„Wir könnten mehr erreichen“

Seniorenbeirat Rödermark: Sprachrohr der Generation 70plus

Rödermark: Seniorenbeirat ist Sprachrohr der Generation 70plus
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Bernd Koop, Vorsitzender des Seniorenbeirats.

Barrierefreiheit, Ruhebänke, Beratung: Der Seniorenbeirat in Rödermark nimmt sich vieler Themen an. Sein Vorsitzender sieht noch viel Luft nach oben.

Rödermark – Wer in Rödermark alt wird, hat es vergleichsweise gut. Für die Gesundheit gibt’s zwar keine Garantie, aber immer noch ein dicht besetztes Branchenverzeichnis an Ärzten. Die geistige und körperliche Fitness unterstützen – meist sehr preiswerte oder kostenlose – Kursangebote in großer Zahl. Und für alle weiteren Probleme gibt’s Helfer und Berater – am augenfälligsten gebündelt in der Ehrenamtlichen-Truppe des Seniorenbeirat Rödermark.

Der derzeit zehnköpfige Beirat unter der Leitung von Bernd Koop setzt sich halb aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern und halb aus nominierten Mitgliedern von AWO, Caritas, Kirchen, Seniorenhilfe und Sozialverband VdK zusammen. Er leistet – wie er es selbst definiert – „ehrenamtliche politische Arbeit und vertritt die Seniorinnen und Senioren in den entsprechenden Gremien der Stadt“. Öffentlichkeit wird über die Homepage, über Pressemitteilungen und über die Sprechstunden im Seniorentreff Ober-Roden, Trinkbrunnenstraße 10 erreicht. Die Mitglieder treffen sich alle zwei Monate zu Sitzungen und zuvor zur Vorbereitung während der Sprechstunden. „Leider wird dieses Angebot selten von den Bürgern angenommen, aber wir sind als Seniorenbeiräte immer da.“

Rödermark: Seniorenbeirat - Wichtigstes Thema ist Barrierefreiheit

Was so gut klingt, birgt aber Probleme: Der Seniorenbeirat hat wohl Rederecht in den Ausschüssen der Stadt, nicht aber in der Stadtverordnetensitzung. Das bedeutet, so erläutert es Bernd Koop: „Wir können brisante Themen nur über die Politik aufrufen; wir können nur das kommentieren, was andere Parteien zur Rede stellen.“ Die Wortmeldungen des Beirates erscheinen im Protokoll.

Wichtigstes Thema ist für den Beirat immer noch die Barrierefreiheit. Was die Vertreter der älteren Rödermärker schon jahrelang anmahnen wird, geht – nicht zuletzt wegen fehlender Köpfe in der städtischen Bauverwaltung Bauwesen – nur in sehr kleinen Schritten voran: „Es fehlt hier das Bewusstsein!“, kritisiert Bernd Koop und bietet Lösungen an: „Wir haben einen Barrierebeauftragten bei der Stadt gefordert und hätten sogar selbst jemanden, der dafür komplett ausgebildet ist. Wir können aber nichts machen, nur fordern!“

Vor allem die Barrierefreit ist für den Seniorenbeirat Rödermark ein wichtiges Thema. 

Ein besonders krasses Beispiel ist für Bernd Koop die Parkplatz-Situation, etwa in der südlichen Dieburger Straße. Dort engen die auf den Bürgersteigen stehenden Autos, oft von S-Bahn-Nutzern aus der südlichen Nachbarschaft, die ohnehin schmalen Gehsteige ein. Die per Gesetz geforderten 90 Zentimeter freie Mindestbreite für Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühle oder für kleine Kinder mit ihren Rädern sind da allenfalls ein theoretischer Wert. „Aber wir können da nichts machen. Wir sind nicht dazu da, Lösungen zu finden, sondern die Probleme hinzuweisen“, kennt Koop die Grenzen des Beirats.

Rödermark: Diese Probleme beschäftigen den Seniorenbeirat

Ähnliche Probleme sieht er auch in der Konrad-Adenauer-Straße in Urberach, doch hier gibt’s ohnehin kaum Hoffnung auf Änderung, da die Bundesstraße B 486 dem Land untersteht und somit Hessen Mobil zuständig ist.

Eines der schlechten Beispiele in Sachen Barrierefreiheit ist die Straße Am Schwimmbad. Die wurde vor zwei Jahren zwar mit kräftigen Landeszuschüssen grundsaniert, aber die Bürgersteige wurden nicht abgesenkt.

Was sich die Seniorenbeiräte noch wünschen? Mehr Sitzplätze an den Wegen. Dafür sammeln Koop und seine Mitstreiter gerade Vorschläge. Entlang des Oberwiesenweges, wo die renaturierte Rodau ohnehin zum Verweilen einlädt, schlägt Koop einige seniorengerechte Bewegungsgeräte vor: „Es muss ja nicht gleich ein Trimmpfad sein, aber es gibt sinnvolle Fitmessgeräte für Ältere und Junge zugleich“, träumt er. Doch sein Vorschlag wurde bei der Stadt erst einmal wieder in die Warteschleife gelegt. Erst müsste es für den neuen Generationenspielplatz in den Urberacher „Rennwiesen“ – also genau am anderen Ende des Stadtteils – Nutzungsanalysen geben.

Was bleibt? „Wir müssen die Leute ermuntern, laut zu werden – andere Orte machen Kaffeenachmittage; das brauchen wir hier nicht, aber melden müssen sich die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Schließlich sind wir prozentual am Anteil der Bevölkerung die mächtigste Gruppe.“ Sein Wunsch: etwas mehr Gehör und Entscheidungsmöglichkeit. Da nimmt Koop aber auch seine Altersgruppe in die Pflicht: „Wir könnten mehr erreichen, wenn die Senioren nicht so still wären!“

Wer sich über die Arbeit des Seniorenbeirates informieren möchte, kann dies auf einer informativen Weise im Internet tun, wo die gesammelten Fakten rund um Notfälle, medizinische Versorgung, soziale Netzwerke und vieles mehr verzeichnet sind. Für ältere Rödermärker ohne Internet liegt – zum Beispiel in den Rathäusern – eine gedruckte Version mit aktualisierbaren eingehefteten losen Blättern.

" www.seniorenbeirat-rödermark.de

VON CHRISTINE ZIESECKE

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