„Märchen-Musigg“ als Livestream

Online-Auftritt aus Rödermark lockt mehr Zuhörer als jedes Livekonzert

Gespannt verfolgte die Familie von „Endlisch-Musiggerin“ Kerstin Hitzel das musikalische Märchen „Hans im Glück“ daheim im Wohnzimmer.
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Gespannt verfolgte die Familie von „Endlisch-Musiggerin“ Kerstin Hitzel das musikalische Märchen „Hans im Glück“ daheim im Wohnzimmer.

Ein Orchester aus Rödermark hat ihr jährliches Konzert notgedrungen online geben. Damit erreichte es vier Mal so viele Menschen wie beim Liveauftritt – mindestens.

Rödermark – Das „Endlisch Musigg“-Orchester aus Rödermark hat seine Märchenmusik notgedrungen zum Online-Konzert gemacht. Mehr als 2 300 Fernseher, Computer oder Tablets waren eingeschaltet. Damit erreichten die Organisatoren vier Mal so viele Menschen wie beim Liveauftritt in der Kulturhalle – mindestens.

Nicht nur die 45 Instrumentalisten des „Endlisch Musigg-Orchesters“ vom Musikvereins Viktoria 08 saßen unruhig und aufgeregt vor ihrem Fernseher, und warteten auf „ihr“ Online-Märchen „Hans im Glück auf Reisen“. Auch viele andere Zuschauer verfolgten das Konzert über den Tag verteilt.

Allein bis 20 Uhr hatten 1600 Haushalte auf das musikalische Märchen über die Homepage oder über YouTube zugegriffen. Um Mitternacht waren es 2300 Haushalte, die den Hans im Glück auf seiner Weltreise begleitet hatten. „Und das sind wirklich verschiedene Geräte, sonst würden sie in der Statistik nicht angezeigt“, staunt Dirigent Andreas Zöller. „Da wir von drei bis vier Personen an jedem Apparat ausgehen können, hätten wir mehrmals die Alte Oper oder die Elbphilharmonie gefüllt!“ Auf alle Fälle wäre es in der Kulturhalle eng geworden.

Rödermark: Orchester bekommt für Online-Konzert überwältigende Reaktionen

Die Reaktionen auf Social Media und WhatsApp und auch an Mails sind überwältigend. So wie die Reise den Hans über den Globus führt, so sind auch die Reaktionen: Kanada, Südkorea, Wien und natürlich viele Kommentare aus ganz Deutschland.

Eine ganz besondere Stimmung herrschte im Wohnzimmer von Kerstin Hitzel, Altsaxophonistin im großen Blasorchester der „08er“, die mit Ehemann Michael und den Kindern Helena (9) und Henry (6) und mit ihren Eltern die Premiere des „Märchens to go“ verfolgte. Schließlich spielt Mutter Mechthilde Zöller bei „Endlisch Musigg“ die Posaune, und Bruder Andreas hat das Orchester gut im Griff. Die Kinder freuten sich, als sie sich vom TV-Gerät herunterlachen sahen. Im Hitzel‘schen Wohnzimmer herrschte nahezu absolute Stille, weil keiner etwas verpassen mochte. Nach den Interviews, die das 33-minütige Märchenspiel umrahmen, wurde lautstark applaudiert. Die ganze Familie war erleichtert und stolz, was da geschaffen wurde, an dem man so aktiv ein Teil sein durfte.

Online-Konzert von Orchester aus Rödermark ist weiterhin abrufbar

Das Konzert lässt sich noch lange beliebig oft abrufen: über die Seite des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden oder www.maerchenmusigg.de, über soziale Netzwerke oder auf YouTube. Schließlich muss man die vielen kleinen und großen Veränderungen des Märchens neu entdecken. Umgeschrieben von Anneke Hammer, Steffi Keim, Cordia Keller und Andreas Zöller, hat Corona schon seine Spuren hinterlassen: Im schon lange fürsorglich getragenen Mundschutz der Chinesen oder im Homeschooling der Norweger etwa, die Hans auf seiner Suche nach dem Glück trifft. Aber auch andere Einzelheiten lassen sich oft erst beim zweiten Anschauen herausfinden. Die fünf Orchestermitglieder, die am vorgezogenen Aufnahmewochenende nicht dabei sein konnten, wurden einfach eingebaut – im Breidertwald, tanzend oder musizierend zwischen wirbelndem Laub.

Oder auch Feinheiten wie den Mann mit der angenehmen Stimme, Märchenerzähler Jochen Fritsche, der zwar in der kahlen Kulturhalle aufgenommen wurde, aber ein kuscheliges Wohnzimmer hinterlegt bekommen hat – weil das Konzert ja auch für alle Zuhörer ein Coucherlebnis ist.

Nach Online-Konzert von Orchester aus Rödermark: Zuhörer können spenden

Das „Endlisch Musigg“-Orchester hat nach dem letzten Ton zumindest erst mal Ruhe. Es hat wirklich vor allem auch dank toller Techniker, Zeichner und anderen Könnern mehr ein wirklich sehenswertes Stück abgeliefert, das sich jetzt schon für die Einreichung zu verschiedenen kulturellen Preisen anbietet.

„Hans im Glück auf Reisen“ wurde und wird online zum gemütlichen Sessel gebracht, wo er notfalls auch in Jogging-Anzug und Badelatschen begleitet werden kann. Und das kostenlos! Hoffentlich lesen die Zuschauer auch jene mehrfach eingeblendeten diskreten Angaben, dass sie über PayPal oder eine SMS kleine Beträge quasi als Eintritt spenden können. Die Kennwörter „Gib 5 Hans“ oder „Gib 9 Hans“ orientieren sich an den Eintrittspreisen für Livekonzerte. (Christine Ziesecke)

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