Verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften

Nur einzelne Rabauken und Wildpinkler an Kerb

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Kerbvadder Fabian Hoch verlas den Kerbspruch, der – mit heißer Nadel in der Nacht zuvor gestrickt – weitgehend der Feder von Peter Knapp entsprang.

Urberach - Ein recht zufriedenes, wenn auch vorläufiges Resümee der Orwischer Kerb zog Dieter Hüllmandel, der Vorsitzende der Kerbkommission, gestern Mittag, als der Ort sich für die traditionellen Frühschoppenveranstaltungen rüstete.

„Das erweiterte Sicherheitskonzept hat gut gegriffen“, freute sich der langjährige Orga-Chef. „Die gesamte Koordination hatte diesmal eine Beamtin der Polizeidienststelle in Dietzenbach übernommen, und das lief sehr gut.“ Das Konzept hatte allerdings nicht nur höhere Sicherheitsstandards gebracht, sondern auch höhere Kosten verursacht, nicht zuletzt durch die Erweiterung der Rundgänge mit einem zusätzlichen Sanitätsdienst. Dass diese Kosten von der Kommission durch erhöhte Spenden abgedeckt werden müssen, sehen die Bürger von außen eher weniger.

„Und trotz des Konzepts etwa mit Jugendschutzmaßnahmen der Polizei rund ums Thema Alkohol lassen sich manche Zwischenfälle einfach nicht vermeiden“, bittet Dieter Hüllmandel die Urberacher noch einmal um Nachsicht. In der Nacht zum Sonntag musste die Polizei nach 1 Uhr gegen krakelnde Ruhestörer einschreiten.

Und auch die vielen zerdepperten Flaschen am Rande der Kerbmeile werden sich wohl nie vermeiden lassen. Immerhin hatten die Kerbburschen und -mädchen jeden Morgen mit dem Besen Abhilfe zu schaffen versucht. Gestern Morgen rückte nach Auskunft des Ersten Stadtrats Jörg Rotter die Kehrmaschine in die Darmstädter Straße aus.

„Zudem haben wir an prägnanten Stellen verstärkte Maßnahmen gegen Wildpinkler getroffen wie Absperrungen oder stärkere Beleuchtung“, erklärte Hüllmandel. Doch auch das half nicht gegen jedes üble Urinieren gegen anderer Leute Häuser – selbst wenn die Toilettenwagen wenige Meter weiter standen. Generell sind Hüllmandel und seine Kommissionsmitglieder aber recht zufrieden. Denn auch der neue Sicherheitsdienst, der schon mehrfach in Ober-Roden zum Einsatz kam, habe gute Arbeit geleistet.

Der Sonntagnachmittag hatte im Zeichen der Brauchtumspflege gestanden. Tradition ist der Kerbspruch, vom „Kerbvadder“ am Dalles gehalten und mit dem Stecken des Kerbstraußes abgerundet. Fabian Hoch (20) sinnierte über das abgelaufene Jahr in Orwisch und natürlich im „Unnerort Owweroure – teils lästerlich, an manchen Stellen aber durchaus lobend und stets im erlaubten Ton. Es war wohl wieder mal ein „echter“ Peter Knapp, der da verlesen wurde, und so ließen sich auch die Hintergedanken dabei trefflich nachvollziehen.

Beste Stimmung bei der Orwischer Kerb: Bilder

In Ober-Roden war aber halt so einiges passiert: die sich über dem Prinzenpaar schließende Bahnschranke beim Rathaussturm; der Terroralarm am Bahnhof, der sich als prall gefüllte Windeltüte herausstellte; die Schicki-Micki-Fete im „Dinjerhof“ mit winzigen Portionen und hohen Preisen, ein Gewerbeverein, der nicht mehr das ist, was er früher mal war. Doch auch Gutes gab’s zu berichten: vom neuen Markt zum Beispiel, der bestens ankommt.

Problemfälle gibt’s aber auch in Orwisch: „Trara, trara, die Post ist… jetzt woanners!“ Das „neue Filialsche“ ist so mühsam zu erreichen, dass „du die Post lieber selbst austrägst“. Dauerbaustelle bleibt die Gallus-Kirche, der sogar der Pfarrer selbst aufs Dach gestiegen ist – bis 2023 muss sie fertig sein. Und neben dem 25-jährigen Jubiläum der „Kerbmeedsche un’ -borsche“, noch ein feines Thema: die neue Feldschützin, die mit Pickup und Laptop unterwegs ist. Der alte Feldschütz Michel hatte damals nur ein Paar Beine…

Doch im Mittelpunkt standen die „echten“ Problemfälle: Der Owweräirer Kerbbaam etwa, der den Orwischern im vorigen Jahr zugerufen hatte: „Nehmt mich mit, denn feiern können die hier nit!“ Er war zwar am nächsten Morgen von den Dieben gleich zurückgebracht, doch trotz Ober-Röder Versprechungen nie ausgelöst worden.

Bilder: Kerb in Urberach

Dass Peter Knapp zu guter Letzt selbst noch den Inhalt abmilderte und vom baldigen Grillfest auf neutralem Boden in Messenhausen berichtete, stimmte alle Beteiligten wieder versöhnlich. (chz)

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