Kerb

Kosten und Feinstaubbelastung hoch: Feuerwerk abgesagt

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Letztes Leuchten überm „Dalles“: Das Kerbfeuerwerk 2017 wurde noch im Ort gezündet. Voriges Jahr mussten die Feuerwerker Richtung Offenthal ausweichen. 

Der Himmel über Urberach bleibt am Kerbsamstag dunkel. Zum zweiten Mal in der „neuen Geschichte“ der Orwischer Kerb – sie begann 1982 – fällt das Feuerwerk aus. An der bisher einzigen Absage war das Wetter schuld.

Urberach – Aber das ist schon solange her, dass nicht einmal Dieter Hüllmandel, der Sprecher der Kerbkommission, das Datum weiß.

Feuerwerke bei Stadtfesten und natürlich an Silvester gerieten in den vergangenen Jahren wegen der Feinstaubbelastung ins Gerede. Am Neujahrstag 2019 wurden in mehr als 20 deutschen Großstädten Werte jenseits der 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Zur Erinnerung: Wird diese Grenze an mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten, können Städte Dieselfahrverbote verhängen.

Der Urberacher „Dalles“ ist nicht Frankfurt-Höchst (77 Mikrogramm am 1. Januar 2019) oder die Grenzstraße in Offenbach (73 Mikrogramm). Aber der Umweltgedanke hat die Entscheidung der Kerbkommission beeinflusst. „Dass Feuerwerke dem Klima nicht unbedingt erträglich sind, dürfte inzwischen jedem bekannt sein“, sagt Hüllmandel. Und Krach macht das große Geböller ja auch...

Dieter Hüllmandel zählt noch eine ganze Reihe weiterer Gründe für die Absage auf, die die Kommission einstimmig getroffen hat. Das Genehmigungsverfahren sei an immer mehr an Auflagen gebunden, die erfüllt werden müssen. Hüllmandel sieht bei aller professionellen Vorbereitung auch die Brandgefahr: „Sollte man dem Deutschen Wetterdienst glauben, könnten für diesen Sommer weitere Wochen mit größerer Trockenheit erwartet werden.“

Darüber hinaus gibt es lokale Gründe für die Absage. Die Kosten eines Höhenfeuerwerks sind gegenüber den vergangenen Jahren extrem gestiegen. 2018 mussten die Urberacher rund 4 000 Euro für das funkelnde Vergnügen hinblättern. Das wurde all die Jahre einzig und allein durch Spenden bezahlt. Die Kerbkommissionäre mussten eifrig Klinken putzen.

Alles andere als optimal war die Lage des Abschussortes in Urberach. Wegen der hohen Sicherheitsvorschriften musste man in den vergangenen Jahren immer wieder den Standort wechseln. Das 2018er Feuerwerk zum Beispiel wurde Richtung Offenthal abgebrannt.

Unter anderem deswegen bekamen die Urberacher Kerbmacher auch die Kritik aus dem eigenen Ort zu hören: „Es war zu weit weg!“, „Auf dem Kerbgelände hat man gar nichts gesehen.“ „Warum gebt ihr so viel Geld aus?“, lauteten die häufigsten Einwände.

Ausgerechnet aus Ober-Roden, dem liebsten Ziel aller Orwischer Kerbsprüche, kamen positive Reaktionen. Dort habe man, so einige Zaungäste, das Feuerwerk gut beobachten können.

Dieter Hüllmandel hofft, den Spendentopf für die Kerb auch ohne Feuerwerk füllen können. Das Geld will die Kommission für die Sicherheit verwenden. Erstmals organisieren die Johanniter vom 30. August bis zum 2. September einen Vier-Tages-Sanitätsdienst. Der Security-Einsatz wird mit Unterstützung der Ordnungskräfte der Stadt und der Polizei in Dietzenbach verstärkt.

VON MICHAEL LÖW

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