Zehn Jahre Interessengemeinschaft lebenswerter Ortskern Ober-Roden

Rödermark: eine unbequeme, aber konstruktive BI

Da geht's lang! Die Ortskern-Rundgänge mit Reinhard Berker und Tim Frank an der Spitze sind zu einem Markenzeichen der Initiative geworden.
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Rödermark:Da geht es lang! Die Ortskern-Rundgänge mit Reinhard Berker und Tim Frank an der Spitze sind zu einem Markenzeichen der Initiative geworden.

Engagierte Menschen aus dem alten Ober-Roden wollten mitreden und mitentscheiden, wenn"s um das Bild des Ortskerns und ihrer Häuser geht. Vor zehn Jahren schlossen sie sich zu einer Bürgerinitiative zusammen.

Rödermark – Erst hatte die Politik Angst vor Wutbürgern, dann waren sie Lieblingskinder in Sachen Leitbild und Bürgerbeteiligung, jetzt sind sie ebenso aufmerksame wie kritische Begleiter der Stadtentwicklung: Die Männer und Frauen der Interessengemeinschaft lebenswerter Ortskern Ober-Roden (IGOR) haben schon so manche Rolle gespielt. Jetzt feiert die Initiative ihren zehnten Geburtstag. Wenn auch corona-bedingt nur im Stillen. Aber die Macher hoffen auf Lockerungen im Sommer.

„Der Ortskern Ober-Roden rückt zusammen“ oder „Aktivisten wollen mitmischen“ stand im März 2011 in der Zeitung. Das ängstigte und ärgerte damals viele Kommunalpolitiker, sogar von „Wutbürgern“ war die Rede. Doch IGOR entpuppte sich schnell als eine bürgerliche Wertegemeinschaft. Die Alt-Ort-Bewohner versprachen, sich gegenseitig bei geplanten Maßnahmen zu unterstützen, konstruktiv und sachlich mit den politischen Gremien und den Ämtern der Stadt zusammenzuarbeiten, um den Ortskern zu verschönern, dazu selbst Ideen und Veränderungsprozesse zu initiieren.

Die IGOR-Mitglieder verloren aber nie den Grundsatz aus den Augen, ihre Häuser und Grundstücke vor einer übermäßigen Fremdbestimmung zu bewahren. Damals drohte eine Gestaltungssatzung, die so manche Immobilie zwangs-historisiert hätte. Doch diese Pläne verschwanden schnell in der Schublade, und so arbeiteten und arbeiten schon seit Jahren die von den Mitgliedern gewählten Interessenvertreter in Gremien aus dem „Stadtleitbildprojekt“, der Organisation „L(i)ebenswertes Rödermark“, dem „Städtischen Klimaschutzprojekt“ oder seit 2017 bei dem auf viele Jahre angelegten „Stadtumbauprojekt ISEK“ mit.

„Mit Fug und Recht können wir behaupten, dass der Erfolg bei der Antragstellung, auch was die Höhe der letztlich gewährten finanziellen Mittel betrifft, zum Großteil ein IGOR-Verdienst war“, schreibt der 2. Sprecher Arno Mieth in einer Pressemitteilung. So sei es auch zu erklären, dass IGOR sich heute immer wieder gegen die für den Bürger schwer verständlichen bürokratischen Vorgänge bei der Umsetzung stemmt.

Aber nicht nur diese „harte ehrenamtliche“ Arbeit prägte das Wirken. Das Gesellige kam in den zehn Jahren nie zu kurz. Auf der Homepage dokumentieren Berichte und Bilder die schon fast legendären Führungen durch den Ortskern mit Reinhard Berker, zahlreiche Fahrradtouren, jedes Jahr zur Weihnachtszeit eine Laternenwanderung, Kirchenführungen mit Pfarrer Jung, Glühweinwanderungen oder Gespräche am runden Tisch mit Bürgermeisterkandidaten. Tage der offenen Höfe und Gärten rundeten den fünften Geburtstag ab.

Im zehnten Jahr versteht sich IGOR als moderne und stark verjüngte kleine Organisation. Digitale Medien wie Videokonferenzen und Whats App haben Einzug gehalten, sodass man sich innerhalb kürzester Zeit zusammenfinden, Arbeitskreise gründen und Ergebnisse liefern kann. Die IGOR-Spitze um Ernst Schäck und Arno Mieth ist zuversichtlich, auch in den nächsten Jahren das Stadtumbauprojekt mitgestalten zu können und auch gerade für jüngere Bewohner des Ortskernes Angebote zu entwickeln.

Nach viel Theorie erwarten sie jetzt Taten. Das Anreizprogramm zur Förderung privater Investitionsmaßnahmen in die Gebäudesubstanzen – vornehmlich der ortsbildprägenden Anwesen – ist von der Stadtverwaltung soweit vorbereitet, dass es umgesetzt werden kann. IGOR brachte vielfältige Erfahrungen ein, die eine praxisnahe und bürgerfreundliche Handhabung ermöglichen sollen. Die Initiative geht davon aus, dass nach den Kommunalwahlen die Verfahrensabläufe veröffentlicht werden, damit die Grundstückseigentümer im alten Ort ihre Planungen in Angriff nehmen können.

Auch die die Neugestaltung des Straßenringes um die Nazarius-Kirche und die Einbeziehung des Kirchenhügels schreiten zur Freude der IGOR-Aktiven endlich voran. Nachdem die in Aussicht gestellten Fördermittel beinahe vollständig von Bund und Land bewilligt wurden und die Finanzierung gesichert gelten kann, bestehen keinerlei Hinderungsgründe mehr, die Dinge jetzt zügig abzuarbeiten. IGOR jedenfalls werde sich tatkräftig und nachhaltig einbringen. (Michael Löw)

Rödermark: Ober-Rodens alte Gassen bieten so manchen schönen Blick – man muss diese Ecken aber oft suchen. Die IGOR-Aktiven tun einiges, um sie bekannt zu machen und zu erhalten.

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