1. Startseite
  2. Region
  3. Rödermark

Spiel und Spaß im Kinderparadies

Erstellt:

Kommentare

Bis zur Decke reicht das märchenhafte Spielschloss im Kinderparadies.
Bis zur Decke reicht das märchenhafte Spielschloss im Kinderparadies. © ziesecke

In Zeiten der Personalknappheit in Kitas werden Tagesmütter immer wichtiger. Eine von ihnen ist Sibille Flisar. Ihr Alltag ist turbulent. Und er bereitet ihr Freude.

Ober-Roden – Gleich mal vorab, um keine Enttäuschung auszulösen: Sibille Flisars Leben als mehrfache Tagesmutter beim Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) ist keineswegs die Norm, sondern ein Glücksfall. Während andere Pflegeeltern sich in kleinen Wohnungen behelfen müssen, hat sie ein Kinderparadies geschaffen: ein zweistöckiges Eigenheim, in dem das gesamte Parterre der Kinderbetreuung gewidmet ist. Zudem hat sie einen arbeitswütigen und handwerklich begabten Ehemann, der ihr und den Kindern nicht nur jeden zu ermöglichenden Wunsch erfüllt, sondern auch derzeitiger Vorsitzender des DKSB ist.

Die erste Frage an Sibille Flisar geht direkt ans Eingemachte: „Können Sie heutzutage guten Gewissens empfehlen, Tageseltern zu werden?“ Ihre Antwort ist durchaus hoffnungsvoll: „Vor kurzem hätte ich das noch verneint, doch nun ist der neue Satzungsentwurf über die Tageselternarbeit da, und seither bin ich da sehr positiv gestimmt.“

Der neue Entwurf (an dem die Tageseltern aber kein Mitspracherecht hatten) sieht mehr Geld (dank der Erweiterung von 5.30 Euro auf 7.50 Euro pro Stunde und pro Kind) sowie vor allem auch die Aufstockung möglicher bezahlter Fehltage vor. Bisher wurde nach 30 Fehltagen die Bezahlung gestrichen, was gerade in der Coronazeit zum Problem wurde.

„Wir hängen immer noch an der Zuteilung von der Stadt. Wir haben aber mit allen Parteien gesprochen und der Magistrat ist wohl positiv gestimmt, denn nun haben wir für die Aufstockung durch die Stadt immerhin schon mal einen Posten im städtischen Haushalt eingestellt bekommen.“

Der Arbeitstag beginnt bei Sibille Flisar um halb acht Uhr morgens; zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr werden die Kinder gebracht, zwischen 15.30 Uhr und 16 Uhr abgeholt, Von 11 bis 14 Uhr herrscht Elternverbot. Da kommen die Kinder zur Ruhe und machen auch im Schnitt eine Stunde Mittagsschlaf, manche im kuschelig gestalteten Schlafraum, ein anderes etwa allein im Spielzimmer (da es sonst nicht zur Ruhe käme), wo Sibille Flisar nach ihm schaut.

Sibille Flisar bereitet ihre Arbeit große Freude.
Sibille Flisar bereitet ihre Arbeit große Freude. © Ziesecke, Christine

Mittagsruhe ist also auch nicht die Norm. Gemeinschaft ist für Sibille Flisar wie für alle Rödermärker Tageseltern wichtig. Viele Angebote werden gemeinsam genutzt, musikalische Früherziehung etwa oder Spaziergänge, Müllsammelaktionen oder auch mal eine kleine Demo vor dem Rathaus.

Gewöhnlich hat sie fünf Kinder im Alter bis zum Kindergarteneintritt in Pflege. Derzeit wechseln gerade einige der Jüngsten, daher führt sie zur Zeit vermehrt Elterngespräche und wird ab September voraussichtlich wieder drei Jungen und zwei Mädchen betreuen.

„Das ist unser großer Pluspunkt als Tageseltern gegenüber den Erzieherinnen: Wir dürfen uns „unsere“ Kinder selber aussuchen!“ Ihre eigene Tochter Jana, mittlerweile 14 Jahre, ist schon in diesem Umfeld groß geworden und möchte das nicht missen. Sie ist heute noch mit einem der damals gleichaltrigen Pflegekindern gut befreundet.

Reibungsflächen im Umgang mit den Eltern: „Die Eltern stehen heute so unter Arbeitsdruck, dass sie ihre Kinder oft auch krank zu mir bringen, was wegen der anderen Kinder natürlich gar nicht geht. Überhaupt ist die Pünktlichkeit schon so ein Thema“, weiß die Tagesmutter aus langer Erfahrung. „Generell läuft es aber supergut und wir finden für alle Probleme Lösungen.“

Schwierig war die Coronazeit, in der alle Tageseltern von heute auf morgen arbeitslos waren. „Erst hieß es, die Bezüge werden weiter bezahlt. Dann wurde das zurückgenommen und wir mussten zurückzahlen. Vom Kreis bekamen wir fast keine Informationen, wohl aber von der zuständigen Kraft bei der Stadt.“ Generell aber sind die Pflegepersonen in Rödermark glücklicherweise selbst von Corona weitgehend verschont geblieben.

Die eigentlich als Fotolaborantin ausgebildete Tagesmutter, die auch zehn Jahre bei einem Supermarkt gearbeitet hat, hat mittlerweile kaum echte Freizeit: „...aber ich brauchte immer schon viel zu tun!“

Auf die Idee zur Tagespflege kam sie über eine Cousine, die drei eigene und fünf Tageskinder hatte und einen Schäferhund: „Ich wusste also ziemlich genau, worauf ich mich einlasse, als meine Tochter etwa ein Jahr alt war und die Perspektivplanung anstand.“

Wir finden für alle Probleme Lösungen

Freizeit ist für Familie Flisar eher ein Fremdwort, denn nach dem Umzug in das große Haus in der Rheinstraße haben sie noch zahllose offene Baustellen, die nicht nur handwerkliche, sondern auch bürokratische Arbeit mit sich bringen. Zum Beispiel die Genehmigung des großen (und natürlich gesicherten) Pools im Garten, der nun erst ab 16 Uhr von der Familie genutzt werden darf. Aber immerhin – auch hier gilt: „Wir finden für alle Probleme Lösungen.“

Infos im Internet

dksb-roedermark.de

Auch interessant

Kommentare