten aufgeben. Hier steht er an einem eingemotteten Autoscooter zuhause in Ronneburg.

Aufgrund der Corona-Krise herrscht bei Schaustellern derzeit Stillstand. Auch bei Sascha Adler aus Rödermark, der in diesem Jahr keine Einnahmen verzeichnen kann.

Rödermark - Statt Fahrgeschäften drehen sich im Schaustellerbetrieb von Sascha Adler derzeit nur die Däumchen. Das Familienunternehmen, das in Rödermark und im Kreis Offenbach als Generalpächter diverse Frühlingsfeste und Kerbvergnügen mit Fahrgeschäften und Buden veranstaltet, ist wegen Corona seit acht Monaten (Winterpause eingerechnet) fast ohne jegliche Einnahmen.

Nur im Sommergarten der Turnerschaft stehen aktuell ein Imbiss- und ein Süßwarenwagen von Adler. „Das ist das erste Engagement dieses Jahr überhaupt. Für diese Chance sind wir sehr dankbar. Weil bei uns ist es nicht fünf vor 12, sondern fünf nach 12“, schildert der 45-Jährige seine prekäre wirtschaftliche Lage. Sascha Adler ist in vierter Generation Schausteller. Seine Oma (87) hat zwar schon schlimme Zeiten erlebt. „Aber sie sagt, selbst im Krieg hätte sie als Kind die ein oder andere Kerb erlebt. Einen solchen Stillstand wie jetzt hätte es noch nie gegeben.“

Den Unternehmer drücken Kredite für Lkw und Fahrgeschäfte. Ein fester Mitarbeiter und Aushilfskräfte mussten sich schon nach etwas anderem umsehen. „Derzeit versuchen meine Frau Carola, mein Sohn Sascha Jr. und ich das alleine irgendwie durchzubringen.“ So könne es aber nicht weiter gehen. Während andere Branchen langsam wieder an den Start dürften, herrsche in der Schaustellerszene immer noch eine erzwungene Starre, „als hätte uns einer den Stecker gezogen.“

Der Schaustellerverband Frankfurt hat deshalb ein umfangreiches Hygienekonzept aufgestellt. Es soll seinen Mitgliedern als Überzeugungshilfe bei Gesprächen mit Kommunen dienen, die Volksfeste, Kerb & Co. genehmigen müssen.

Adler ist aktuell in Kontakt mit mehreren Kommunen, ob im Herbst nicht vielleicht doch die ein oder andere Alternativveranstaltung stattfinden könnte. Niemand soll sich dabei überfahren oder auf die Füße getreten fühlen. „Ich möchte mit den Verantwortlichen zusammen etwas entwickeln, das jeder für sich auch guten Gewissens mittragen kann. Es muss ja keine große Kerb sein. Vielleicht ein Herbstfest zusammen mit Vereinen im Freien mit offenem Biergarten und einigen Ständen.“

Was sieht das Hygienekonzept des Schaustellerverbands vor?

  • Einbahn-Regel beim Warten an der Kasse.
  • Desinfektionsspender ohne Ende.
  • Desinfektion der Fahrgeschäfte.
  • Begrenzte Personenzahl in den Fahrgeschäften.
  • Strikte Abstandsregeln.
  • Plexiglasscheiben an der Warenausgabe mit Schlitzen zum Durchreichen.

„Wir hoffen einfach – bei aller gebotenen Vorsicht – auf eine Chance, etwas ausprobieren und uns beweisen zu können“, schlägt Adler dezente Töne. Notfalls sei es sogar möglich, „mit Maske Autoscooter zu fahren.“ (bp)

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