„Das kleine Glück“ und „Mein erstes Geschichtenbuch“ von Nikolaus Schwarzkopf als Faksimile nachgedruckt

Stadtbücherei Rödermark bekommt Raritäten geschenkt

Dr. Jochen Schick vom Freundeskreis „Lesezeichen“ der Stadtbücherei mit „seinen beiden Babys“, den bislang noch fehlenden und jetzt nachgedruckten Bänden des Gesamtwerks von Nikolaus Schwarzkopf.
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Dr. Jochen Schick vom Freundeskreis „Lesezeichen“ der Stadtbücherei mit „seinen beiden Babys“, den bislang noch fehlenden und jetzt nachgedruckten Bänden des Gesamtwerks von Nikolaus Schwarzkopf.

Was bei einem literarischen Rundgang des Freundeskreises „Lesezeichen“ der Stadtbücherei Rödermark vor wenigen Jahren begann, ist jetzt zur Vollständigkeit gereift: Die Präsenzbibliothek rund um das schriftstellerische Werk von Nikolaus Schwarzkopf ist vollständig.

Rödermark - Dr. Jochen Schick, Mitglied des Freundeskreises, hatte bei einer Führung in Urberachs „Dichterviertel“ die Nikolaus-Schwarzkopf-Straße übernommen. Das Werk dieses vermeintlich als Heimatdichter abgetanen Büchnerpreisträgers Nikolaus Schwarzkopf und vor allem die Liebe zu seiner akribischen und zugleich so liebevoll-humorvollen Beschreibungsweise des alltäglichen menschlichen Zusammenlebens führte für Dr. Schick dazu, dass er immer mehr las und zu sammeln anfing. Mit Ausnahme zweier Titel konnte er bald schon das Gesamtwerk in Erstausgabe als Präsenzbibliothek an die Stadtbücherei sowie an den Heimat- und Geschichtsverein übergeben. Allein zwei Werke fehlten: „Das kleine Glück“, 1915 geschrieben, und „Mein erstes Geschichtenbuch“ von 1925.

Verschollen geglaubte Bücher wieder entdeckt

Nach intensiver Recherche wurde Dr. Schick in der Historiensammlung der Hessischen Landesbibliothek, die der TU Darmstadt angegliedert ist, fündig. Dort lagern vier große Kisten voll mit Gedankengut und Schreibtisch-Schätzen des Schriftstellers, darunter auch die beiden gesuchten Raritäten. Doch wie wird daraus nun ein Buch? Nach intensiven Gesprächen durfte er die rund 500 Seiten gemeinsam mit Dr. Regina Schick – ganz vorsichtig mit weißen Schutzhandschuhen – scannen und auf einen Datenstick ziehen. Dann suchte er eine passende Druckerei, mit der er Format, Schriftgröße und Einband besprach – so nah wie möglich am Original, aber auch so lesbar wie möglich.

Drei Wochen später waren die beiden neuen Bände fertig – in rotem und grünem Leinen, mit Golddruck, aber schlicht gehalten und der einstige Satzspiegel noch klar erkennbar. Neben dem Ehepaar Schick machten Einzelspenden dieser Nachdrucke möglich. Nun ist sie vollständig, die Präsenzbibliothek des Schwarzkopfschen Werks in der Stadtbücherei in Ober-Roden.

Dichter aus Urberach mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet

Am Donnerstag las Dr. Jochen Schick vor den gespannten Zuhörern unter dem Zeltdach im Hof des „Hirschwirths“ erstmals je eine Geschichte aus den beiden neuen Bänden. Sehr zur Freude auch von dessen Besitzer Horst-Peter Knapp, der gleich noch ein Portrait des Dichters aus seinen Schätzen herbeibrachte, gezeichnet vom Darmstädter Maler Erich Colm-Bialla.

Als „eine kleine graue Wolke über dem literarischen Hintergrund“ bezeichnet Dr. Schick die Tatsache, dass einige der Geschichten aus den beiden neuen Bänden teilweise schon anderweitig veröffentlicht wurden. Für die Lesepremiere hatte er sich unter anderem jene Geschichte ausgesucht, die die soziale Schlüsselstelle für das Häfnerdorf Urberach beschreibt – als Händler erstmals mit haltbarem Aluminiumgeschirr auf Kerb und Märkten auftauchten und damit der soziale Bruch für das Dorf vorprogrammiert war. Mit „Der Schuss“ aus dem zweiten Band wiederum kam eine Geschichte zu Gehör, in der Schwarzkopf – sonst für ihn völlig unüblich – das brutale Kriegsgeschehen jener Jahre in Worte fasst.

Wer einen Blick in die neuen Werke werfen möchte, kann das in der Stadtbücherei tun.

Von Christine Ziesecke

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