Altes Sozialrathaus ein Kandidat für die Abrissbirne?

Stadt streckt die Fühler nach "Schützenhof" und Ex-Bäckerei Jakob aus

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Her damit? Sowohl der „Schützenhof“ als auch die frühere Bäckerei Jakob (links daneben) sollen verkauft werden. Der Magistrat überlegt, ob er die Gebäude erwerben kann oder bei der Stadtentwicklung mit einem Investor zusammenarbeitet.

Urberach – Wenn Häuser oder Scheunen in zentraler Lage verkauft werden sollen, weckt das die Aufmerksamkeit von Politikern. Von Michael Löw

Kann die Stadt in so ein Grundstücksgeschäft einsteigen, um den Ortskern aufzuwerten und/oder Bausünden zu verhindern? Diese Frage stellt sich wieder einmal am „Dalles“.

Hausbesitzer aus der Bahnhofstraße und der Bachgasse wollen ihre – teils unter Denkmalschutz stehenden – Immobilien verkaufen. Politiker quer durch alle Fraktionen sehen darin eine große Chance für Alt-Urberach. Zumal die Stadt das sogenannte Sozialrathaus in der Konrad-Adenauer-Straße in ein Gesamtkonzept einbringen könnte.

Ausgangspunkt der Überlegungen: Der angedachte Verkauf der ehemaligen Bäckerei Jakob und des „Schützenhofes“, also die Grundstücke Bahnhofstraße 4-8, sowie einer Scheune in der Bachgasse, die an die Gaststätte grenzt. „Das sind für Urberach ziemlich wichtige Gebäude“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert und verweist zugleich auf weitere Leerstände mitten im Ort: den alten Schlecker-Markt ebenfalls in der Bahnhofstraße und das einstige Textilhaus Schwarzkopf an der Hauptstraße. Gensert: „Wir haben also viel Bedarf im Zentrum.“

Doch zunächst soll sich der Magistrat auf Ex-Bäckerei, den Gasthof und die Scheune konzentrieren. Zusammen mit dem Sozialrathaus könnte etwas entstehen, was Norbert Schultheis (SPD) „einen Traum“ und der Erste Stadtrat Jörg Rotter ein „identitätsstiftendes Ensemble“ nennt.

Weg damit? Das alte Sozialrathaus, in dem heute das Ordnungsamt untergebracht ist, ist nach Ansicht vieler Kommunalpolitiker ein Kandidat für die Abrissbirne.

Verborgenes Fachwerk in der Bahnhofstraße 4 und denkmalgeschützte Balken beim „Schützenhof“ wären der historisch anmutende Teil eines städtebaulich ansprechenden Ensembles. Der moderne Aspekt könnte auf dem Grundstück des Sozialrathauses verwirklicht werden. „Die Nutzungsmöglichkeiten dieses Gebäudes sind sehr begrenzt. Aufgrund der ungünstigen Erschließung, schwieriger Raumaufteilung sowie fehlender Parkplätze ist es fast unmöglich, dieses Anwesen alleine sinnvoll zu nutzen oder als Einzelobjekt zu einem angemessenen Preis zu veräußern“, sagt Rotter. Peter Schröder von den Freien Wählern spricht Klartext: „Abreißen!“

Alle Grundstücke könnten gemeinsam vermarktet werden - sofern die Eigentümer mitmachen. Das soll der Magistrat ausloten. Der Kauf der Häuser in der Bahnhofstraße durch die Stadt wäre eine Möglichkeit, die aber ihren Preis hätte. Der „Schützenhof“ zum Beispiel wird in Online-Portalen für knapp eine halbe Million Euro angeboten. Die Zusammenarbeit mit einem Investor wäre die zweite Alternative.

Rotter und Stefan Gerl, der Fraktionsvorsitzende der AL, bringen den Urberacher Architekten und Heimatkundler Horst-Peter Knapp ins Gespräch. Der habe, so Gerl, beim „Herschwert“ neben der Gallus-Kirche „viel Herzblut bei der erfolgreichen Renovierung von Geschäften“ bewiesen. SPD-Mann Schultheis warnt dagegen vor frühzeitiger Festlegung auf einen Architekten.

Die Ausgangslage ist aber kompliziert. Für den Urberacher Ortskern gibt es vier Bebauungspläne, und das Stadtbild ist alles andere als einheitlich. Neben aufwendig restaurierten Fachwerkhäusern stehen nüchtern Zweckbauten aus den Sechziger- bis Achtzigerjahren. „B1.2 – Ortskern Urberach“ war Ende 2014 der Arbeitstitel eines Bebaungsplanes, der den nordöstlichen Teil des alten Urberach vor Wildwuchs schützen und überdimensionierte Wohnhäuser verhindern sollte. Doch übers Diskussionsstadium kam das Projekt „B1.2“ bislang nicht hinaus.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Nach der um 1800 gebauten Bäckerei Jakob, deren Fachwerk längst unter Putz und Klinkern verschwunden ist, hatten CDU und Andere Liste 2012 schon einmal die Fühler ausgestreckt. Allerdings hatte ihre damalige Einschätzung („Akuter Sanierungsfall“) die Eigentümerin auf die Palme gebracht. Seither herrschte Stillstand, in den jetzt vielleicht Bewegung kommen könnte.

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