Norbert Schultheis verabschiedet sich nach fast 50 Jahren aus der Kommunalpolitik

Rödermark: Sozialdemokratischer Charakterkopf

Der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir dankte dem scheidenden Fraktionsvorsitzenden Norbert Schultheis (rechts) für fast 50 Jahre Kommunalpolitik.
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Rödermark: Der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir dankte dem scheidenden Fraktionsvorsitzenden Norbert Schultheis (rechts) für fast 50 Jahre Kommunalpolitik.

Norbert Schultheis zieht sich aus der Politik zurück. Fast fünf Jahrzehnte war er das Gesicht der SPD Rödermark, doch nach dem 14. März ist Schluss. Eines ist sicher: Nicht nur seine Partei wird ihn vermissen.

Rödermark – Der dienstälteste Rödermärker Kommunalpolitiker verlässt die kommunalpolitische Bühne: Nach 49 Jahren will Norbert Schultheis zum Ende der Legislaturperiode aufhören. Der 71-Jährige war immer für seine Partei da, wenn sie ihn brauchte. Davon zeugt sein letztes Amt: 2019 übernahm er noch einmal den Fraktionsvorsitz, weil SPD-Hoffnungsträger Samuel Diekmann sich aus privaten Gründen zurückgezogen hatte.

„Norbert Schultheis hat die SPD Rödermark in den letzten 50 Jahren geprägt wie kein anderer und sich als Kommunalpolitiker große Verdienste erworben. Sein Einsatz und sein Sachverstand werden über Parteigrenzen hinweg geschätzt und anerkannt“, würdigt der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir seinen langjährigen Weggefährten.

„Mein Einstieg fiel in eine ganz wilde Zeit“, berichtet Norbert Schultheis ruhig von bewegten Jahren. 1968 fing er in Darmstadt ein Chemie-Studium an, die Proteste gegen „das Establishment“ rissen auch ihn mit. Alternative Kultur schwappte auch auf das Dorf Urberach über. Schultheis rechnet sich zu den frühen „Ypsilonern“ – junge linke Intellektuelle, die mit ihren Forderungen nach selbst verwalteter Jugendarbeit die bis dato beschauliche Politik ordentlich aufmischten. Der Umbau des Faselstalls zum JUZ war erklärtes Ziel der „Ypsiloner“, zu denen auch der frühere Bürgermeister Roland Kern, zählte.

Norbert Schultheis politischer Werdegang begann 1972 mit der Wahl zum Gemeindevertreter in seiner Heimatgemeinde Urberach. 1977 betrat er auch die Kreisbühne und wurde erstmals in den Kreistag des Kreises Offenbach gewählt. Dort übernahm er 1989 hauptberuflich die Geschäftsführung seiner Kreistagsfraktion, die er bis 2016 innehatte. 2016 wechselte er aus dem Kreisparlament als ehrenamtlicher Beigeordneter in den Kreisausschuss.

Von 1993 bis 2001 wirkte er als ehrenamtlicher Stadtrat in Rödermark, danach – und bis heute – als Stadtverordneter. Er müsse seinen Puls nicht auf 130 bringen, hat Norbert Schultheis vor zwölf Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung seine Lebensmaxime verraten. Der blieb er weiter treu. Im Parlament brauste er nie auf. Ruhig, sachlich, fundiert und gelegentlich leicht schulmeisternd argumentiert er mit Zahlen, Gesetzestexten, Zuschussbestimmungen oder Beschlüssen längst vergangener Legislaturperioden. Manchmal verdrehten da nicht nur CDU- oder AL-Politiker die Augen.

Im Vorstand des SPD Ortsvereins und im SPD-Unterbezirk Offenbach bekleidete Norbert Schultheis seit 1975 verschiedene Ämter, darunter von 1979 bis 1981 das des stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden.

Im Mai 1987 wählte ihn die Rödermark-SPD zum Vorsitzenden des Ortsvereins, den er 15 Jahre lang führte, länger als jeder andere Vorsitzende. Danach gehörte er noch weitere acht Jahre dem Ortsvereinsvorstand an, nun als Schriftführer und als Beisitzer.

Nomen est Omen: Bei der Bürgermeisterwahl 1999 trat Norbert Schultheis für die SPD an. 13,3 Prozent und Platz drei hinter Alfons Maurer (CDU) und Roland Kern (AL) waren der Tiefpunkt seiner Laufbahn. Aber kein anderer Genosse und keine andere Genossin war zur Kandidatur bereit. Norbert Schultheis hat daraus seine Konsequenzen gezogen: Zur Bürgermeisterwahl 2019 fehlte der SPD wieder ein Bewerber, doch Schultheis ging nicht noch einmal in ein aussichtsloses Rennen.

„Mit Norbert Schultheis geht kein Parteisoldat, sondern ein Ausnahmepolitiker in den verdienten Unruhestand, der sich im Lauf der Zeit eine beeindruckende Kompetenz und dafür in stets steigendem Maß vor allem hohen Respekt erworben hat – auch bei der politischen Konkurrenz“, sagt Hidir Karademir. Diese hohe Anerkennung zollt ihm nun noch einmal auch seine SPD, die für ihn mehr als für andere eine politische Heimat ist. (Michael Löw)

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