FC Viktoria Urberach

Unglaubliche Freundschaft zu Bernhard Trautmann

Gute Tat kurz vorm Viktoria-Jubiläum 2009: Werner Braun, damals Präsidiumsmitglied des Hessenligisten, besuchte Torwart-Legende Bernhard Trautmann in Spanien und bat ihn, sich auf Genesungs-T-Shirts für den schwer verletzten Urberacher Keeper Jürgen Hoffelner zu verewigen. Foto: Privat

Was verbindet den einst besten Tormann der Welt mit dem FC Viktoria Urberach? Werner Braun erzählt die Geschichte, die mit einer Dienstreise begann und durch einen üblen Sportunfall eine ungewöhnliche Wendung nahm.

Urberach – Werner Braun ist stolz, dass er einen Torwart von Weltruf zu seinen guten Bekannten, vielleicht sogar zu seinen Freunden zählen durfte. Dabei lernte er Bernhard Trautmann (1923 bis 2013) , der 1956 mit Manchester City englischer Pokalsieger wurde, nur zufällig in einer spanischen Kneipe kennen.

Das langjährige Präsidiumsmitglied des FC Viktoria Urberach war 2008 auf Geschäftsreise in Valencia. In einer Strandbar traute der Kenner der deutschen Fußballgeschichte seinen Augen nicht: Dort trank ein sonnengebräunter, sportlicher alter Herr gemütlich sein Bier: Bernhard Trautmann, der bis in die Sechzigerjahre einer der besten Torleute der Welt war. Der Chef des Hessenligisten sprach den Ex-Keeper von Manchester City an. Man fand sich sympathisch und blieb zunächst locker miteinander in Kontakt.

Doch im Herbst 2008 rief Trautmann bestürzt bei Werner Braun an. „Wie kann ich helfen?“, fragte er. Sogar in die spanische Fußballszene hatte sich der schwere Unfall von Viktoria-Torwart Jürgen Hoffelner herumgesprochen. Der war beim Auswärtsspiel in Eschborn mit einem Stürmer zusammengeprallt und wäre beinahe gestorben. Nur das schnelle Eingreifen von Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Krämer rettete Hoffelner, dem der Erstickungstod drohte.

Freunde geworden: Bernhard Trautmann hatte Jürgen Hoffelner und seine Familie nach der Genesung zu einem Spanien-Urlaub eingeladen. Der Kontakt ist über all die Jahre nie abgerissen. Foto: Privat

Krämer zog ihm die Zunge aus dem Hals und schob ihm die Fahne des Linienrichters in den Mund. „Er hatte fast alle Knochen gebrochen, die man sich im Gesicht brechen kann“, denkt Werner Braun mit Grausen zurück. Eine mehrstündige Operation brachte Jürgen Hoffelner außer Lebensgefahr. Er wurde zum Glück wieder ganz gesund.

Bernhard Trautmann half – vielleicht auch, weil er vor Jahrzehnten selbst einen schlimmen Unfall im Stadion überlebt hatte. Beim Pokalfinale zwischen ManCity und Birmingham war er wie Hoffelner mit einem gegnerischen Stürmer zusammengeprallt und lag bewusstlos auf dem Platz: Fünf Halswirbel waren gebrochen. Der Sanitäter habe ihn angefleht, sich vom Feld tragen zu lassen, erzählte Trautmann in einem Interview mit dem Magazin „Zeit online“. Doch Auswechslungen waren verboten, er spielte wankend weiter und hielt mit zwei Paraden den 3:1-Sieg fest.

„Der Torwart mit dem Genickbruch“ – so nannten die Engländer Trautmann, der im Krieg noch erbittert gegen sie gekämpft hatte, voller Respekt. Den hatte er sich redlich verdient. Die englische Stürmer-Legende Bobby Charlton adelte ihn als „besten Torwart, gegen den ich je gespielt habe“. Man dürfe vor dem Schuss nie in seine Richtung sehen. Sonst errate Trautmann, wo der Ball hingehen soll. Charlton war Bernhard Trautmanns Freund. Aber diese Einschätzung haben viele Fußballexperten bestätigt.

Als Weltklasse-Torhüter a.D. unterschrieb Trautmann später Genesungs-T-Shirts für seinen Leidensgenossen im Geiste und lud Jürgen Hoffelner mit seiner Familie zu einem Spanien-Urlaub ein. Werner Braun wollte sich im Sommer 2009 mit einer Einladung zum 100. Geburtstag des FC Viktoria Urberach revanchieren. Aber Trautmann hatte schon eine andere Verpflichtung: Der Deutsche Fußballbund, für den er jedoch nie zwischen den Pfosten stand, ehrte ihn in Berlin vorm Länderspiel gegen England.

Der Kontakt zwischen Urberach und dem spanischen La Llosa riss trotzdem nie ab. „Da war eine unglaubliche Sportlerfreundschaft entstanden“, schwärmt Werner Braun. Die Nachricht von Bernhard Trautmanns Tod im Juli 2013 hat den FC Viktoria betroffen gemacht.

Deshalb war’s für Braun Ehrensache, alle Torleute seines Vereins von der A-Jugend aufwärts in die Neuen Lichtspiele einzuladen. Dort lief diese Woche erstmals die Biografie „Trautmann“. Rödermarks Film des Monats weckte viele Erinnerungen an den Mann, gegen den in englischen Stadien anfangs „Sieg heil“-Rufe angestimmt wurden und der später auf der ganzen Insel gefeiert wurde.

VON MICHAEL LÖW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare