Heimat- und Geschichtsverein präsentiert Mühlen-Bilder

Rödermark: Von wegen Müller-Romantik

Die 1981 abgerissene Obermühle stand im heutigen Wohngebiet Bruchwiesenstraße. Dort flossen über die Jahrhunderte hinweg Schwarz- und Weißbach zusammen.
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Rödermark: Die 1981 abgerissene Obermühle stand im heutigen Wohngebiet Bruchwiesenstraße. Dort flossen über die Jahrhunderte hinweg Schwarz- und Weißbach zusammen.

Mehr als 500 Jahre drehten sich an der Rodau die Mühlräder. Davon zeugen heute nur noch Straßennamen und der Rodau-Lehrpfad. Der Heimat- und Geschichtsverein Rödermark hat zwei Mühlen zum Juni-Thema seines Kalenders gemacht.

Rödermark – 1445 wurde in Ober-Roden – damals zwischen den katholischen Kurmainzern und den evangelischen Hanauern geteilt – die erste Rodau-Mühle gebaut. Im Lauf der Jahrhunderte folgten drei weitere. Lange war das Mahlen des Getreides eine Sache von Pächtern. Erst ab etwa dem 19. Jahrhundert lagen Eigentum und Betrieb zunehmend in einer Hand. Das Müller-Handwerk ernährte über Generationen seine Meister und ihre Familien mehr schlecht als recht. Die meisten mussten noch einem zweiten Broterwerb nachgehen.

Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) hat zwei Urberacher Mühlen auf dem Juni-Blatt seines 2021er-Kalenders „Es war einmal“ dokumentiert. Begonnen hat die Historie der Rodau-Mühlen aber in Ober-Roden. Dort nahm 1445 die Hanauer Mühle – benannt nach den Herren ihres Ortsteils – ihren Betrieb auf. Sie lag unmittelbar an der Rodau, im „Schäfereck“, südlich der heutigen Dockendorffstraße.

Ab 1570 klapperte die Mainzer Mühle in der Mühlgasse, die längst Heitkämperstraße heißt. Für den Betrieb zweigten die Mainzer noch außerhalb des Ortes von der Rodau einen Graben ab. Mittels einer Schleuse konnten sie Wasser stauen und so den Zufluss regulieren. Damit verschafften sich die Katholiken einen deutlichen Vorteil, obgleich ihre Mühle nicht unmittelbar an der Rodau lag. Die Müller der Hanauer Mühle lernten das Sprichwort: „Jemandem das Wasser abgraben“ in seiner ursprünglichen Bedeutung kennen. Dennoch blieb sie offensichtlich mindestens bis nach dem 30-jährigen Krieg in Betrieb. Erst ab 1630 schweigen die Überlieferungen.

Die „Mainzer Mühle“ – seit 1853 betrieben von Familie Maneval – stellte 1937 ihren Betrieb ein.

Ober- und Untermühle in Urberach wurden unabhängig voneinander 1475 erstmals erwähnt. Beide hatten wechselvolle Schicksale. Vor allem im 30-jährigen Krieg sind sie wohl schwer beschädigt gewesen, und die Felder lagen brach.

Die Untermühle lag direkt an der Rodau und im Gegensatz zur Obermühle auch am tiefsten Wiesengrund, was bei schweren Regenfällen schnell zu Überschwemmungen des gesamten Geländes führte. Ab 1906 wurde die Untermühle von Familie Kratz geführt. Der 2013 gestorbene Historiker Norbert Cobabus schreibt, dass die Ehe zwischen Heinrich Kratz und Susanne Klepper mehr oder minder erzwungen war, damit die Mühle in der Familie Klepper blieb. Denn der Kaufpreis war so gering, dass im Ort die Spekulationen ins Kraut schossen.

Trotzdem fehlte in der Untermühle das Geld für Neuerungen und Instandsetzungen. Vor allem die Begradigung der Rodau 1938 brachte die Familie in Schwierigkeiten. Beim Abriss der Untermühle 1979 fand man noch einzelne Gebäudeteile aus dem 30-jährigen Krieg.

Die Obermühle hatte den besseren Standort, am Zusammenfluss von Weiß- und Schwarzbach und damit oberhalb des eigentlichen Verlaufs der Rodau. Ein zusätzlicher Mühlgraben sicherte die Wasserversorgung.

Zwist herrschte bis in die 1920er-Jahre zwischen den Urberacher Müllern. Auch sie stritten darüber, wer wem das Wasser abgräbt oder wer den Bach von Dreck und Eis freihält.

1923 übernahm Georg Josef Malsi den Betrieb von seinem früh verstorbenen Bruder. Der Diplom-Ingenieur gestaltete n die Obermühle nicht nur baulich, sondern auch technisch erfolgreich um. Die Einführung des elektrischen Mahlbetriebs 1938 machte die Mühle unabhängig von der Wasserkraft. Denn abgesehen von der Begradigung der Rodau wurden Weiß- und Schwarzbach in den 1950er Jahren zugeschüttet oder kanalisiert.

Der Abriss der Obermühle war politisch umstritten. Aufgrund des vergleichsweise guten Zustandes gab es auch Überlegungen, das Heimatmuseum oder eine Art Kulturzentrum daraus zu machen.

Buchtipp: Norbert Cobabus, „Mühlen an der oberen und unteren Rodau“, zu haben über den Heimat- und Geschichtsverein Rödermark, 17 Euro. (Michael Löw)

Rödermark: Die Untermühle war die arme Schwester der Obermühle, deren Müller ihr über die Jahrhunderte hinweg oft genug das Wasser abgrub.

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