Koalition und Opposition streiten: Was bringt Handelskonzept Nummer drei?

Rödermark: Warten auf den großen Wurf

Service, Nähe, Kompetenz und Freundlichkeit sind die Stärken des Einzelhandels – wie hier im Pünktchen von Sabine Weber (rechts). Ein neues Einzelhandelskonzept soll zeigen, wie inhabergeführte Geschäfte auch online Kunden gewinnen oder halten.
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Rödermark: Service, Nähe, Kompetenz und Freundlichkeit sind die Stärken des Einzelhandels – wie hier im Pünktchen von Sabine Weber (rechts). Ein neues Einzelhandelskonzept soll zeigen, wie inhabergeführte Geschäfte auch online Kunden gewinnen oder halten.

Braucht Rödermark ein neues Einzelhandelskonzept? Auf welche Fragen soll es Antworten geben? Diese Aspekte prägten im Stadtparlament eine kontroverse, teils scharfe Debatte, die jedoch mit einem einstimmigen Beschluss endete: Der Magistrat soll ein Gutachten in Auftrag geben, das zeigt, wo Platz für Supermärkte ist und wie der Handel gefördert werden kann.

Rödermark - Jan Grünberg (CDU) hatte die Diskussion um den Antrag der schwarz-grünen Koalition mit einer Mängelliste eröffnet. Zwar werden die Supermärkte, Drogerien und Discounter in der Max-Planck- oder Odenwaldstraße modernisiert und/oder vergrößert. Doch das reicht vielen Kunden nicht, der Rewe-Markt in Ober-Roden oder Netto in Urberach sind alles andere als Einkaufsparadiese. Dort, so Unternehmer Grünberg, fehle Platz für moderne Produktpaletten wie Lebensmittel aus regionalem oder biologischem Anbau. Vollversorger mit diesem Sortiment finden viele Rödermärker dagegen in der Nachbarschaft. In Offenthal wird gerade ein großer Edeka gebaut.

Handelsketten von Rewe bis tegut haben zwar Interesse am Standort Rödermark, finden aber keine Grundstücke. CDU-Mann Grünberg forderte deshalb eine Überarbeitung des Planungsrechts.

Gleichzeitig soll das neue Konzept zeigen, wie auch kleine Geschäfte vom Onlinehandel profitieren können. Wie also kann man persönlichen Service mit der Digitalisierung kombinieren? „Click & Collect“ (auf der Internetseite auswählen und im Laden abholen) habe während des Lockdowns ja auch vielerorts funktioniert. Grünbergs Warnung: „Wir müssen dem Bedeutungsverlust der Ortskerne noch entschiedener entgegentreten!“

Die Probleme sieht auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger ähnlich, sein Lösungsansatz ist jedoch ein anderer. „Wir sollen heute das dritte Einzelhandelskonzept in zwölf Jahren Schwarz-Grün beschließen. Aber was wurde von den ersten beiden umgesetzt? Nichts!“ kritisierte er hohe Kosten für Expertisen, die seiner Ansicht nach keine Ergebnisse brachten.

Die Mehrheit, so Kruger, sei nicht gewillt, Flächen für Supermärkte auszuweisen. Und vor kleinen Läden in den Ortskernen fehlen Parkplätze für schnelle Besorgungen. Krugers Forderung: Das Honorar für die Gutachter lieber für den Ausbau des schnellen Glasfasernetzes ausgeben: „Mit 16 Mbit kann man keinen E-Commerce machen.“

Bürgermeister Jörg Rotter warb indes für den Vorstoß seiner Koalition. Das Einzelhandelsgutachten 2016 ging noch davon aus, dass Rödermark schrumpft. Doch statt damals schwarzgemalter 25 000 Einwohner habe die Stadt inzwischen fast 30 000 Einwohner, die gut sortierte und schnell erreichbare Einkaufsmöglichkeiten suchen. Rotter hatte Anfang des Jahres einen Hektar Acker und Wiese nördlich des Germania-Sportplatzes für einen Vollversorger ausweisen wollen. Diesen Vorschlag hatte Koalitionspartner AL abgeschmettert: kein Flächenfraß für großen Einzelhandel. Der Bürgermeister sucht Alternativen, nannte am Dienstagabend im Parlament aber keine Einzelheiten.

Die AL bleibt bei ihrem Nein und sieht sich im 2016er Gutachten in ihrer Auffassung bestätigt. Supermärkte auf der grünen Wiese bleiben für den Fraktionsvorsitzenden Stefan Gerl ein Tabu. Und sei das Sortiment noch so grün.

Trotz vieler Differenzen stimmten CDU, AL, SPD und Freie Wähler dem Antrag zu, der Rest enthielt sich. (Michael Löw)

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