Bernd Hörer will das Grimm’sche „schützlich“ in der deutschen Sprache etablieren

Rödermark: Wort-Wieder(er)finder

Von den Werken der Brüder Grimm über den Laptop ins „Streiflicht“: Bernd Hörer will „schützlich“ zurück in den deutschen Sprachschatz bringen.
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Rödermark: Von den Werken der Brüder Grimm über den Laptop ins „Streiflicht“: Bernd Hörer will „schützlich“ zurück in den deutschen Sprachschatz bringen.

Jacob und Wilhelm Grimm haben nicht nur Deutschlands bekannteste Märchensammlung herausgegeben, sondern 1883 auch ihr „Deutsches Wörterbuch“. Darin erwähnen sie das Adjektiv „schützlich“, das im 17. Jahrhundert viele positive Eigenschaften umschrieb. Aber wer stöbert schon in Grimms Duden?

Rödermark - Bernd Hörer jedenfalls nicht, als er vor acht Jahren erstmals schützenswert und nützlich miteinander verwob. Und seine vermeintliche Neuschöpfung gleich wieder vergaß. Im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion hat er es aus dem Gedächtnis hervorgekramt und ging vor der Benutzung auf Nummer sicher. Im Internet stieß er auf die Brüder Grimm, nicht aber auf ein Urheberrecht für „schützlich“.

Jetzt will der „geborene Bayer, aufgewachsene Schwabe und praktizierende Hesse“, der mit seiner Familie seit zehn Jahren in Ober-Roden lebt, das alte Wort mit zeitgemäßem Inhalt füllen. „Ich bin verantwortungsvoll im Umgang mit den endlichen Ressourcen unseres Planeten und ich achte deshalb vor allem bei essenziellen, natürlichen Dingen darauf, dass nichts verschwendet wird, damit unser Planet lebenswert bleibt und die uns nachfolgenden Generationen auch noch eine Welt vorfinden, die genauso schön und in natürlichem Gleichgewicht ist wie heute“, will er das Thema Nachhaltigkeit mit möglichst wenigen Buchstaben auf den Punkt bringen. Ganz nebenbei stellt er fest: „Nützlich ist eines der meistunterschätzten Worte in der deutschen Sprache. Denn nützlich ist alles, was uns hilft.“

Bernd Hörer hat Werbekaufmann gelernt und war zuletzt 20 Jahre Geschäftsführer einer kleinen Kosmetikfirma. Buchstaben und Worte sind bei ihm gleichzeitig Hobby und Beruf. Momentan macht er sich selbstständig; „Salbam“ heißt das Projekt. Man muss bei Hörers Lebenslauf nicht lange nachdenken, um darin die Worte Salbe und Balsam zu erkennen...

Doch zurück zu „schützlich“. Das will Bernd Hörer zurück in den deutschen Sprachschatz bringen. Er hat sich schon an die Gesellschaft für Deutsche Sprache und die Dudenredaktion gewandt. Der Süddeutschen Zeitung schickte er seinen „schützlich“-Vorschlag und landete damit prompt im „Streiflicht“ auf der Seite eins. Bernd Hörer freute sich, in einer der renommiertesten Glossen Deutschlands erwähnt worden zu sein. Seine Frau sah’s mit Blick aufs Aufmacherbild ganz pragmatisch: „Oh, direkt neben Abba!“ Derweil hat Hörer schon das nächste Ziel im Auge: die Aufnahme in die Liste zum „Wort des Jahres“. (Michael Löw)

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