Karsten Falk aus Ober-Roden half im Hochwasser-Katastrophengebiet

Rödermark: Sehnsucht nach dem normalen Leben

Es war keine Schneise der Verwüstung, die die Flut schlug. Es war – um im Bild zu bleiben – eine Autobahn der Verwüstung.
+
Es war keine Schneise der Verwüstung, die die Flut schlug. Es war – um im Bild zu bleiben – eine Autobahn der Verwüstung.

Mit ihrem digitalen Adventskalender wollen die „Freunde im Dinjerhof“ in Rödermark Zuversicht verbreiten. Sie schaffen‘s ausgerechnet mit Schilderungen einer Katastrophe, die Deutschland genauso hart traf wie die Corona-Pandemie.

Rödermark – Können weggeschwemmte Brücken und Häuser, in denen das Wasser im ersten Stock steht, Mut machen? Noch dazu bei Corona-Inzidenzen jenseits der 400 und ungewissen Weihnachtsaussichten? Ja, sie können. Karsten Falk, seit mehr als 30 Jahren für die Johanniter im Katastrophenschutz tätig, schildert im Adventskalender der „Freunde im Dinjerhof“ einige Erlebnisse aus dem Ahrtal.

„Ich hätte mir vor diesem Sommer nicht vorstellen können, solche Bilder mitten in Deutschland zu sehen“, ist da hinter Falks digitalem Kalendertürchen zu lesen. Er schreibt, wie weh ihm die Vorwürfe tun, dass der Katastrophenschutz nicht funktioniert habe: „Eine Kameradin und fünf Kameraden haben ihr Engagement mit dem Leben bezahlt. Sie sind nach dem Einsatz eben nicht mehr nach Hause gekommen.“

Im Adventskalender gibt Karsten Falk den Mut weiter, den er auf zwei Ebenen erfahren hat. Die „riesengroße Welle an Hilfsbereitschaft“ hat er in vielen Städten entlang der Ahr gespürt. Die Deutschen haben etliche Millionen Euro gespendet: Das ermöglichte den Johannitern und anderen Hilfsorganisationen, Stromaggregate, Bautrockner, Werkzeug oder Arbeitskleidung für die Flutopfer zu besorgen. Dazu kommen die ungezählten Einsatzstunden ehren- und hauptamtlicher Helfer.

Diese Hilfsbereitschaft spürte er auch in Rödermark. „Als ich im August nach einem langen Tag im Ahrtal freitagsabends nach Hause kam, habe ich kurz beim Weinabend im „Dinjerhof“ angehalten“, erzählt er. Es tat ihm gut, die Eindrücke aus dem Katastrophengebiet loszuwerden und normales Leben zu spüren. Die Besucher, die einen unbeschwerten Feierabendschoppen genießen wollten, hörten mit angehaltenem Atem zu. Dieses Interesse und besonders die Frage, wie man von Ober-Roden aus helfen kann, haben Karsten Falk sehr berührt. Die „Freunde im Dinjerhof“ organisierten einen Benefiz-Weinabend und verkauften „Flutwein“ – Flaschen, die die Winzer oder Helfer aus dem Schlamm gezogen hatten. Stolze 4 000 Euro waren das Ergebnis.

Karsten Falk: „Das hat mich mit Freude erfüllt und stolz gemacht. Und an diesen kleinen Beispielen wächst auch meine Hoffnung für das kommende Jahr!“ Aus solchen Begegnungen geht er gestärkt hervor und kann in der Weihnachtszeit seine Batterien wieder aufladen. (Michael Löw)

Karsten Falk koordinierte aus einem Container den Einsatz der Johanniter. Im Adventskalender der „Dinjerhof-Freunde“ schildert er einige Erlebnisse.
Ein paar Wochen nach der Flut gaukelt dieses Bild Normalität vor. Aber in der Katastrophennacht stand das Wasser bis zur Unterkante der Fenster im Obergeschoss.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare