Nach Corona

Vorsichtige Rückkehr zum Unterricht

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Neue Normalität an der Nell-Breuning-Schule: Tische, die wegen des Mindestabstands nicht benötigt werden, stehen wie eine Barriere vor den Klassenzimmern, in denen die Zwölfer unterrichtet werden. „Öffentliche“ Flächen wie das Sekretariat dürfen die Schüler nur mit Mundschutz betreten. Jessica Bernard gab gestern schon mal ihre Bücher ab. 

Knapp 260 Neunt-, Zehnt- und Zwölftklässler dürfen seit Montag wieder in die Nell-Breuning-Schule. Doch der reguläre Unterricht läuft nur langsam – und nur in den Haupt- oder Prüfungsfächern – an.

Ober-Roden – Wir besuchten die Europaschule am Tag drei auf ihrem langen Weg zurück in die Normalität.

„Man hat"s allen angemerkt, dass sie gern wieder hier sind.“ So fasste Christine Döbert, die Leiterin der Nell-Breuning-Schule (NBS), gestern den Neustart nach wochenlanger Corona-Zwangspause zusammen. Er erfolgte unter den strengen Hygienebedingungen, die unseren Alltag insgesamt bestimmen. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hat auch die NBS ihre Unterrichtsgruppen auf 15 Jugendliche begrenzt.

Wie gern die fast 260 Rückkehrer gekommen sind, zeigt die Tatsache, dass nur zwei von ihnen weiter auf Homeschooling setzen. Sie gehören entweder selbst einer Risikogruppe an oder haben Familienangehörige mit Vorerkrankungen.

Corona-Stundenplan: Mehr als die klassischen Haupt- und Prüfungsfächer sind derzeit nicht möglich.

Montags, mittwochs und freitags haben 107 Zwölftklässler ihre Leistungskurse sowie Deutsch und Mathe. Dienstags und donnerstags kommen 150 Neuner und Zehner in die NBS und bereiten sich auf die Abschlussprüfungen im Haupt- und Realschulzweig vor. Ebenfalls nur in den Kernfächern.

Diesen Plan musste die NBS nach einer der vielen kurzfristigen Vorgaben aus dem Kultusministerium quasi mit dem Start anpassen. Das ursprüngliche Konzept, so der stellvertretende Schulleiter Lutz Reeh, sah eine viel stärkere Durchmischung vor. Doch hätten die Schüler zwischen Religion und Ethik oder Kunst und Musik wählen können, hätte es viel zu viele Kontakte gegeben.

Eine Schule, die sich auf die Hauptfächer konzentrieren muss, stößt auch bei einem beschränkten Angebot an ihre personellen Grenzen. „Wir können unsere Deutsch- und Mathelehrer nicht klonen“, sagt Rektorin Döbert – zumal sie auch die Vertretung durch Fachlehrer sicherstellen muss. Geschichts- und Sportlehrer, die keine Leistungskurse haben, wachen in den Pausen auf die Einhaltung des Abstandes oder mahnen Masken auf „öffentlichen“ Flächen an.

Der Weg zurück in die Normalität ist lang und schwierig. So fragten viele Lehrer auch gestern noch nicht sofort Vokabeln ab oder stellten Mathe-Aufgaben, sondern erkundigten sich: „Wie ist"s euch ergangen?“ Niemand habe diese Frage mit „Schlecht!“ beantwortet. Rektorin Döbert führt das unter anderem auf den intensiven Telefonkontakt zurück, den ihre Kollegen während des Lockdowns mit den Sorgenkindern hatten.

Christine Döbert und Lutz Reeh freuen sich einerseits, dass wieder Leben an der NBS herrscht. Sie blicken aber auch mit einer gewissen Sorge auf die Zeit, wenn sich Klassenzimmer oder Pausenhalle weiter füllen. Der nächste Stresstest steht ab 25. Mai an. Denn in dieser Woche beginnen parallel zum mündlichen Abi auch die Haupt- und Realschulprüfungen. Christine Döbert: „Uns stellt sich dann die Frage, welcher Unterricht kann nebenbei noch stattfinden?“

Die Antwort ist Sache des Kultusministeriums in Wiesbaden. Doch das hat zum Leidwesen der NBS-Verantwortlichen immer viel Zeit. Die Aussage, dass vor den Sommerferien nur eine Mischung aus Präsenzunterricht und Homeschooling möglich ist, kam erst am Dienstag. Diese Klarheit hätte nicht nur nach Ansicht von Christine Döbert und Lutz Reeh schon vor drei Wochen geschaffen werden müssen. Doch mit Improvisationen müssen sie wohl ebenso arbeiten wie mit der Angst vor dem Coronavirus.

VON MICHAEL LÖW

In Offenbach ist bei einem Schüler wenige Tage nach den Schulöffnungen in Hessen Corona festgestellt worden

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