SPD sieht sich unverdient abgestraft

Rödermark wählt Schwarz-Grün

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Im Bürgertreff Waldacker war es gerade relativ ruhig, als Otto Haus seine Stimmen abgab.

Rödermark - Wenn es nach den Wählern in Rödermark geht, dann können CDU und Grüne in Hessen weiter regieren. Beide Parteien schnitten gestern bei der Landtagswahl in Rödermark besser ab als im ganzen Land. Von Ekkehard Wolf 

Zusammen kamen sie vor Ort auf 53,2 Prozent – landesweit mussten sie bei Redaktionsschluss dieser Zeitungsseite noch um ihre Mehrheit zittern.
„Rödermark hat Schwarz-Grün gewählt“, sagte der Geschäftsführer von AL/Die Grünen, Eckhard von der Lühe. Er sehe darin auch eine Bestätigung für die schwarz-grüne Koalition vor Ort. „Ich freue mich, dass wir als Grüne über dem Landesdurchschnitt liegen. Das ist gute Tradition.“

„Natürlich sind wir entsetzt, wie stark der Bundestrend durchgeschlagen hat“, sagt Rödermarks CDU-Vorsitzender Ralph Hartung. „Die Landesregierung hat gute Arbeit geleistet. Das rechtfertigt nicht, dass man zehn Prozentpunkte verliert.“ Der Vorsitzende der CDU-Stadtfraktion, Michael Gensert, bewertet das Ergebnis seiner Partei etwas anders: „Die CDU Hessen hat sich behauptet. Das Ergebnis ist schlimm, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Schwarz-Grün hat gut gearbeitet. Wir haben auch hier eine schwarz-grüne Koalition, die gut arbeitet. Sowohl das eine als auch das andere Projekt lohnt sich fortzusetzen.“

Landtagswahl 2018: Ergebnisse aus Rödermark

Nach dem Leeren der Wahlurnen (hier in der Halle Urberach) dauerte es drei Stunden, bis auch die Stimmzettel des letzten Wahlbezirks ausgezählt waren.

Von einem „inakzeptablen Ergebnis“ für die SPD spricht der örtliche Parteivorsitzende Hidir Karademir: „Ich bin sehr traurig, dass es so gekommen ist.“ Den Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel habe er als sehr integre Persönlichkeit, als fleißig und überzeugten Sozialdemokraten kennengelernt. Er habe die Themen im Wahlkampf sehr gut gesetzt. „Dass er eine solche Klatsche bekommen hat, haben wir der Bundes-SPD und der Bundesregierung zuzuschreiben.“

„Diese Niederlage hat die SPD auf Landesebene nicht verdient“, sagt auch Samuel Diekmann, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rathaus. „Ich wünsche mir, dass auch die SPD in Berlin dieses Signal endlich versteht.“

Für den FDP-Stadtverbandsvorsitzenden Hans Gensert war das Wahlergebnis nicht überraschend: „Ich hab’s genauso erwartet. Unser Ergebnis in Rödermark ist in Ordnung, wir haben seit der letzten Landtagswahl dazugewonnen. Erschreckend ist, wie CDU und SPD verloren haben.“ Er erwarte eine Koalition aus CDU, Grünen und FDP: „Eine Jamaika-Koalition ist eine Chance für das Land und für mich auch eine Option für den Bund.“

Landtagswahl: Kandidaten und Ergebnisse aus dem Wahlkreis 46

Sieben von zehn Wahlberechtigten (genau: 71,8 Prozent) gaben ihre Stimmen ab. Die Wahlbeteiligung lag um 6,6 Prozentpunkte unter der Landtagswahl 2013. Damals wurde am gleichen Tag auch der Bundestag gewählt.

Obwohl die Wahlbeteiligung am Ende geringer war, entstand während des Tages in einigen Wahllokalen der Eindruck eines hohen Andrangs. Eine mögliche Erklärung: Wegen der Volksabstimmung brauchten manche Wähler in der Wahlkabine länger als sonst. Im Wahlbezirk 24 in der Halle Urberach kam es am Nachmittag sogar zweimal zu Warteschlangen: „als wären sie mit dem Bus gekommen“, erzählte eine Helferin.

Im Wahlbezirk 21 erhielten die Wähler spezielle Stimmzettel, die je nach Alter und Geschlecht gekennzeichnet waren. Diese Stimmen werden für statistische Zwecke separat ausgezählt.

Drei Stunden nach Schließung der Wahllokale stand gegen 21 Uhr das vorläufige Ergebnis für Rödermark fest. Der erste Wahlbezirk war bereits um 19.03 Uhr ausgezählt gewesen. Die Erfassung der Daten wurde für die Mitarbeiter des Wahlamts zur Geduldsprobe: Der Zentralrechner des Landeswahlleiters war offenbar überlastet.

Heute zählen Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Volksabstimmung aus. Das Bürgerbüro ist deshalb geschlossen, in den übrigen Dienststellen ist der Betrieb eingeschränkt.

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