Die Krise beschleunigt

Viel mehr Homeoffice: Ein Zukunftsmodell für die Rathäuser

Keiner von der Verwaltung da? Dieses Rathausbüro ist zwar leer, aber die Mitarbeiter sind für die Bürger trotzdem da – nur eben im Homeoffice.
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Keiner von der Verwaltung da? Dieses Rathausbüro ist zwar leer, aber die Mitarbeiter sind für die Bürger trotzdem da – nur eben im Homeoffice.

Die Krise legt nicht nur lahm, sondern sie beschleunigt auch. Zum Beispiel den Zahlungsverkehr ohne Bargeld. Oder den Trend zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden. Seit 23. März heißt es auch in den Rödermärker Rathäusern: Homeoffice – wer kann.

Rödermark – Von 150 Arbeitsplätzen könnten 90 von zuhause aus organisiert werden. Aktuell sind 60 Rathausmitarbeiter im Homeoffice – überwiegend Frauen und das quer durch alle Altersgruppen. Diese Zahlen nennt Bürgermeister Jörg Rotter und sagt: „Wir verfahren da genau so, wie es unser Verwaltungsstab und der Pandemieplan es vorsehen. “.

Der Rathaus-Chef hat den Eindruck, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Möglichkeit „gerne annehmen, weil sie in den eigenen vier Wänden sicher und geschützt arbeiten können, obwohl sie ihrem Dienstherrn natürlich weiterhin immer bereitstehen müssen“.

Alle würden „genauso engagiert arbeiten, als wenn sie vor Ort wären“. Auch gebe es keine Berührungsängste mit der erforderlichen Technik: „Die Älteren gehen damit genauso um, wie die Jüngeren.“

Der Bürgermeister beobachtet, dass es trotz Homeoffice in manchen Sachgebieten nicht ganz ohne den Gang ins Rathaus geht. „Zum Beispiel im Baubereich. Akten und Pläne, die noch nicht digital vorliegen, müssen zur Bearbeitung von Fällen eingesehen werden. Das geht dann eben nur im Rathaus.“

Rotter, der ebenfalls von zuhause die Amtsgeschäfte führt, erläutert, Homeoffice sei in Rödermark auch schon vor der Krise angeboten und vereinzelt genutzt worden. Jetzt gebe es allerdings einen „Drive“, der es erlaube, „genauer hinzusehen, in welchen Arbeitsbereichen das möglich ist. Jetzt machen wir beschleunigt die Erfahrungen damit und können Lehren daraus ziehen, was in Zukunft bleibt und umsetzbar ist.“ Für den Verwaltungs-Chef verbietet sich der Gedanke also keinesfalls, dass das Homeoffice für die Verwaltung ein Zukunftsmodell sein könnte. In den Rathäusern würden Räume frei – vielleicht zur Untervermietung? Oder um dort, wo es in Amtsstuben luftiger sein könnte, Platz zu schaffen.

Wie reagieren die Bürger darauf, dass die gewohnten Ansprechpartner derzeit nicht persönlich von Angesicht zu Angesicht zur Verfügung stehen? „Da gibt es ganz unterschiedliche Reaktionen – so wie immer. Es gibt viele, die uns loben, wie wir die Krise meistern. Und es gibt Beschwerden, dass zum Beispiel der Wertstoffhof zu gemacht werden musste.“ Als erfreulichste Aktion ist Rotter die gute Idee der Inhaberin des Cafés „Süße Ecke“ in Erinnerung. Als das Café wegen Corona zunächst einmal schließen musste, verteilte die Frau den übrigen Kuchen kurzerhand im Rathaus und in der Nachbarschaft. „Das hat uns in schwieriger Zeit doch sehr schön aufgemuntert.“

VON BERNHARD PELKA

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