Feuerwehr braucht neues Fahrzeug für die Höhenrettung

Rödermark: Viel zu früh aufs Altenteil

Die Elektronik im Steuerungskasten ist kaputt, Original-Ersatzteile gibt’s nicht mehr. Rödermarks Stadtbrandinspektor Herbert Weber hat das Teleskopmast-Fahrzeug quasi ausgemustert. Achtmal rückte seit Januar die Feuerwehr Rodgau an, wenn Dächer gelöscht werden mussten oder Kranke aus hohen Häusern sicher zum Rettungswagen gebracht werden mussten.
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Rödermark: Die Elektronik im Steuerungskasten ist kaputt, Original-Ersatzteile gibt’s nicht mehr. Rödermarks Stadtbrandinspektor Herbert Weber hat das Teleskopmast-Fahrzeug quasi ausgemustert. Achtmal rückte seit Januar die Feuerwehr Rodgau an, wenn Dächer gelöscht werden mussten oder Kranke aus hohen Häusern sicher zum Rettungswagen gebracht werden mussten.

Knapp 15 000 Kilometer, kein bisschen Rost – und doch so gut wie ausgemustert. Die Feuerwehr Rödermark muss ihr Teleskopmastfahrzeug austauschen, weil sie keine Ersatzteile mehr für die Steuerung des Mastes bekommt. Der Neuling kostet 800 000 Euro.

Rödermark – Schön, wenn man gute Nachbarn hat: Die Rodgauer Feuerwehr half dieses Jahr schon acht Mal mit ihrer Drehleiter aus, weil ihr Rödermärker Pendant, das Teleskopmast-Fahrzeug, aus dem Verkehr gezogen wurde. Stadtbrandinspektor Herbert Weber hat dem „TM“ nach fast 400 Einsätzen zwangsgeparkt, weil die Steuerungselektronik für eben jenen Ausleger kaputt ist.

Der Fehler ist im Januar zum Glück bei einer Routinekontrolle aufgefallen. Doch für das 1997 in Dienst gestellte größte Feuerwehrauto in Rödermark gibt es keine Original-Ersatzteile mehr. Der Hersteller baute Fremdprodukte ein, doch für deren Zuverlässigkeit will er nicht garantieren. Also bleibt der „TM“ in der Halle, wenn"s brennt oder Rettung aus großer Höhe erforderlich ist.

Der in Finnland hergestellte Aufbau kann den Korb 30 Meter hoch befördern. Dieser Korb hat Platz für drei Personen und einen Wasserwerfer, der pro Minute 2 400 Liter in die Flammen schießt. Weber und seine Kollegen schätzen die Flexibilität des Riesen: Der Mast kann dank mehrerer Gelenke geknickt werden. Damit sind auch Dachgauben und Vorsprünge gut erreichbar.

Wer denkt, dass brennende Dächer der Hauptgrund für „TM“-Einsätze sind, liegt falsch. In mehr als 80 Prozent der Fälle holt die Feuerwehr damit Kranke oder Verletzte aus Häusern fast jeder Höhe. Das ist nötig, wenn der Patient nicht durch das Treppenhaus zum Rettungswagen gebracht werden kann. Der Korb hat eine Halterung für Krankentragen. Notarzt oder Sanitäter haben Platz für das ganze Spektrum medizinischer Maßnahmen – künstliche Beatmung und Reanimation eingeschlossen.

Der Teleskopmast rückt grundsätzlich bei einem Feueralarm mit aus. Er ist die Lebensversicherung für Einsatzkräfte, die die Flammen im Innern eines Gebäudes bekämpfen. Schneidet das Feuer ihnen den Rückweg durchs Treppenhaus ab, wird der Korb ans nächstmögliche Fenster oder einen Balkon manövriert. Der „TM“ wird dann zum Notausgang.

Die Rodgauer Hilfe verteilt sich wie folgt: Sechs Einsätze in Ober-Roden – darunter der Dachstuhlbrand Mitte März in der Forststraße und die Rettung einer Katze, die auf einem Baum festsaß – und zwei in Urberach.

Die Rödermärker Feuerwehr sollte eigentlich erst 2023 einen neuen Teleskopmast bekommen. Doch nach der Kontrolle Anfang des Jahres war Eile geboten. Stadtbrandinspektor Weber beantragte umgehend Ersatz bei der Finanzverwaltung. „Die haben unsere Notlage ganz schnell erkannt und das Projekt bewilligt“, lobt Weber die Kollegen im Urberacher Rathaus. Nach dem Okay der Verwaltung stimmte am 8. Juni auch die Stadtverordnetenversammlung zu. Ein neues Hubrettungs-Fahrzeug kostet etwa 800 000 Euro. Der Magistrat hat beim Land Fördermittel in Höhe von rund 250 000 Euro beantragt. Der Auftrag muss europaweit ausgeschrieben werden.

Das war schon beim Kauf des „TM“ 1997 der Fall. Er ersetzte die 1973 in Dienst gestellte Drehleiter. Die war 24 Jahre für die Sicherheit der Rödermärker im Einsatz. Genausoviele Dienstjahre hat auch der „TM“ auf dem Buckel. Und es gibt noch eine weitere Zahl, die diese beiden Generationen von Feuerwehrautos gemeinsam haben: 800 000. So viel kostete grob gerechnet der Teleskopmast 1997 in Mark. 24 Jahre später wird die gleiche Summe in Euro für seinen Nachfolger fällig. (Michael Löw)

Rödermark: Warnhinweis hinterm Lenkrad: Der „TM“ könnte jederzeit losfahren, denn die Fahrzeugtechnik ist ja noch bestens in Schuss.

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