Rödermark

Freie Wähler geben sich zum zehnten Geburtstag kampfeslustig - Stachel im Fleisch der etablierten Parteien

Der Vorsitzende der Freien Wähler Rödermark, Peter Schröder (links), und Landesvorsitzender Ronald Berg (2. von rechts) ehren die Mitglieder Gerd Gries, Klaus Neumann, Christel Gries, Ulrich Czerwinski, Erhard Grams, Jutta Neumann und Edelgard Grams (von links).
+
Rödermark: Ehrungen zum Geburtstag: Peter Schröder, der Vorsitzende der Freien Wähler Rödermark (links), und Landesvorsitzender Ronald Berg (2. von rechts) würdigten das Engagement von Gerd Gries, Klaus Neumann, Christel Gries, Ulrich Czerwinski, Erhard Grams, Jutta Neumann und Edelgard Grams (von links).

Sie gründeten sich 2010 in Rödermark als Stachel im Fleisch des Polit-Establishments und wetteifern jetzt mit der FDP um die Rolle der Oppositionsführung im Stadtparlament: Die Freien Wähler (FWR) hatten an ihrem zehnten Geburtstag allen Grund zu feiern – wenn auch coronabedingt im kleinen Rahmen.

Rödermark - Peter Schröder stellte erfreut fest, dass unter den fast vollzählig erschienenen Mitgliedern auch vier der sieben Gründer waren. Unzufriedenheit mit den alteingesessenen Parteien und Ärger über den Fluglärm waren die Triebfedern, einen politischen Verein zu gründen, um sich als Freie Wähler dem Votum der Bürger bei den Kommunalwahlen 2011 zu stellen.

Die Initiatoren hatten von Beginn an festgelegt, „dass ideologiefreie und parteiunabhängige Politik zum Wohle Rödermarks mit sachlichen Debatten und pragmatischen Lösungen das Ziel sein soll.“ Der Mensch im Mittelpunkt lautete die recht allgemeine Devise.

Sympathisanten und politisch Interessierte ohne Mitgliedschaft kamen in monatlichen Gesprächsrunden oder bei Ortsbegehungen zu Wort und konnten sich so in die Meinungsbildung einbringen. Daraus entstand die FWR-Bürgerfraktion. Sie hat am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr in den „Königlich bayrischen Stuben“ in der Bachgasse ihre nächste Sitzung.

Das Ergebnis der Wahlen 2011 war ein Erfolg für die FWR. Nur ein Jahr nach der Gründung erhielten sie 4,9 Prozent der Stimmen und zogen mit einer Zwei-Mann-Fraktion in das Rödermärker Parlament ein. Der damalige Vorsitzende Ingolf Heiß zog sich aus privaten Gründen relativ schnell aus der Kommunalpolitik zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Peter Schröder gewählt, der die Ämter von Partei- und Fraktions-Chef bis heute innehat.

In diesen finanzpolitisch äußerst schwierigen Zeiten wurden die FWR mit Anträgen zur Konsolidierung des Haushaltes initiativ und stimmten – ziemlich naiv – dem Schutzschirmvertrag zu. Grundlage für diese Entscheidung war die Zusage von Bürgermeister Roland Kern, dass nach den sofortigen Steuererhöhungen in den nächsten Jahren Einsparungen im Wesentlichen beim Personal erfolgen sollten. Umgesetzt wurden nur die Steuererhöhungen, auf die noch weitere folgen sollten, doch die Personalkosten stiegen unaufhörlich weiter. „Die FWR waren in der realen Politikwelt angekommen“, mussten Schröder und seine Fraktion erkennen. Die Zeit der eher sanften Töne war vorbei, die FWR zeigten Zähne und schärften ihr Profil als bissige Oppositionspartei.

2016 erkannten die Wähler Arbeit und Leistungen der FWR an. Mit 10,4 Prozent haben sie ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt. Die Fraktion unter Leitung von Peter Schröder vergrößerte sich auf vier Mandate und, man war mit Manfred Rädlein nun auch im Magistrat vertreten.

Die von den FWR seitdem verfolgten Themen waren die Stadtplanung einschließlich eines Parks, ein Gymnasium für Rödermark, Verkehrsplanung und -konzepte, Vereinsförderung. Erwartungsgemäß konnte man nur wenig gegen die schwarz-grüne Koalition durchsetzen, aber viele Aspekte der FWR-Anträge fanden doch Eingang in die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung.

Mit einem Ausblick auf die Kommunalwahlen 2021 beendete Schröder seine Rede und begrüßte den Landesvorsitzenden der hessischen FW-Ortsvereine Ronald Berg. Gemeinsam ehrten sie sieben FWR-Mitglieder für zehnjährige Parteizugehörigkeit. Die Jubilare erhielten neben einer Urkunde die bronzene Ehrennadel und ein Weingeschenk.

Nach dem politischen Teil unterhielt der Urberacher Schauspieler und Kabarettist Volker Heymann die Gäste mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Programm. Eine nachträgliche Geburtstagsparty in größerem Rahmen soll – wenn möglich – 2021 folgen. Die FWR sind zuversichtlich, auch bei der nächsten Kommunalwahl wieder ein gutes Ergebnis feiern zu können. (Von Michael Löw)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare