Lkw aus halb Europa brummen über die L 3097

Dicke Brummer sollen draußen bleiben - Anwohner genervt 

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Krachmacher: Rund 100 schwere Lastwagen rollen pro Tag über die L 3097 im Norden von Ober-Roden. Die Anwohner würden sie gerne per Verbotsschild außen vor lassen.

Schwerlaster aus halb Europa brummen über die L 3097. Ihre Fahrer wollen sich die Staus am Frankfurter und Offenbacher Kreuz ersparen. Doch die Landesstraße führt in Ober-Roden auf rund 800 Metern durch den Ort. Dort nerven die Lkw die Anwohner.

Ober-Roden – „Morgens um drei geht’s mit den Lastwagen der DHL los, bis etwa 22 Uhr haben wir ständig Lkw-Verkehr vorm Haus.“ Norbert Kern wohnt seit mehr als 30 Jahren an der Kreuzung von Hanauer beziehungsweise Nieder-Röder Straße und alter Ortsdurchfahrt; der Krach von Autos aller Kaliber gehört für ihn notgedrungen zum Alltag. Aber jetzt ist ihm der Kragen geplatzt. Er telefonierte mit dem Ordnungsamt und dem Ersten Stadtrat Jörg Rotter, schrieb an Bürgermeister Roland Kern und wandte sich an unsere Zeitung. Die Zahl der Laster hat seiner Meinung nach immens zugenommen: „Und zwar die richtig dicken Brummer aus Polen, Litauen und diesen Ländern! Und zu 99 Prozent sind das keine Anlieger.“

Lkw-Fahrer wollen über Rödermark Staus umfahren

Etliche Fahrer – ihre Ziele: entweder das Industriegebiet Nieder-Roden oder der A 3-Anschluss Seligenstadt – verlassen die A 5 in Langen. Sie fahren über die B 486, biegen in Urberach auf die Rodaustraße ab und kommen in Ober-Roden am Haus der Familie Kern vorbei. Gleichmäßig rollender Schwerverkehr ist noch das kleinere Übel. Viel unangenehmer wird’s, wenn die Ampel an der „Kipferl“-Kreuzung den Fluss bremst. Norbert Kern fühlt sich ein bisschen wie die Menschen in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens: „Ähnlich wie in Flörsheim oder Raunheim stellt man schon mal ein Gespräch gewohnheitsmäßig ein, um dem Quietschen der Bremsen aus dem Weg zu gehen.“ Dank teurer Schallschutzfenster zur Hanauer Straße hin bleibt der Lärm im Haus erträglich.

Ausweichroute: Als Alternative zu Mainzer, Hanauer und Nieder-Röder Straße bringt Norbert Kern eine Umleitung über Rödermarkring und die vierspurige B 45 ins Gespräch.

Den Spediteuren geht es einzig um die Zeit, die sie sparen, wenn sie die stauträchtigen Autobahnkreuze Frankfurt und Offenbach auf ihrem Weg nach Osten meiden. Das Argument Maut zählt nicht. Denn seit im Sommer am Rand von Urberach eine Kontrollsäule aufgebaut wurde, müssen sie auch für die B 486 blechen. Norbert Kern schätzt, dass Lärm und Abgasmief rund 300 Menschen entlang der Mainzer, Hanauer und Nieder-Röder Straße, im Hotel „Lindenhof“ und im „Parkhotel“ sowie im Rodgauer Stadtteil Rollwald stören. Pro Tag brummen bis zu 120 Schwerlaster vorbei, hat Kern hochgerechnet.

Das Problem ist seiner Meinung nach ganz einfach zu lösen. Nämlich durch ein Schild am Rödermarkring, das Lastwagen die Geradeausfahrt verbietet und sie über die Umgehungsstraße durchs Industriegebiet auf die vierspurige B 45 leitet. Kern: „Keine andere Kommune ist nachhaltig davon betroffen.“ Ob nachhaltig oder nicht – betroffen ist betroffen. Kerns Alternative führt über Eppertshäuser und Rodgauer Gebiet, hält Ordnungsamtsleiter Artur Singer dagegen. Beide Nachbarn müssten gefragt werden.

Die irrsten Autofahrer der Welt

391 Lastwagen in 24 Stunden registriert

Größer ist die Zahl der Behörden, die an einem Umleitungsverfahren beteiligt werden müssen: Hessen Mobil, Regierungspräsidium und Kreis. Letzter fordert ein detailliertes Gutachten über Zahl der schweren Lastwagen, ihre Herkunft und ihre Ziele. Dafür habe die Stadt kein Geld. Immerhin liegen Messungen des Ordnungsamtes recht nah bei Kerns Schätzung. An der Einmündung des Karnwegs auf die L 3097 wurden innerhalb von 24 Stunden 391 Lastwagen registriert, darunter gut ein Viertel, deren Gewicht über siebeneinhalb Tonnen liegt.

Ordnungsamtsleiter Singer macht Kern und seinen Nachbarn wenig Hoffnung auf Besserung: „Die Landesstraße 3097 ist für den überregionalen Verkehr ausgelegt.“ Zudem seien die Schilder am Rödermarkring nur ein kleiner Teil des Verkehrspuzzles. Norbert Kerns Alternative, die maximal fünf Kilometer länger als der Schleichweg ist, müsste an drei Autobahnen ausgeschildert werden: A5-Ausfahrt Langen, A 3-Ausfahrt Seligenstadt, A 661-Ausfahrt Götzenhain. Nur so können Schwerlaster „rechtssicher“ an der „Kipferl“-Kreuzung vorbei geführt werden.

Von Michael Löw 

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