Bio-Unterricht unter Bäumen

Waldspiele der NBS offenbaren viel Wissen – und manche Wissenslücke

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Nur ziehen, nie drücken! Wer diese Holzfäller-Weisheit beherzigte, sägte den Birkenstamm in weniger als 90 Sekunden durch. Der Rest des Teams wurde als Gegengewicht benötigt.

 Biologie-Unterricht im Klassensaal ist eine Sache, das Wissen daraus in der Natur anzuwenden, ist eine ganz andere. Das zeigte sich gestern bei den Waldspielen der Nell-Breuning-Schule (NBS) rund ums Diana-Schützenhaus.

Messenhausen – Schon das Würfelspiel an der zweiten Station hatte es in sich, unter jeder Zahl verbarg sich eine Frage oder ein Silbenrätsel. In Zeiten von Guacamole-Limette- oder Honigmelone-Passionsfrucht-Eis muss ein 13-Jähriger nicht unbedingt mehr wissen, dass es auch einmal ein grünes Eis gab, das den „Wald“ im Namen trägt. Aber wenn bei der Frage, bei welchem dieser Trios – Buche, Kiefer, Kastanie; Eiche Birke, Ahorn; Lärche Buche, Eiche – es sich ausschließlich um Laubbäume handelt, die wohlwollende Hilfe der Lehrerin notwendig ist, hat der oder die Gute im Unterricht wohl nicht richtig ausgepasst.

Die Waldspiele, die es an der NBS schon seit Jahrzehnten gibt, sind ein Gruppenwettkampf ohne erhobenen Zeigefinger. Waldschäden durch Trockenheit oder Borkenkäfer wurden ebenso wenig thematisiert wie die vielfältigen Konflikte zwischen Spaziergängern, Joggern, Radfahrern, Reitern und Hundebesitzern auf seinen Wegen.

Die Jugendlichen bewiesen beim Baumstammsägen sportlichen Ehrgeiz. Ihr besten Teams hatten die Birke in weniger als 90 Sekunden durch. Das war schon respektabel. Doch zwei Lehrer hatten außer Konkurrenz gezeigt, wo der Hammer – pardon: die Säge – hängt. Ihre 34 Sekunden blieben ungeschlagen.

Bei Revierförsterin Gabriele Rutschmann-Becker traten die Waldspieler zum Hirschslalom an. Mit zwei Geweihschaufeln eines Damhirschs auf den Schultern umkurvten sie Bäume. Die Gaudi hatte einen ernsten Hintergrund: „Viele Kinder sind nicht mehr gewohnt, abseits der Wege durch den Wald zu laufen und mit Hindernissen wie Ästen zurechtzukommen“, erläuterte die Försterin. Die meisten Teilnehmer bewiesen ihr das Gegenteil. Sie rannten fast so elegant durch den Wald wie der Namenspatron des Slaloms.

Ebenfalls erfreulich: Die Mülltüten, mit denen jede Gruppe eigenen oder fremden Dreck sammeln sollte, waren nach den acht Stationen kaum dicker als ein Handball.  lö

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