Rödermark soll blühen

Der Kampf gegen das Insektensterben

Blühende Wiesen sind ein Insektenparadies – doch die sind in vielerlei Hinsicht gefährdet.  
Foto: Löw
+
Blühende Wiesen sind ein Insektenparadies – doch die sind in vielerlei Hinsicht gefährdet.

Nachbarschaftsgruppen, Naturschutzbund, Grünpaten und Stadt kämpfen gemeinsam gegen das Insektensterben. Sie legen Wiesen an, auf denen Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Falter Nahrung finden. Doch manchmal macht sogar die Natur den Naturfreunden das Leben schwer.

Rödermark – Natur soll zurück in die Stadt oder zumindest an deren Rand. Denn nur auf blühenden Wiesen finden Insekten die Nahrung, die sie zum Überleben brauchen. Ohne Insekten, so die einfache Gleichung von Naturschützern, fehlen (Nutz)-Pflanzen die Bestäuber und Vögeln das Futter.

Die Breidert-Initiative und der Naturschutzbund (Nabu) haben sich mit der Biologin Doris Lerch zusammengetan, um Salbei-Glatthafer-Wiesen anzulegen. Die Fachfrau aus Waldacker hat eine Samenmischung mit fast 40 Pflanzen zusammengestellt, die auf den sandigen Böden rund um Rödermark wachsen. Ursprünglich hatten sie mehrere Flächen von zusammen vier Hektar im Auge, am Ende blieb eine Wiese in der Nähe des Schützenhauses.

Die Biologin Doris Lerch aus Waldacker hat eine Rödermark-Samenmischung zusammengestellt.

Und dort hätte beinahe die Natur den Naturschützern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt dem begehrten Salbei machten sich dort Wicken breit und nahmen den Sämlingen Licht und Luft. „Die Wicken hätten Saatgut im Wert von 850 Euro erstickt“, macht Karlheinz Weber von „Wir sind Breidert“ den materiellen Verlust durch Wildwuchs deutlich. Viele Helfer packten an und rissen zwei Pkw-Hänger voller Wicken aus.

Der Muskelkater hat sich gelohnt. „Wenn der Sommer nicht zu heiß wird, haben wir gute Chancen, dass sich in den nächsten zwei bis drei Jahren eine artenreiche Heuwiese entwickelt“, hofft Doris Lerch. Zu aller Überraschung gedeiht dort schon jetzt der Sardische Hahnenfuß. „Ranunculus sardous“ zählt zu den am meisten gefährdeten Pflanzenarten in Deutschland.

Haufenweise Wicken rissen Naturschützer auf der Wiese am Diana-Schützenhaus aus.

Franz Jäger hatte im Mai vorigen Jahres die Idee, die ökologisch wertlosen Rabatte am Breidertring in insektenfreundliche Blühstreifen zu verwandeln. Als Nächstes plant die Quartiersgruppe eine Schmetterlingswiese an der Seligenstädter Straße.

Seit Juli macht die Stadt auch beim Programm „Blühendes Südhessen“ mit. Der Darmstädter Energieversorger Entega Natur pur finanziert Fachberatung, Bienenhotels und Saat im Wert von 500 Euro. Die Kommune stellt Flächen bereit, bereitet sie für die Aussaat vor und pflegt sie. Die erste dieser Blühwiesen soll eventuell noch im Herbst am „Kranich“-Kreisel in Ober-Roden entstehen.

„Die Aktion „Blühendes Südhessen“ ist eine gute Ergänzung unserer Grünpaten“, sagt Bürgermeister Jörg Rotter. 39 Frauen und Männer kümmern sich seit mehreren Jahren um öffentliches Grün – meist vor ihren Häusern. Paten, die Flächen neu bepflanzen, bekommen ab sofort einen kleinen Zuschuss der Stadt. (VON MICHAEL LÖW)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare