Wo Saxophone sich duellieren

Grandioses 03er Konzert in Ober-Roden reißt von den Stühlen

Höhepunkte des Konzerts: die Saxophon-Duette und -Duelle von Dr. Udo Eisenbarth und Gregor Kastirke (rechts). Und aus dem Hintergrund feuert(e) Leadtrompeter Francisco Hitzel. 
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Höhepunkte des Konzerts: die Saxophon-Duette und -Duelle von Dr. Udo Eisenbarth und Gregor Kastirke (rechts). Und aus dem Hintergrund feuert(e) Leadtrompeter Francisco Hitzel. 

Der Schlussakkord des finalen Konzertstücks in der Kulturhalle war sensationell. Das optimal krönende „i”-Tüpfelchen auf die musikalischen Leistungen eines Abends, der den Anwesenden so gut gefallen hatte, dass ihnen die obligatorische Zugabe nicht reichte. 

Ober-Roden - Sie wollten mehr – und bekamen eine zweite vom Konzertorchester des Musikvereins 03 Ober-Roden.

Vor den Dreingaben hatte Johannes Maurer sein 15. Herbstkonzert für den Verein offiziell mit einer coolen Handbewegung beendet. Sie erinnerte an einen Revolverhelden, wenn der unvermittelt und blitzschnell seinen Colt aus dem Halfter reißt und lässig aus der Hüfte feuert. Und genauso schloss das Orchester mit einem kompakt gebündelten Klangstrahl den Hit „Soul Train” von Kenny Gamble und Leon Huff akustisch ab. Das war nicht mehr zu toppen.

Die 03er waren in ihr 38. Herbstkonzert qualitativ hoch eingestiegen. So drängend, dass sie sogar einen Hauch vorm Maurer-Einsatz bei John Brakstads „Prelude Festivo” schon voll da waren. Dieses interpretatorische Niveau hielt bei Randall D. Standridges „Imaginarium” an, ging bei „Selections from Wicked” von Steven L Schwartz leicht zurück, um sich zum Halbzeit-Finale gegenüber dem Konzertauftakt noch mal um einige Grade zu steigern. Für „Leonardo”, einer klangkünstlerischen Verbeugung vor Da Vinci. Davor überbrachte Moderator Jürgen K. Groh dem Auditorium Grüße vom Komponisten. Mit ihm, Otto M. Schwarz, hatte Groh via Facebook kommuniziert. Die beiden kennen sich von Zusammenarbeiten in Nieder-Roden, wo der Österreicher für Proben und Aufführungen von Schwarz-Werken vor Ort und Groh noch Dirigent des Konzertorchesters des dortigen Musikvereins war.

In einem Pausengespräch zeigte sich ein Zuhörer, der von seinem Alter her noch die Musikvereine der Vergangenheit kennt, überwältigt hinsichtlich dessen, was Vereine wie die 03er heutzutage für erstaunliche zeitgenössische Werke spielen. Und vor allem wie gut sie diese sinfonische Blasmusik darbieten: „Das hat mit dem, was Musikvereine früher machten, nichts mehr zu tun, aber es ist wunderbar.”

Dabei stehen die 03er eigentlich für etwas Anderes. Sie waren in den 1980er Jahren unter den ersten Blasorchestern der Region, die überzeugend bigband-artig swingten. Anschließend entwickelten sie sich überdies zu Spezialisten in Sachen Latingroove. Obwohl sich das Orchester seitdem stark veränderte und verjüngte, hat es nach wie vor Swing und Groove voll drauf. Mehr noch: besser denn je. Was das eher kleine Blasmusik-Ensemble nach der Pause eindrücklich unter Beweis stellte. Etwa mit „Soul Train” und mit „Listen up! The Music of Quincy Jones”.

Vor allem bei diesem Arrangement von Lars Erik Gudim konnte man sehr schön sehen und hören, wie geschmeidig die Instrumentengruppen der 03er miteinander interagierten und dabei eine enorme Wucht entwickelten. Demgegenüber indes waren es gefühlvolle Tongebung und sorgfältige Phrasen-Ausgestaltung, die den Abschluss, „My Way”, des fünfteiligen Naohiro-Iwai-Arrangements „Frank Sinatra Hits Medley” zum krönenden Höhepunkt des Auftritts machten.

Weitere, spektakuläre Momente, waren die Soli der Saxophonisten Gregor Kastirke und Dr. Udo Eisenbarth. Es war sein Abend. Sobald sich die tönenden Girlanden der beiden zu Klang-Scharmützeln miteinander verflochten und dazu noch Leadtrompeter Francisco Hitzel seine variationsreichen improvisatorischen Inputs hinzugab, war im Publikum kein Halten mehr.

Weitere Solisten des Abends waren, am Bariton-Saxophon, Alexander Gärtner und am Euphonium Maximilian Kern. Hervorzuheben ist auch der transparente, ausgewogene und ausgesprochen angenehme Sound des Orchesters. Da es eine schlanke Blech-Abteilung mit lediglich drei Trompeten im Einsatz hat, „hat das”, so Jürgen K. Groh, „natürlich den Vorteil, dass das Holz seine Klangwirkung entfalten kann”. Das tat es unter Führung der souveränen Klarinettistin Heike Weiland. Und die Percussion-Abteilung würzte variantenreich. Vor allem mit reizvollen Ingredienzien vom Xylophon, Vibraphon und Glockenspiel.

VON MANFRED MEYER

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