Bewährungsstrafe und Fahrverbot

Nach Urteil: Exakte Unfallursache bleibt unklar

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Der 61-jährigen Radfahrerin war nicht mehr zu helfen, sie starb an der Unfallstelle.

Rödermark - Sechs Monate Bewährungsstrafe und drei Monate Fahrverbot: So lautet das rechtskräftige Urteil gegen einen Kraftfahrer, der am 29. Juni 2016 auf der Straße zwischen Rollwald und Ober-Roden eine Radfahrerin totgefahren hatte.

Es war einer der schrecklichsten Unfälle der vergangenen Jahre in Rödermark: Am Morgen des 29. Juni 2016 fährt ein weißer Kleintransporter die Landesstraße 3097 von Rollwald Richtung Ober-Roden. Es ist ungefähr 7.15 Uhr, als der Wagen eine Radfahrerin erfasst, die mit ihrem Hercules-Rad in derselben Fahrtrichtung auf dem Seitenstreifen unterwegs ist. Die Frau wird durch den Aufprall 26 Meter durch die Luft gewirbelt, dann schlägt sie auf der Wiese auf. Noch an der Unfallstelle verstirbt das Opfer, jede Hilfe kommt zu spät. Die genaue Unfallursache bleibt für immer ungeklärt, es gibt keine Erkenntnisse dazu. Laut Polizei gibt es bei dem Fahrer weder Hinweise auf Alkohol, noch auf Handytelefonate. Fest steht lediglich, dass er zu schnell war: 70 bis 80 statt der dort erlaubten 50 km/h.

Das Amtsgericht Langen erließ wegen der fahrlässigen Tötung einen Strafbefehl: sechs Monate Haft auf Bewährung, drei Monate Fahrverbot. Der Unfallverursacher legte dagegen Widerspruch ein. Darüber kam es gestern zur öffentlichen Verhandlung. Der Angeklagte wollte das Fahrverbot nicht akzeptieren. Im Prozess machte Richter Volker Horn dem 49-Jährigen unmissverständlich klar, dass er das Strafmaß für korrekt und angemessen halte angesichts der Tatsache, „dass ein Mensch zu Tode gekommen ist“. Der Direktor des Amtsgerichts führte überdies die Vorstrafen des Unfallfahrers an. 2014 hatte das Amtsgericht Hanau ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr verurteilt. Nur zwei Wochen vor dem furchtbaren Unfall in Ober-Roden hatte der Mann eine Fahrerflucht in Gießen begangen.

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Horn sagte, man könne sich sogar überlegen, ob er „überhaupt geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen“. Erst nach diesem eindringlichen Appell lenkte der Angeklagte ein und ließ über seinen Anwalt den Widerspruch gegen das Strafmaß zurücknehmen.

Zuvor hatte der Rechtsanwalt eine Erklärung seines Mandanten verlesen. Darin entschuldigte dieser sich bei den Hinterbliebenen, die durch ihren Anwalt im Saal vertreten waren. Bisher habe ihm dazu der Mut gefehlt. „Kein Wort kann ausdrücken, wie sehr es mir leidtut.“ Er könne sich bis heute nicht erklären, wie es zu dem Unfall habe kommen können. Er selbst leide unter dem schrecklichen Geschehen sehr, sei in psychologischer Behandlung. „An dem Tag sind zwei Menschen gestorben. Ich auch.“ (bp)

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