Schüleraustausch beim Sternekoch

Hotel-Azubis in Pariser Nobelrestaurant

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Die beiden Urberacher Azubis (hinten) hatten bei aller Arbeit viel Spaß mit den übrigen Austauschschülern und ihren französischen Kollegen.

Urberach - Mehr als 80 künftige Köche, Hotel- und Restaurantfachleute absolvieren den theoretischen Teil ihrer Ausbildung an der Kerschensteiner-Schule in Obertshausen. Von Michael Löw

Fünf durften vier Wochen lang in Paris Erfahrungen in der Haute Cuisine sammeln, zwei von ihnen lernen im Urberacher „Odenwaldblick“.

Daniel Reimers und Nicolas Hillen wissen jetzt, wie in einem Edelrestaurant gearbeitet wird. Der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Pariser Koch Eric Frechon war drei Wochen ihr Chef. Ein (Berufs-)Schüleraustausch hat die 18-Jährigen in die selbst ernannte Hauptstadt der Gourmets geführt. Beide sind Auszubildende im zweiten Lehrjahr und arbeiten im Hotel „Odenwaldblick“ von Hans Gensert. Daniel Reimers will Koch werden, Nicolas Hillen Hotelfachmann. Und weil sie ihren Job offenbar gut machen, hat die Georg-Kerschensteiner-Schule sie und drei weitere Azubis für einen vierwöchigen Paris-Aufenthalt ausgewählt. In ihrem Jahrgang lernen 80 junge Leute aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet Berufe aus der Gastronomie.

Daniel Reimers (rechts) und Nicolas Hillen schnupperten in Paris in die Sterneküche von Eric Frechon. Daheim.

Eine Woche hatten sie Zeit, sich mit der französischen Sprache vertraut zu machen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Dann ging"s ab ins Restaurant. Nicht in ein x-beliebiges, sondern ins „Lazare“ des Sternekochs Eric Frechon. Der angehende Hotelfachmann Hillen bediente die Gäste an der Bar, der künftige Koch Daniel Reimers wurde in der Küche Teil des Teams, das für kalte Speisen, die gelegentlich auch mal warm auf den Tisch kamen, zuständig war.

Ein Koch leitete den deutschen Azubi an. Nach kurzer Schonzeit habe der „ganz normale Küchenton geherrscht“, erzählt Reimers. Der ist bekanntlich nichts für Sensibelchen. Denn wenn 30 Essen innerhalb weniger Minuten rausmüssen, ist keine Zeit für höfliche Bitten wie „Herr Reimers, seien Sie doch bitte so nett, den Soßenklecks vom Tellerrand zu wischen!“.

Im Ausbildungsbetrieb „Odenwaldblick“, geht"s bodenständig zu, doch gegen ein schönes Rumpsteak mit Bratkartoffeln gibt"s nichts zu sagen.

Die „Lazare“-Küche entpuppte sich für Daniel Reimers als Paradies. Dort arbeiten 30 Köche, darunter drei Azubis, und zwei Schnippelhilfen in drei Schichten. Das Sternerestaurant hat knapp 50 Plätze, die immer voll waren. Da wird auch Gensert neidisch: Im „Odenwaldblick“ müssen drei Köche und die Azubis im Fall des Falles 180 Gäste verköstigen.

„Die Franzosen zahlen mehr fürs Essen“, ist Daniel Reimers" Fazit nach drei Wochen Haute Cuisine. „Da geht ein Beilagensalat für neun oder zehn Euro weg.“ Ein stolzer Preis bei Vorspeisen zwischen 9 und 24 und Hauptgerichten zwischen 19 und 39 Euro.

Die „Odenwaldblick“-Azubis haben jeden Tag von 8 bis 16 Uhr gearbeitet und sich anschließend auf eigene Faust weitergebildet. „Nach Feierabend haben wir uns Bäckereien und Patisserien angeguckt“, schildert Nicola Hillen das ungewöhnliche Sightseeing-Programm. Doch was ist das Louvre gegen die Krume eines Original-Baguettes?

Beeindruckt waren die jungen Deutschen von der Berufsschule ihrer französischen Kollegen. Dort gab"s ein Restaurant mit 20 Plätzen, in dem Schüler kochen und servieren. Statt Spaghetti mit Tomatensoße steht dort sogar Hummer auf der Karte. Fisch wird am Tisch filetiert, Crepes Suzette werden vor den Augen der Gäste flambiert. Kein Wunder, dass der Anzug beim Speisen in der edlen Schulkantine Pflicht ist.

Bilder: Kerb in Urberach

Seit ein paar Tagen sind Daniel Reimers und Nicolas Hillen zurück im Urberacher Azubi-Alltag - um etliche Erfahrungen aus der Sternegastronomie reicher. Für Nicolas Hillen soll der Paris-Austausch nicht die letzte Station im Ausland gewesen sein: „Vielleicht gehen ich mal nach England oder Spanien. Wenn man jung ist, kann man viel erleben.“

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