Germania-Erlebniskonzert

Germania-Erlebniskonzert in Seligenstadt: Aber bitte mit Senf und Sahne

Geht in den Ruhestand: Friedhelm Bloos

Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Was tut der Seligenstädter an den Wochentagen? Die Antwort weiß „Germanias tönende Wochenschau“.

Seligenstadt – Und das Beste, was der Seligenstädter am Freitag tun konnte, war, in den Basilikagarten zu gehen, sich das anzusehen und anzuhören!.

Für den Vorstand des Gesangvereins hieß Gabi Koll die Gäste willkommen in der „Gaddewirtschaft“. Für flüssige Nahrung war gesorgt, und zum Vesperteller in der Pause mit Brot, Wurst und Käse gab Küchenchef Andreas Neubauer seinen vor aller Augen zubereiteten Senf dazu. Dank Ohrenschmaus der Germania-Chöre, Augenweide vom Theater am Main und kabarettreifen Schmankerln von Ideengeber, Texter und Produzent Roland Wolf war’s ein opulentes Festmahl.

Den Wermutstropfen gab’s am Schluss: Für den Männerchor-Leiter Friedhelm Bloos war es sein letztes Konzert; er geht in den verdienten Ruhestand. „In 13 Jahren hast du die Germania geprägt und die Erlebniskonzerte noch mal auf ein ganz anderes Niveau gehoben“, lobte Wolf und befand: „Eine Ära geht zu Ende.“ Im Steinheimer Michael Schnadt steht der Nachfolger schon bereit. Als Besucher konnte er sich ein Bild davon machen, welch gut ausgebildetes, motiviertes Ensemble er übernehmen darf.

Das führte sich eindrucksvoll ein mit Aufmarsch in Reih und Glied zu Hugo Bergmann zackiger Klavierbegleitung. Und weil die Woche in Seligenstadt am Sonntag beginnt, riefen nach der Ouvertüre die Basilikaglocken zum Kirchgang, begleitet von beseelten Gospelklängen.

Durch die Woche führten zwei kesse Kellnerinnen: Mit spitzen Zungen verbuchten die Schauspielerinnen Angelina Huth und Christine Blum zahlreiche Lacher. Was die Frauen nach langem Hin und Her bestellen? Wasser sowie Salat mit Pute und mehreren Gabeln. Und die Männer? SMS oder SOS, Schnitzel mit oder ohne Soße.

Essen und Trinken hält ja Leib und Seele zusammen – und bildete die Klammer im Programm. Das ging los mit dem Frühschoppen-Lied und weiter mit Kuchen und Torte („Aber bitte mit Sahne“), setzte sich fort mit dem Bier-Lied („Ein Hoch dem edlen Gerstensaft“) und erreichte den Höhepunkt mit dem fleischhaltigen Speisezettel („Bratwurst, Omelette, Beefsteak, Kotelette“) und dem saufenden Hammerschmied. Auch für das tägliche Brot wurde fromm und artig gedankt.

Das machte Durst und Appetit auf mehr, gestillt durch ein Loblied aufs Radfahren, gesättigt mit der Hommage an den Sonntagabend-Tatort, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Zum Wochenauftakt wurde in die Hände gespuckt und das Bruttosozialprodukt gesteigert. Ein Geburtstagsständchen wünschte „Alles Gute“. Herrlich humorvoll war die Geschichte von Onkel Giacometos Hahn, Schwarm aller Hühner, eines Morgens in der Frühe jäh geendet in der Brühe. Und die Stadiongesänge verorteten die Frankfurter Eintracht wie die Offenbacher Kickers in der Champions League.

Lokale Besonderheiten wie den Marktplatztratsch spießten die Chöre lustvoll auf. In swingende Gefilde entführte der gemischte Rock-Pop-Jazz-Chor mit „Stitches“, „Time After Time“ und „Africa“, von seiner engagierten Leiterin Judith Bergmann zu federnden Rhythmen und exotischen Melodien animiert.

Gerhard Kemmerer und Franz-Josef Garrecht strapazierten als Rentner die Lachmuskeln. Auch Hans-Werner Hubert tat sich solistisch hervor. Roland Wolfs Pointen würden jeder Büttenrede zur Ehre gereichen. Und vor der Zugabe bewiesen die Männer ihre Theatertauglichkeit als Jäger-, Zigeuner- oder Gefangenenchor. Toreromarsch! VON MARKUS TERHARN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare