Warnung vor dem Kollaps

Wolfgang Steiger wird Autor und sieht „Perfekten Sturm“ aufziehen

Schwarzmalerei? Die Autoren wollen nicht in Alarmismus verfallen, aber nachdrücklich warnen.
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Schwarzmalerei? Die Autoren wollen nicht in Alarmismus verfallen, aber nachdrücklich warnen.

Wolfgang Steiger, der aus Urberach stammende Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, hat die Währungspolitik in einem Buch analysiert. Zusammen mit Simon Steinbrück fragt er, ob „Der perfekte Sturm?“ unser Wirtschaftssystem hinwegfegen kann.

Urberach/Berlin –  Denn ein Orkan braut sich nach Ansicht der Autoren hinter Negativzinsen, Rekordverschuldung und Ordnungsverlust zusammen.

Staaten versinken im Schuldensumpf, Sparer werden mit Negativzinsen enteignet, Volksparteien verlieren dramatisch an Zustimmung – ein düsteres Szenario, das Steiger und Steinbrück beschreiben. Die Elemente, die zusammentreffen und sich gegenseitig verstärken können, sind eine ungelöste Eurokrise, eine sich hinter Nullzins und Geldflutung anbahnende Krise des Geldsystems sowie eine Vertrauenskrise in unsere Gesellschaftsordnung und ihre Kernelemente Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft.

„Wir schreiben dieses Buch nicht, um Angst und Alarmismus zu verbreiten“, versichern die Autoren. Auch als Generalsekretär des Wirtschaftsrates mahnt Steiger immer wieder, dass die Politik – und da nimmt er seine Partei, die CDU, nicht aus – den falschen Weg eingeschlagen haben. Langfristige Turbulenzen seien der Preis für kurzfristige Ruhe, die nur gekauft ist.

Steiger und Steinbrück, der im Wirtschaftsrat unter anderem für die europäische Finanz- und Währungspolitik verantwortlich ist, haben den Schuldigen ausgemacht: die Europäische Zentralbank (EZB). Sie habe sich durch Nullzinsen, Geldschwemme und milliardenteure Anleihenkaufprogramme von ihrer Rolle als Währungshüter verabschiedet. Ihr drastisches Fazit: „Die Zentralbank ist nicht mehr der Verbündete des Sparers, sondern sein größtes Risiko.“

Die ultra-lockere Geldpolitik der EZB und einiger nationaler Zentralbanken habe zwar den Kollaps von Banken und Staaten verhindert. Strukturelle Probleme werden durch diese Interventionen aber nicht gelöst, sondern in die Zukunft verlagert, kritisieren die Autoren.

Die nächste Krise werde offenbaren, dass sich die EZB mit ihren Rettungsmaßnahmen übernommen hat – ein dauerhafter Vertrauensverlust. Eine verunsicherte und gespaltene Gesellschaft, so Steiger und Steinbrück, wirke dann wie ein Brandbeschleuniger.

Das Wirtschaftsrats-Duo will aber keine Schwarzmalerei betreiben. Europa sei ein „wirtschaftliches Kraftzentrum mit riesigem Potenzial“. Von der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihrem Team erwarten Steiger und Steinbrück einen Kurswechsel, damit Europa wieder eine „gestalterische Rolle im Weltgefüge“ übernimmt.  (lö)

„Der perfekte Sturm?“ erschien am 27. Dezember 2019 im Econ-Verlag (Düsseldorf), hat 277 Seiten und kostet 20 Euro.

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