Auch bei Tauben gibt es „Kuckuckskinder“

Rödermark: Stubenreine Tauben-Findelkinder

Die von Christiane Lotz adoptierten Tauben haben keine Scheu vor Besuchern: Die dürfen gerne Kontakt aufnehmen, die Vögel mögen es gerne nah.
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Rödermark: Die von Christiane Lotz adoptierten Tauben haben keine Scheu vor Besuchern: Die dürfen gerne Kontakt aufnehmen, die Vögel mögen es gerne nah.

Zwischen Wohnzimmer und Badewanne: Lenny, Carl, Moe und Homer genießen ihr Leben in menschlicher Gesellschaft in Rödermark. Und hinterlassen zur Freude von Ziehmutter Christiane Lotz keinen Dreck.

Rödermark – Christiane Lotz hat vier verstoßene Taubenbabys adoptiert und hofft natürlich, das ganze Quartett durchzukriegen. „Bei uns zu Hause ist mal wieder Party“, kommentiert sie den Familienzuwachs gewohnt lässig.

Wenn man ein Wohnzimmer betritt und dort freudig erregt von vier gerade flügge werdenden, völlig unterschiedlichen Jungvögeln begrüßt wird, ist das schon seltsam. Wenn Lenny, Carl, Moe und Homer aber auch noch in kürzester Zeit die Fototasche ebenso wie den Stenoblock und den Stift belagern und menschlichen Kontakt suchen, dann stutzt selbst die vieles gewohnte Reporterin.

Die Vorgeschichte: Christiane Lotz musste ihren Hühnerstall erneuern und fand Unterschlupf beim Geflügelzuchtverein Urberach. Seither ist sie mit ihren Kindern aktiver Teil des Vereins. Ein Anruf ihres Sohnes Leto in der vergangenen Woche brachte die ungewöhnliche Story ins Rollen: Einige Taubenrassen haben demaßen verkürzte Schnäbel, dass sie ihre Jungen nicht füttern können. So schieben die Züchter deren Eier anderen Tauben unter, die sich auch brav um die Aufzucht dieser „Kuckuckskinder“ kümmern. Und dabei aber ihren eigenen Nachwuchs vernachlässigen, wenn"s zu viele sind.

Leto fragte seine Mutter, ob sie nicht vier Taubenkinder aufnehmen könnten. „Ich habe lieber nicht nachgehakt, was sonst mit ihnen geschehen wäre.“ Bei Christiane Lotz stößt so ein Wunsch auf offene Ohren: Pferde, Hühner, Katzen, Fische – da fallen vier Tauben nicht weiter auf. Aber in der Wohnung?

„Nach den ersten Tagen mit Haferbrei nehmen sie allmählich auch Körner zu sich. Nur trinken können sie noch nicht selbstständig, so wie Hühner mit zurückliegendem Kopf. Da müssen wir derzeit noch etwa dreimal täglich mit der Spritze nachhelfen“, berichtet Christiane Lotz.

Jeder „normal denkende“ Mensch fragt sich nun: Wie geht das? Täglich überall Taubenschiss? Ihr Ruf ist da ja eher zweifelhaft. Nein, man glaubt es zwar nicht, aber die Vier sind quasi stubenrein. In der Mitte des Wohnzimmers liegt ein mit einem Badetuch abgedecktes Kissen – und siehe da: Sie hinterlassen ihren Kot tatsächlich meist darauf.

Man glaubt eigentlich die ganze Geschichte nicht, bis man die Tauben sieht. Aber wer die Familie Lotz kennt, weiß, dass hier alles möglich gemacht wird, um Mensch und Tier zu retten. Es ist aber auch eine Freude: Der außen schwarze Carl etwa hat, wenn er seine wuchtigen Flügel öffnet, darunter wunderschönes reinweißes Gefieder. Und die Vögel sind sehr gesellig. Wo Stimmen sind, fühlen sie sich wohl, die Abende verbringen sie am liebsten in der Nähe ihrer Adoptivfamilie vor dem Fernseher.

Nachts werden die Vier in die Badewanne verbannt. „Aber es kann schon sein, dass sie einen dann aus dem Waschbecken oder so begrüßen“, freut sich Christiane Lotz, die mit wahrer Tierliebe die Zukunft ihrer Mitbewohner im Auge hat. „Wenn alle vier stabil sind und selbstständig leben können, werden wir sie auf unser Stallgelände mitnehmen, wo auch unsere zwei Pferde und sechs Katzen zuhause sind, und sie dort auswildern. Die Katzen vertragen sich jetzt schon gut mit ihnen wundersamerweise. Vielleicht gründen sie dann dort mit anderen normalen Tauben eine neue Sippe “.

Übrigens: Der idyllisch gelegene Geflügelzuchtverein Urberach am Ende der Römerstraße hat derzeit eine Parzelle frei und freut sich auf einen Interessenten. Kontakt: Mario und Monika Luther, Telefon: 06074 7450 oder 0176 94300802. (Christine Ziesecke)

Rödermark: Mittlerweile nehmen Carl, Homer, Moe und Lenny die gesamte Lotz’sche Wohnung in ihren Besitz.

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