Alle Chancen vermasselt

Serieneinbrecher muss für 18 Monate hinter Gitter

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Offenbach/Seligenstadt - Ein 21-jähriger Serieneinbrecher aus Seligenstadt kann es auch während der Bewährungszeit nicht lassen und wird auf frischer Tat ertappt. Vor dem Schöffengericht in Offenbach ging es nun um die Frage: Agierte er alleine oder mit anderen? Von Stefan Mangold 

Ehe Richter Manfred Beck am letzten Freitag vor dem Schöffengericht in Offenbach über den Seligenstädter verhandelt, nehmen dessen Eltern Platz. Die wirken keineswegs wie Angehörige eines Serieneinbrechers. Man tippt eher auf die Eigentümer des schmucken Hauses, in das der 21-Jährige mutmaßlich einfiel. Der Angeklagte erscheint in Handschellen. Am 1. Oktober verhaftete ihn die Polizei in Hainburg. Seitdem sitzt er in U-Haft. Der Nachbar hatte Glas zu Bruch gehen hören. Das schrieb er einem Lieferwagen zu. Als eine Alarmanlage ertönt, läuft er nach nebenan und sieht einen Mann im Garten, der nervös zur zersplitterten Terrassentüre schaut: „Er wirkte wie einer, der Schmiere steht.“

Den Einbruch gibt der Täter zu Beginn der Verhandlung zu. Ein Polizist, der ums Eck wohnt, war aufs Grundstück gelaufen. Dort kam ihm der Angeklagte mit einem Holztresor frontal entgegen. Erschreckt, warf er das Teil weg und türmte. Der Angeklagte will die Tat alleine begangen haben. Der Zeuge, der einen Mann im Garten verharren sah, kann ihn nicht eindeutig identifizieren. Der mutmaßliche Delinquent behauptet, dort nach dem Alarm die Lage sondiert zu haben. Für schweren Solo-Diebstahl sieht der Gesetzgeber drei Monate Mindesthaftzeit vor. Das Mitglied einer Bande kommt nicht unter einem Jahr davon. „In den Akten steht kein Hinweis, dass jemand zwei Leute auf einmal beobachtete“, nimmt der Angeklagte im Beisein des Anwalts Götz Fischer Stellung.

Er erklärt, viel Haschisch konsumiert zu haben. Das sei der Grund, warum er nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung als Mechatroniker schmiss. Er war zu spät oder gar nicht erschienen.Während einer Maßnahme der Arbeitsagentur habe er Leute kennen gelernt, die sich mit Einbruch beschäftigten. Die Lehre zum Maler endete ähnlich wie der erste Versuch, einen Beruf zu ergreifen. In dem Vorstrafenregister des junge Mannes stehen etliche Einträge. Eine Verurteilung nach sechs Einbrüchen führte zu einer Jugendbewährungsstrafe. Auflagen ignorierte der sportlich wirkende Seligenstädter. Zwischendurch saß er zweimal für je zwei Wochen im Jugendarrest.

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Anderthalb Stunden nach dem Einbruch in Hainburg hatte ihn die Polizei „nach wilder Hatz“ in der Nähe geschnappt. Bekifft habe er nicht gewirkt. Der Angeklagte behauptet nämlich, in Hainburg am Bahnhof Haschisch gekauft und konsumiert zu haben. Erst dann sei ihm die Idee gekommen, alleine einzubrechen.

Gegen die Spontaneität spricht, dass er kurz vorher mit zwei Kumpels telefonierte. Einer ist einschlägig vorbestraft. Ihnen konnte nichts nachgewiesen werden. Aber eine weitere Polizistin, die privat mit ihrem Hund unterwegs war, versichert, zur Tatzeit einen Mann mit rotem Oberteil auf der Terrasse gesehen zu haben. Der Angeklagte kann das nicht gewesen sein. Das medizinische Gutachten deckt auch nicht das Bild eines bruchlos benebelten Haschbruders, das der Angeklagte von sich zeichnet. Im Blut fand sich zwar THC, aber bei weitem nicht so viel wie bei jemandem, der einen Joint nach dem anderen baut. Die Staatsanwältin fordert 18 Monate Haft- ohne Bewährung.

 Rechtsanwalt Fischer spricht von einem Reifeprozess, den sein Mandant im Gefängnis vollzogen habe. Bandenmäßiger Diebstahl sei unbewiesen. Er plädiert für eine weitere Bewährungschance. Das lehnen der Richter und die Schöffen ab. Die Einbrüche als Folge von Drogensucht hält Manfred Beck für eine Mär. Er sei auf Schmuck als Diebesgut spezialisiert, decke andere Kriminelle und habe alle Bewährungschancen vermasselt. Außerdem bestehe Fluchtgefahr, weil noch ein weiteres Verfahren auf ihn warte. Das Urteil: 18 Monate Haft.

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