Hessen-Fernsehen zieht sich zurück

Sendeschluss in der Kulturhalle

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Techniker Robert Gräfe und seine Kollegen vom Hessischen Rundfunk haben die Kulturhalle sechs Jahre lang in ein Riesen-Fernsehstudio verwandelt. 2019 zieht sich der Sender aus Ober-Roden zurück, weil die Fastnachtsaufzeichnungen zu teuer sind.

Ober-Roden - Die Kulturhalle ist nicht länger Drehort für die Fernsehfastnacht des Hessischen Rundfunks. Der Sender hat die Zusammenarbeit mit der Stadt nach sechs Jahren beendet: Der Aufwand war groß; das machte die Sendungen zu teuer. Von Michael Löw 

Die schillernd bunte Fernsehwelt in der Kulturhalle ist Geschichte. Seit 2013 zeichnete der Hessische Rundfunk (HR) zwei Fastnachtsveranstaltungen auf, doch nach sechs Jahren ist Schluss. Der öffentlich-rechtliche Sender kann und muss die Narretei in eigenen Räumen billiger produzieren, begründete Axel Mugler, Redakteur der Fernsehunterhaltung, das Aus für Ober-Roden.
Sechs Jahre lang betrieb der HR einen enormen Aufwand für zwei Sendungen, von denen nur eine – „Die hessische Weiberfastnacht“ – die erhoffte Quote brachte. Die andere hatte alle zwei Jahre ein neues Konzept: Männerballetts tanzten gegeneinander, ganze Kappenclubs suchten ihre Hessenmeister. Sie wurden nie richtig angenommen, räumte Mugler ein. Und für nur einen Erfolgsgaranten waren die Kosten schlichtweg zu hoch.

Sechs Jahre schickte der HR bis zu 60 Mitarbeiter nach Ober-Roden, die die Kulturhalle zweieinhalb Wochen mit Beschlag belegten. Zwölf Container voller Material ließ er aus Frankfurt anrollen – mit unerwarteten Folgen für den Sendesaal im eigenen Funkhaus: Für die Fastnachtsaufzeichnung dort mussten die Organisatoren Licht- und Tontechnik mieten. 2019 kehrt die Fernsehnarretei des lieben Geldes nach Frankfurt zurück.

Sender und Stadt scheiden im Guten, versichert Axel Mugler: „Wir haben immer gern in der Kulturhalle gearbeitet.“ Gregor Wade, der Leiter des Fachbereichs Kultur, Vereine, Ehrenamt, gibt das Kompliment zurück: „Das war schöne Routine.“ Aber auch jede Menge Arbeit für seine Leute. Zwei Kulturhallentechniker assistierten die HR-Mitarbeiter die vollen 14 Tage. Unmittelbar vor den Aufzeichnungen stellten städtische 450-Euro-Kräfte die Stühle, andere übernahmen den Garderobendienst.

Gregor Wade bedauert den Sendeschluss aus zwei Gründen. Zum einen geht der Stadt ein „kleiner fünfstelliger Betrag“ – die exakte Höhe behalten beide Seiten für sich – durch die Lappen. Der HR zahlte eine pauschale Miete für die Kulturhalle und überließ der Stadt die Einnahmen aus dem Verkauf der Eintrittskarten.

Bilder: Maskenball des FV Germania Ober-Roden

Schwerer wiegt nach Ansicht Wades der Verlust des Werbe-Effekts. Sechs Jahre lang schwärmten Moderatoren und Akteure vor zigtausenden von Zuschauern vom Ambiente in der Kulturhalle. Allein die landesweit ausgestrahlte Gratisreklame war den Aufwand wert.

Den haben manche aber nur zähneknirschend hingenommen. „Vereine und Schulen werden sich freuen“, sagte Wade. Denn nicht nur die Kultur-, sondern auch die mit ihr verbundene Sporthalle war tagelang gesperrt, weil sie als Umkleide und Maske diente. Der Kulturhallenchef ist indes sicher, dass Ober-Rodens gute Stube während der fernsehfreien Zeit 2019 nicht leer steht: Andere Mieter hätten schon Interesse bekundet.

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