Rödermark: Stadt würdigt Wilhelm Weber Widerstand gegen die Nazis

Enkelin von der Gestapo erschossen

Der Ober-Röder Gewerkschafter und Sozialdemokrat Wilhelm Weber bot den Nazis die Stirn und riskierte sein Leben. Die Stadt Rödermark würdigt diesen Mut und benennt einen kleinen Park nach ihm. Im März 1945 erlitt die Familie einen Schicksalsschlag, von dem bisher nur wenige Rödermärker wussten.

Rödermark - Gretel Maraldo wurde am 24. März 1945 – vier Tage vor ihrem 22. Geburtstag – von einem Sonderkommando der Gestapo erschossen. Die junge Frau war von den Nazis Anfang 1945 in Bensheim verhaftet worden. Weil die amerikanischen Panzer immer näher rückten, räumte die Gestapo ihr Gefängnis und schickte drei Frauen und elf Männer quer durch die Stadt auf ein Feld, wo sie hingerichtet werden sollten.

Was hat dieses Verbrechen an der Bergstraße mit Wilhelm Weber aus Ober-Roden zu tun? Gretel Maraldo war die Enkelin jenes Mannes, der Beziehungen sowohl zum militärischen als auch zum zivilen Widerstand hatte und selbst im KZ war.

Der Historiker und Autor Klaus-Joachim Rink (Rollwald) und der frühere SPD-Stadtverordnete Erich Krieger (Urberach) sind bei ihren Recherchen über Wilhelm Weber auf seine Enkelin und deren Ermordung in letzten Tages des Zweiten Weltkriegs gestoßen. In Archiven, Gedenkstätten und Büchern suchten beide nach Spuren.

1941 hatte Gretel den Italiener Romano Maraldo geheiratet, 1942 kam ihr Sohn Tito auf die Welt. „Da ihr Mann zum Wehrdienst eingezogen wurde, zogen sie nach Italien“, fand Rink heraus. 1943 oder 1944 kehrten Mutter und Kind nach Offenbach zurück, wo Wilhelm Weber wohnte. Der in Ober-Roden geborene Gewerkschafter und Sozialdemokrat gehörte zu diesem Zeit einem Widerstandsnetz an, das sein Freund Wilhelm Leuschner geknüpft hatte. Weber sollte nach einem Aufstand der Wehrmacht demokratische Strukturen aufbauen.

Da war es nur konsequent, dass auch Gretel Maraldo sich der Opposition gegen die Nazis anschloss. Im Offenbacher Untergrund riskierte die „Schlangenbande“ Freiheit und Leben. Warum sie an der Bergstraße verhaftet wurde, ist noch nicht bekannt. Die letzten Stunden von Gretel Maraldo jedoch hat Erich Krieger zusammen mit Claudia Sosniak vom Stadtarchiv Bensheim rekonstruiert.

Bewacht von sieben Mann eines Gestapo-Sonderkommandos wurden am Abend des 24. März 1945 14 Häftlinge zum „Edelmannsgrund“ geführt. Sie waren dem Tod geweiht. Denn dort war bereits ein Graben ausgehoben, in dem die Ermordeten verscharrt werden sollten. Unterwegs flüchtete ein russischer Offizier in einen verwilderten Garten. Gretel Maraldo nutzte die Verwirrung und versuchte ebenfalls zu entkommen. Die Wachen feuerten – der Soldat bekam einen Schuss in die Wade, Gretel Maraldo aber wurde tödlich getroffen.

Die anderen Gefangenen wurden an den Hinrichtungsort geführt und erschossen. Nur der polnische Zwangsarbeiter Johann Goral überlebte. Nach einem Streifschuss ließ er sich in den Graben fallen und stellte sich tot. Während seine Leidensgenossen einer nach dem anderen erschossen wurden, schlüpfte Goral aus seinem Mantel und flüchtete. Er starb 1985 im Alter von 74 Jahren.

Schon wenige Tage nach dem Massaker ließen die amerikanischen Befreier das Massengrab öffnen. Klaus-Joachim Rink: „Wilhelm Weber musste seine exhuminierte Enkeltochter am 1. April 1945 wiedererkennen und in Offenbach beerdigen lassen.“ An sie erinnert ein Stolperstein im Heusenstammer Weg. (Michael Löw)

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