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Extra-Busse ohne Extra-Nutzen

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Von: Michael Löw

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Urberach – Die von den Verkehrsverbünden und den Städten Rödermark und Darmstadt groß angekündigten Extra-Busse zwischen Urberach und Darmstadt sind nach Ansicht von Urberacher Eltern nur eine Schein-Verbesserung: Wenn ihre Kinder zur Schule nach Darmstadt (oder von dort nach Hause) müssen, fahren sie nämlich nicht, klagen Guido Föckel und Dr. VON MICHAEL LÖW

Carsten Rehn. Sie kämpfen seit April 2018 für bessere Verbindungen auf den Linien U und F, die von Urberach über Messel nach Darmstadt fahren. .

Vorige Woche hatten die Darmstadt-Dieburg Nahverkehrsorganisation (DADINA), die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) und der Magistrat mitgeteilt, dass ab Dezember sechs zusätzliche Busse auf die Strecke geschickt werden: zwei morgens, vier nachmittags. Damit sei während der Stoßzeiten ein Halbstundentakt garantiert.

Das sehen die Urberacher Eltern anders. Mehr als 50 Kinder und Jugendliche besuchen weiterführende Schulen in Darmstadt. „Wir sind zutiefst darüber enttäuscht, dass wir ohne Angabe von Gründen nicht zu der Besprechung am 3. September eingeladen waren“, kritisiert Föckel das Prozedere. An diesem Tag suchten DADINA, kvgOF und die beiden Städte nach Lösungen. Ergebnis waren die sechs Zusatzfahrten.

Die aber, so Föckel und Rehn, lösen keines der wesentlichen Probleme: Die Extra-Busse um 8.23 und 9.23 Uhr ab Urberach bringen nichts, wenn die Schüler zur ersten Stunde in Darmstadt sein müssen. Wenn Klausuren anstehen, bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto, damit sie pünktlich sind. Ihre Forderung nach maximal 45 Minuten Fahrzeit zur ersten und nach der sechsten Stunde blieben unberücksichtigt. Mittags sind die Schüler schlimmstenfalls eineinhalb Stunden unterwegs.

Guido Föckel: „Mir erschließt sich aktuell nicht, für wen die verkündete Fahrplananpassung eine wirklich sinnvolle und nachhaltige Lösung darstellt.“

Die Eltern lassen ihrer Kritik vier Vorschläge folgen, die den Schulweg verkürzen könnten. Guido Föckel fährt derzeit auf den Linien U und F im Selbstexperiment. Seine Anregungen:

. Bahnhof Messel 1: Morgens hält der Bus fünf Minuten, um auf den Zug von Aschaffenburg nach warten. Die Zahl der Zusteiger tendiert laut Föckel aber gegen Null.

. Bahnhof Messel 2: Bis zu zwei Minuten könnte der Bus außerdem sparen, wenn die DADINA die Haltestelle vom Bahnhof an den Bahnübergang verlegen würde.

. Ortskern Messel: Die 50 Sitzplätze im Bus sind mit den Urberacher Schülern komplett belegt. Spätestens ab Messel-Mitte bekommt Testfahrer Föckel „das leichte Gefühl von Ölsardinen in der Dose“. Seiner Meinung nach muss der Bus an Messels Zentrum vorbei- und direkt zur zentralen Darmstädter Haltestelle am Schloss weiterfahren.

. Schloss Darmstadt: Würde der Bus um 13.26 Uhr von dort nicht übers Oberwaldhaus, sondern ohne Umweg nach Urberach fahren, brächte das 15 Minuten.

„Man muss nur wollen“, fordert Guido Föckel die DADINA auf, „nicht stur an Prinzipien und Regeln festzuhalten“. Doch aus Rücksicht auf ihre Kunden aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg verschließe sie sich pragmatischen Lösungen für „Bürger aus einem anderen Kreis“. Diesen Unterschied hätten die Urberacher Eltern von Anfang an gespürt. Föckel: „Ich vermisse ein ganzheitliches und nachhaltiges Handeln im überregionalen Sinn.“

Guido Föckel und Carsten Rehn vermuten gar System hinter der Schein-Verbesserung: Weil die Extra-Busse ihrer Ansicht nach kaum jemandem Extra-Nutzen bringen, wird das Angebot mangels Nachfrage wieder gestrichen, befürchten sie.

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