BI-Gründer Johann Oppolzer nennt K-L-Trasse „Märchen“

Rödermark: Viel Verkehrs-Frust aufgestaut

Urberach ist weit und breit die einzige Kommune, in der der Durchgangsverkehr mitten durch den Ort führt, kritisiert Johann Oppolzer.
+
Rödermark: Urberach ist weit und breit die einzige Kommune, in der der Durchgangsverkehr mitten durch den Ort führt, kritisiert Johann Oppolzer.

Johann Oppolzer war in den Achtzigerjahren einer der Ersten, die gegen die Automassen auf Konrad-Adenauer- und Traminer Straße in Rödermark-Urberach mobil machten. Mit dem damaligen Pfarrer Dieter Bockholt und weiteren Leidensgenossen gründete er die Bürgerinitiative „Verkehrsentlastung Urberach“. Um die ist es still geworden, neuere Gruppen wie „BINNU“ oder „BIVER“ sind jetzt die Sprachrohre der von Krach, Staus und Abgasen genervten Anwohner.

Rödermark -Gewohnt kritisch-bissig meldet sich Johann Oppolzer aber in der aktuellen Diskussion zu Wort und kommt zu dem Schluss: „Die K-L-Trasse ist ein Märchen“. Seinen Widerspruch zum politischen Mainstream begründet er mit einem Blick in die Vergangenheit.

Als vor Jahrzehnten die A 661 und die B 45 fertig wurden, sollte sie der vierspurige „Odenwaldzubringer“ miteinander verbinden. Der hätte, so Oppolzers Einschätzung, Götzenhain, Offenthal und Urberach wirksam vom Verkehr entlastet. Die damaligen Grünen hätten diese Straße jedoch gerichtlich verhindert. „Ich habe die Verhandlung am Oberlandesgericht in Kassel verfolgt und einen sehr dynamischen Vertreter der Grünen und einen eher lustlos und schlecht vorbereiteten wirkenden Vertreter der Straßenbauverwaltung erlebt“, schildert er.

Sein Eindruck: Den Grünen ging"s nicht um den Naturschutz. Sie wollten zeigen, wir sind eine neue politische Kraft, mit der man in Zukunft rechnen muss. Kurz darauf haben sie die Freigabe des gerade fertig gestellten Rödermarkrings „mit juristischer Finesse circa drei Jahre blockiert“, zollt Oppolzer der heutigen AL und ihren Unterstützern aus der Bevölkerung widerwillig Anerkennung.

Auch am Erdkautenweg, der Verbindung zwischen der B 486 und der B 45, lässt der streitbare Hauptstraßen-Anwohner kein gutes Haar. Seine „unmögliche Streckenführung“ wurde als Provisorium gewählt, weil er als Zufahrt einer Mülldeponie im Straßen-Dreieick Eppertshausen, Urberach und Ober-Roden gedacht war.

Die Planung der Mülldeponie wurde aufgegeben, doch das Provisorium Erdkautenweg besteht noch heute. Oppolzer: „Man stelle sich vor: Wer von der B 45-Ausfahrt Urberach abfährt und nach Messel will, fährt 30 Meter an der Straße dorthin vorbei und muss eine Schleife von 4,5 Kilometern fahren, um zu ihr zu kommen.

Dass Urberach eine Umgehung braucht, ist unumstritten. Zwei Varianten sind bekanntlich im Gespräch: eine neue Straße zwischen Ortsrand und dem „Bienengarten“ oder die K-L-Trasse. Diese Trasse könnte größtenteils auf bestehenden Straßen, der K 180 und die L 3317, verlaufen. Aber die müssten verbreitert werden. Die L 3317 zwischen Offenthal und Messel ist so schmal, dass sie nicht einmal einen Mittelstreifen hat. Für den Ausbau müssten Bäume fallen. Auch muss sie zu Messel einen größeren Abstand haben, das geht nur durch den Wald, sieht Oppolzer einen weiteren Schwachpunkt: „Auch hier müssten Bäume fallen.“ Zudem sei sie mit einer Strecke von rund elf Kilometern etwa acht Kilometer länger als eine ortsnahe Umgehung, die durchs freie Urberacher Feld geführt werden kann. Außerdem kann sich Johann Oppolzer nicht vorstellen, dass Messel und Eppertshausen einer Verlagerung des Urberacher Verkehrs in ihre Gemarkung zulassen.

Ihm sei unverständlich, dass sich eine Partei, die sich für den Naturschutz stark machen will, eine Lösung vertritt, die auf Kosten des Waldes geht, kritisiert Oppolzer stellvertretend für alle Befürworter der K-L-Trasse die Grünen. Aber er sieht noch andere Gegner einer neuen Umgehungsstraße: „Kann es sein, dass es Interessenten gibt, die auf ein Neubaugebiet zwischen Urberach und den Bienengarten spekulieren? Wenn dem so wäre, ginge Profit vor Vernunft.“

Der „Runde Tisch“, an dem nach einer Lösung für das Verkehrsproblem gesucht wird, ist für Johann Oppolzer nicht neu, sondern „reine Zeitverschwendung“. Denn solche Veranstaltungen und auch erneute Gutachten dienen seiner Meinung nach nur dazu, die Lösung vor sich her zu schieben und Zeit zu gewinnen.

„Die verkehrsgeplagten Bürger können nur hoffen, dass Hessen Mobil eine vernünftige Lösung findet und sie schnellstmöglich umsetzt“, lautet das Fazit eines Mannes, der nach jahrzehntelangem Kampf gegen den Verkehr auf den Urberacher Hauptstraßen nicht mehr an lokale Impulse glaubt. (Michael Löw)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare