Kampf für ein Rödermark-Gymnasium

Freie Wähler und FDP: „Schwarz-grün-rote Blockadepolitik“

Rödermark - FDP und Freie Wähler sehen sich als einsame Kämpfer für ein Rödermark-Gymnasium. Sie werfen sowohl der CDU/AL-Mehrheitskoalition als auch der SPD vor, beim Kreis keinen Druck zu machen: Rödermärker Kinder würden bei der Schulwahl sehenden Auges benachteiligt.

Rund 800 Rödermärker Jugendliche pendeln Tag für Tag in auswärtige Schulen, überwiegend Gymnasien in Darmstadt, Dreieich oder Heusenstamm. Diese hohe Zahl war nach Ansicht des FDP-Fraktionsvorsitzenden Tobias Kruger ein Grund, weshalb die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2018 einstimmig eine Stellungnahme der Stadt Rödermark zum Schulentwicklungsplan des Kreises Offenbach beschlossen hatte. Dieses Papier, so Kruger, enthielt „logischerweise“ auch den Bau eines Rödermärker Gymnasiums. Jetzt, keine vier Monate später, wollten CDU, AL und SPD nichts mehr von ihrer damaligen Zustimmung wissen. „Koalition und SPD blocken Initiativen ab“, stoßen die Freien Wähler (FWR) ins gleiche Horn.

FWR-Sprecher Siegfried Kupczok kritisiert vor allem Christ- und Sozialdemokraten. Der CDU wirft er extreme Wendigkeit vor: Das Rödermark-Gymnasium stehe seit zehn Jahren in ihrem Programm. Doch mit Rücksicht auf den grünen Koalitionspartner lasse sie dieser Forderung keine Taten Folgen. Die SPD setzt nach Ansicht Kupczoks „ideologische Scheuklappen“ auf, sobald ein Antrag der Nell-Breuning-Schule (NBS) auch nur ansatzweise schaden könnte.

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Dass eine neue Schule viel Geld kostet, ist auch den FWR klar. Der Bund will jedoch die Kommunen bei der Finanzierung besserer Bildungsangebote unterstützen. Kupczok: „Wenn Rödermark jetzt nicht schnell einen Fuß in die Tür bekommt, sind alle Chancen auf eine Verbesserung auf ganz lange Zeit vergeben. Schwarz-Grün scheint sich ein weiteres Mal als Bremser zu betätigen, um ein Gymnasium zu verhindern.“

In Rödermark steigt die Zahl der Einwohner und damit die der Schüler. Doch Jugendliche ab der fünften Klasse seien benachteiligt, klagt die FDP. Mit der NBS gebe es nur eine weiterführende Schule, deren Kapazität „bei Weitem“ nicht ausreiche – unabhängig, ob das Konzept einer Integrierten Gesamtschule den Eltern gefällt.

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„Was passiert also, wenn die Weibelfeld-Schule und das Ricarda-Huch-Gymnasium in Dreieich sowie das Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm plötzlich sagen: Wir sind voll! Wir können keine Rödermärker Kinder mehr aufnehmen?“, fragt der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Hans Gensert. Die NBS ist nach seinen Erkenntnissen für maximal 1600 Schüler ausgelegt, doch es gibt schon heute mehr als 2200 Jugendliche in dieser Altersstufe. In ein paar Jahren werden es wohl 2500 sein.

Wo sollen die alle hin, wenn die auswärtigen Schulen und die Schule am Ort voll sind, will Gensert wissen. Schon heute würden viele Kinder von ihrer Wunschschule zurückgewiesen, weil dort kein Platz mehr für junge Rödermarker ist. Alle Eltern können Schulform und -standort wählen, nur die Rödermärker Eltern nicht. Gensert: „Aufgrund der Tatenlosigkeit von CDU, Grünen und SPD wird ein neues Gymnasium aber wohl in Rodgau, Dreieich oder Dietzenbach gebaut und unsere Kinder müssen weiter pendeln und froh sein, überhaupt unterzukommen.“ (lö)

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