Podcast über jüdisches Geschwisterpaar Rosel und Jaky Hecht wird oft geclickt und vom Kreis gefördert

Rdermark: Vielfältige Resonanz auf Hörspiel

Nur wenige Bilder existieren von Rosel Hecht (rechts), die die Nazis 1941 nach Minsk verschleppten. Dort wurde das jüdische Mädchen umgebracht. Dieses seltene Foto, das Rosel Hecht und seine Tante Else Faust zeigt, hat uns Gerd Weber aus Ober-Roden geschickt.
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Rödermark: Nur wenige Bilder existieren von Rosel Hecht (rechts), die die Nazis 1941 nach Minsk verschleppten. Dort wurde das jüdische Mädchen umgebracht. Dieses seltene Foto, das Rosel Hecht und seine Tante Else Faust zeigt, hat uns Gerd Weber aus Ober-Roden geschickt.

Der Podcast „Aber es ist doch für immer passiert“ erzählt das Schicksal der Geschwister Rosel und Jaky Hecht. Die Hechts waren die einzige jüdische Familie, die in den späten Dreißigerjahren in Ober-Roden lebte. Ihre Geschichte kann seit drei Wochen online abgerufen werden, die Resonanz ist groß. Einen Tag nach der Veröffentlichung hatte die Seite schon 254 Besucher. Seither gab"s etliche Hundert weitere Clicks, berichtet Oliver Nedelmann von der Initiative Stolpersteine: „Das ist mehr, als ich erwartet hatte.“

Rödermark - Der Urberacher Theatermacher ist der geistige Vater von „Aber es ist doch für immer passiert“. Eigentlich ist"s ein Bühnenstück, für das er und Jugendliche aus vier Schulen Anfang 2020 lange geprobt hatten. Doch nach der Premiere im Februar stoppte Corona alle weiteren Aufführungen. Aus dem Theaterstück wurde notgedrungen ein Podcast, also ein im Internet abrufbares Hörspiel, sowie ein Buch mit CD.

Der Hauptteil des Theaterstücks war der 1925 in Ober-Roden geborenen Rosel Hecht gewidmet. Die Zuschauer konnten ihren Weg von der Großmarkthalle in Frankfurt bis zu ihrem Tod in Maly Trostinec verfolgen. Das einzige Dokument, das vorliegt, ist die Deportationsliste vom 11. November 1941, auf der Rosel und ihre Mutter Berta verzeichnet sind. Genaueres über ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Deshalb hat Oliver Nedelmann den Rest der Geschichte „erdichtet“. Historische Hintergründe wurden allerdings exakt recherchiert, denn jede beschriebene Episode sollte möglich gewesen sein.

Das Hörspiel besteht überwiegend aus fiktiven Tagebucheinträgen oder Briefen, die Rosel Hecht an ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Jaky geschrieben hat.

Ex-Bürgermeister Roland Kern, der eine Passage eingelesen hat, würdigte das Gesamtprojekt als „großes Werk“. Oliver Nedelmann bekam viele E-Mails. „Habe soeben den letzten Brief von Jaky gehört und bin tief berührt. Vielen Dank für diesen Podcast, und ja, es darf niemals vergessen werden!“, schrieb eine Frau aus Messenhausen. Und eine Dreieicher Familie schickte folgende Zeilen: „Wir waren wirklich sehr berührt beim Anhören des Podcasts und hatten Tränen in den Augen. Gut, dass ihr das Thema aufgegriffen habt. Wir werden diese Geschichte gegen das Vergessen auf jeden Fall weiter verteilen.“

Auch die Kreis-Stiftung „Miteinander Leben“ würdigt die digitale Aufbereitung des Theaterstücks. Sie gewährt dem Förderverein der Nell-Breuning-Schule (NBS) 1 000 Euro Zuschuss. Von der NBS kamen die meisten Schauspieler, und dort fanden auch die meisten Proben statt. Mit dem Leben, Leiden und Sterben jüdischer Altersgenossen setzen sich auch Jugendliche aus dem Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm, der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau und der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich auseinander.

„Die Jugendlichen beschreiben in Anlehnung an die Geschichte der Familie Hecht in beeindruckender Weise, was während der Nazi-Diktatur passiert ist und zeigen vor allem auf, wie es zur Gewalt gegen die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger kommen konnte. Mit der Podcast-Serie werden sicherlich noch mehr Menschen auf das gelungene Theaterprojekt aufmerksam, und die Online-Präsentation kann in den Schulen im Geschichtsunterricht eingesetzt werden“, sagt Landrat Oliver Quilling, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes von „Miteinander Leben“. (Michael Löw)

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