Johannes und Horst Peter Knapp auf dem Weg von Augsburg nach Seligenstadt

Zwei Urberacher beim Kaufmannszug

Aufgalopp: Rainer Steen hat seinen Enkel Johannes Knapp und dessen Onkel Horst Peter Knapp beim letzten Training vor dem Start in Augsburg fotografiert.

Urberach – Man muss nicht unbedingt Seligenstädter in der vierten oder fünften Generation sein, um beim historischen Kaufmannszug mitmarschieren und -reiten zu dürfen. VON CHRISTINE ZIESECKE

Der Urberacher Heimatkundler Horst Peter Knapp (53) und sein zehnjähriger Neffe Johannes brachen vor knapp einer Woche nach Augsburg auf.

Seit sich dort wieder der Seligenstädter Kaufmannszug in Bewegung gesetzt hat, leben die zwei Rödermärker wie im 17. oder 18. Jahrhundert. Johannes Knapp ist einer der jüngsten von rund 175 Teilnehmern im traditionellen Gewand, mit Pferden und Wagen und viel historischem Beiwerk auf dieser 340 Kilometer langen Reise. Der Tross der Händler wird am 15. Juni in Seligenstadt zurückerwartet.

Eigentlich mag Johannes Knapp lieber Fußbälle und Fahrräder als Pferde. Aber als begeisterter Nachwuchs-Fotograf – sein Opa Rainer Steen ist Chef des Fotoclubs Rödermark – reizte ihn dieses Abenteuer schon lange. Für die erste der beiden Wochen hat er schulfrei bekommen und erlebt auf Pferd und Wagen, mit Mittagsrasten im Grünen und Schlafenszeiten unter Wagenplanen eine ganz andere Welt. So ganz historisch ist’s denn doch wieder nicht, schaut man zum Beispiel auf die Schuhe von Johannes. Und auch Handys sind für Eventualitäten und die Fotos vom Zug im Gepäck.

Doch ansonsten gibts wenig Neumodisches. Johannes zumindest hat nach längerem familiären Drängen eine Jeans und eine Badehose „für Notfälle zum Wechseln” mitgenommen – sonst nichts. Und Notfälle gibt"s schon mal bei so einer Reise. Gleich am ersten Tag fiel eine Frau vom Pferd, doch der Sturz blieb zum Glück ohne größere Folgen. Am Sonntag hatte sich bei einem Wagen ein Rad festgefressen. Diese Fuhre wurde zum Leidwesen des Kutschers erst einmal aus dem Zug genommen. Abends haben die Kaufleute und ihr Gefolge in der Burgschänke in Harburg ein deftiges Mahl genossen und zünftige Lieder gesungen.

Am Montag wurde auf der Festwiese in Nördlingen gegrillt. Was bei der Menge an Hungrigen und der Hitze inklusive Gewitterwarnung nicht ganz einfach war. Ein Kommentar aus der Ferne zeigt, wo die Hessen das größere Problem sahen: „Es ist zwar sehr warm, aber erträglich.“

Und ganz allein als Kind ist Johannes keineswegs. Mehrere mitfahrende Jugendliche haben viel Spaß, Johannes hat auch schon einen Spielkameraden gefunden.

Am Wochenende, zur Halbzeit, wird er allerdings in Rothenburg ob der Tauber abgeholt. Auf eigenen Wunsch, denn dann wartet seine Eppertshäuser Fußballmannschaft auf ihn. Aber dann wird er schon genug zu erzählen und viele Fotos mitbringen vom historischen Kaufmannszug von Augsburg nach Seligenstadt.

Dieser Zug wurde 2003 von einem Seligenstädter Arbeitskreis ins Leben gerufen und ist seit dem 1. Juni schon zum fünften Mal schon unterwegs. Am 15. Tag, dann ist in Seligenstadt Geleitsfest, werden die Kaufleute daheim empfangen.

Informationen

Wer auf dem Laufenden sein will, findet Informationen auf der Seligenstadt-Seite der OFFENBACH-POST oder im Internet unter kaufmannszug.com

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