Rödermark soll nur innerhalb seiner Bebauungsgrenzen wachsen

Rödermark: Wie dicht darf‘s denn sein?

Wie kann Rödermark Wohnungen für die Menschen schaffen, die in der Boomstadt Frankfurt Jobs finden? Der Magistrat soll alle Möglichkeiten einer verdichteten Bebauung innerhalb der Ortsgrenzen prüfen. Das hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen.
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Rödermark: Wie kann Rödermark Wohnungen für die Menschen schaffen, die in der Boomstadt Frankfurt Jobs finden? Der Magistrat soll alle Möglichkeiten einer verdichteten Bebauung innerhalb der Ortsgrenzen prüfen. Das hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen.

Der Magistrat soll prüfen, ob, wo und wie Rödermark innerhalb der Stadtteile nachverdichtet werden kann. Folgende Möglichkeiten kommen in Betracht: Mehrfamilienhäuser auf (Gewerbe)-Brachen, Umwidmung ehemaliger Gewerbeflächen in urbane Gebiete, Abriss alter Ein- und Zweifamilienhäuser und Neubau von Mehrfamilienhäusern, Zweitbebauung auf dem hinteren Teil von Grundstücken, Schließen von Baulücken.

Rödermark - Diesen FDP-Antrag beschloss das Stadtparlament am Dienstagabend trotz Bedenken einstimmig.

Nach- oder Innenverdichtung schaffe in der Zuzugsregion Rhein-Main Wohnungen, ohne dass Baugebiete auf der grünen Wiese ausgewiesen werden müssen, begründete der Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger den Vorschlag. Was ihm prompt ein Lob von Katja Kümmel (AL) einbrachte: „Der FDP-Antrag ist ur-grün!“

Hessen brauche bis 2040 pro Jahr 16 000 neue Wohnungen. 80 Prozent müssen in Südhessen gebaut werden, skizzierte Kümmel den Bedarf. Gleichzeitig will das Land den Flächenfraß von derzeit täglich 2,5 Hektar auf Null zu reduzieren.

Es war dann vor allem an der CDU, die Probleme eines auf den ersten Blick einleuchtenden Vorschlags auszusprechen. Innenverdichtung führt zu Parkplatzmangel und verschönert nicht unbedingt das Stadtbild, sagte Michael Spieß. Fraktionsvorsitzender Michael Gensert und Bürgermeister Jörg Rotter wurden deutlicher: Aus gutem Grund habe die Stadtverordnetenversammlung vor Jahr verdichtete Bebauung in der Bahnhofstraße und am Rand des Seewaldes abgelehnt, erklärte Gensert.

Rotter blickte noch weiter zurück – nämlich auf den Bebauungsplan für Waldacker aus dem Jahr 2006. Seinerzeit habe das Parlament „extreme Beschränkungen“ beschlossen. Denn Grundstücke von 1 000 Quadratmetern, auf denen nur ein kleines Haus stand, wurden zu Reihenhaus-Siedlungen. Solchen Wildwuchs habe der Bebauungsplan verhindert, doch das habe seinen Preis. Rotter: „Es gibt Grundstücksbesitzer, die nicht mal ihr Dach anheben dürfen.“ Das komme einer Entwertung gleich.

Wenn in Rödermark über Verdichtung nachgedacht wird, darf nach Ansicht des Bürgermeisters Waldacker nicht außen vor bleiben. Dort sieht der Baudezernent „das größte Potenzial“.

Diese angeblichen Reserven sieht Gerhard Schickel (AL) keineswegs. Er war damals Mitglied der Bürgerinitiative, die in diesen Einschränkungen das letzte Mittel sah, den Ortsteil lebenswert zu erhalten.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Anke Rüger brachte zwei andere Varianten ins Gespräch. Statt immer mehr Menschen in das überteuerte Frankfurter Umland zu locken, müsse das Land Nord- und Osthessen attraktiver machen. Stichwort: digitale Infrastruktur. Rüger hält es auch für „Verschwendung, wenn eine Seniorin allein auf 250 Quadratmetern lebt. Solchen Menschen müsse die Stadt Alternativen wie Senioren-WGs bieten. (Michael Löw)

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