Dauerregen lässt Nist-Plattform kippen

Rödermark: Störche müssen auf neues Nest warten

Mit vereinten Kräften und einem Teleskoplader wurde gestern an der Kläranlage Rödermark eine zweite Nistplattform für Störche in die Höhe gestemmt. Leider verhinderte der aufgeweichte Boden den Erfolg im ersten Versuch.
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Mit vereinten Kräften und einem Teleskoplader wurde gestern an der Kläranlage Rödermark eine zweite Nistplattform für Störche in die Höhe gestemmt. Leider verhinderte der aufgeweichte Boden den Erfolg im ersten Versuch.

An der Kläranlage in Rödermark soll eine kleine Storchenkolonie angesiedelt werden. Naturschützer wollten gestern Morgen eine zweite Nistplattform aufstellen. Doch die Arbeiten mussten abgebrochen werden, weil der Mast im durchgeweichten Boden keinen Halt fand.

Rödermark – Als einer von wenigen Vereinen ist der Naturschutzbund (Nabu) Rödermark auch während des Lockdowns nicht zum Stillstand verdammt. Bei strömendem Regen tat sich gestern wieder etwas. Aber just dieser Regen machte den Helfern einen Strich durch die Rechnung.

Im Frühjahr soll endlich ein zweites Storchenpaar im Ober-Röder Feld heimisch werden. Als künftiges Zuhause wollten Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner und mehrere seiner Aktiven auf der Wiese zwischen Kläranlage und Hundeverein einen Mast für ein Nest aufstellen. Die nur wenige Meter entfernte erste Plattform war in den vergangenen Jahren immer bewohnt.

Schlag acht Uhr rückte Jan Hehlein von der Firma Rügemer mit einem Bagger an, um das 2,30 Meter tiefe Loch zu graben. Professionelle Unterstützung war dringend nötig. Denn mit einem schweren Erdbohrer war der Nabu zuvor gescheitert. Anschließend brachte Jürgen Ulmer, Betriebsleiter der Kläranlage, mit einem Teleskoplader den schon mehrere Jahre gelagerten und damals von der entega Südhessen gespendeten zwölf Meter hohen Stamm in Position, um ihn zu versenken und fest zu verankern in dem völlig regendurchtränkten Sandboden. Doch manchmal läuft"s anders: Der Pfosten verhakte sich am Baggerhaken und krachte zu Boden. Wie begossene Pudel standen die vier ehrenamtlichen Nabu-Leute, der Baggerfahrer und der Kläranlagenchef nach dem missglückten Aufstellversuch neben der leeren Grube. Nach längerer Beratung haben die Helfer beschlossen, die nasse Grube erst einmal austrocknen zu lassen und dann einen neuen Versuch zu unternehmen. „Hoffentlich schnell, sonst wird das mit dem zweiten Storchenpaar wieder nix mehr in diesem Frühjahr“, hoffte Elke Müller, die gemeinsam mit Verena Henschler zuvor das wagenradgroße Nest mit Reisig und Holzwolle extra kuschelig vorbereitet hatte.

Im Frühjahr 2016 hatte der Nabu nach langer Vorbereitung an der Kläranlage seine erste Nisthilfe aufgestellt. Er wollte die zahlreichen „fremden“ Störche, die immer wieder auf Rödermärker Gebiet ihre Nahrung suchten, hier dauerhaft ansiedeln – wohl auch im Gedenken an den Heimatdichter Nikolaus Schwarzkopf, der 1954 von den „Letzten Störchen in Urberach“ geschrieben hatte.

Vor knapp fünf Jahren hatten Dr. Rüdiger Werner und Bürgermeister Roland Kern in luftiger Höhe letzte Hand an das neue Storchen-Zuhause gelegt, und tatsächlich hatte es sich gelohnt: Das Nest war bald schon bewohnt, und auch 2020 konnten Naturbegeisterte ein Elternpaar mit zwei Jungen beobachten. Manchmal war der Andrang der Neugierigen größer als dem Nabu lieb ist. Damit reiht sich Ober-Roden in die vielen Gemeinden ein, die mittlerweile dem Storch ein Zuhause anbieten. Die größte Kolonie gibt es an der Gersprenz bei Münster. Doch auch in der näheren Umgebung im Kreis Offenbach hat der Nabu mindestens zehn dieser Riesennester gezählt. Dank der guten Zusammenarbeit des engagiert arbeitenden Naturschutzbundes und der Stadt und dank der Spendenbereitschaft vieler Privatleute sind solche Aktionen möglich. Bleibt zu hoffen, dass bald der zweite Versuch für das neue „Storchen-Wohnheim“ von Erfolg gekrönt sein wird. (Christine Ziesecke)

Rödermark: Verena Henschler und Elke Müller vom Nabu legen letzte Hand ans Storchennest, damit sich die Tiere auch wohlfühlen.

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