Turnerschaft und Kerbverein boßeln um die Wette

Rödermark: Sport-Import aus Friesland

Wo fliegt sie denn? Nicht immer landete die Kugel der Boßler da, wo sie landen sollte. Herzerfrischende Querschläger sorgten oft für viel Spaß.
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Wo fliegt sie denn? Nicht immer landete die Kugel der Boßler da, wo sie landen sollte. Herzerfrischende Querschläger sorgten oft für viel Spaß.

„Siebener“, „Neuner“, „Buben“ und „Damen“ – was nach einem eher durchwachsenen Blatt beim Skat klingt, waren in Rödermark die Namen der Gruppen beim TS-Boßeln. Und sie sind kein Zufall: Die 17 Teilnehmer werden über ein Kartenspiel auf vier Mannschaften verteilt. Der Rest hat mit Karten nichts mehr zu tun, sondern bringt schon seit Jahren den Fans des friesischen Nationalsports auch rund um Rödermark viel Spaß.

Rödermark - Beim Kerbverein und der Unterhaltungsabteilung der Turnerschaft Ober-Roden wird geboßelt wie im hohen Norden. Zwei Teams spielen gegeneinander, möglichst entlang gerader Straßen und Wege. Ein Team legt eine Kugel vor, das andere versucht diese zu erreichen, wofür Punkte vergeben werden. In kurzen Worten ist das Ziel des Spiels, die dicke Gummikugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. So einfach ist das Prinzip, nach dem sich Menschen jeden Alters durch die Landschaft spielen, meist begleitet von einem Bollerwagen, in dem die wichtigsten Utensilien mitgenommen werden, so vor allem flüssige Nahrung.

Boßeln ist eine Sportart, die quer durch Europa in unterschiedlichen Formen gespielt wird. In Süddeutschland kennt es kaum jemand, in Norddeutschland ist es Breitensport: „Wir haben mit dem Elferrat der TS mal alle zusammen einen Ausflug nach Föhr gemacht, da haben wir das erste Mal geboßelt und wollten es hier auch einführen“, erläutert Vorstandsmitglied Martin Nickelsen.

Schon die Vorbereitung des Weges und die Gruppenauslosung werden stets feucht-fröhlich, aber durchaus auch ernsthaft zelebriert. Jede Gruppe bekommt einen Beutel Marschverpflegung mit auf die Strecke – der überwiegend aus einer Flasche des traditionellen „Manhattan“ besteht: Je ein Drittel roter und weißer Martini und ein weiteres Drittel Bourbon – „bei uns gestreckt mit Wasser“, versicherte Martin Nickelsen, ehe es losging vom TS-Gelände am Wald entlang bis Rollwald und zum 50. Breitengrad (wo zudem noch eine rollende Verpflegungsstelle wartete) und weiter vorbei am Germania-Gelände zurück zur TS.

Auch diesmal gab es spannende und immer ganz enge Spiele, lange und intensiv ausgetragene Regeldiskussionen, also auch wie immer, und viele völlig verrückte Würfe: So haben die Friesen-Sportler Baumstämme, Schilder, Gräben, Ackerfurchen und manches mehr getroffen, was abseits des eigentlichen Boßel-Weges lag. Ein Wurf räumte sogar eine volle Manhattan-Flasche aus dem Weg – sehr zum Leidwesen der dazugehörigen Gruppe.

Gewonnen haben letztlich mit zwei Siegen und einem Unentschieden die „Buben“, die zum Abschluss in der Turnerschafts-Gaststätte auch gebührend gefeiert wurden. Allerdings kam’s darauf eigentlich gar nicht an. Die Boßler feierten generell sich und die Möglichkeit, gesellig über Stunden hinweg Spaß zu haben – und das mit sportlichem Touch, denn immerhin zeigte der Schrittzähler eines der Teilnehmer am Ende auch zwölf an der frischen Herbstluft bewältigte Kilometer an.  (Christine Ziesecke)

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