Betreiber fordern Kontrollen, warnen jedoch vor Rotstift

Abrechnungsproblematik: Corona-Testzentren im Ostkreis setzen auf Transparenz

Kreuzburghalle in Hainburg mit Bannern, die auf das dortige Corona-Testzentrum hinweisen.
+
Von großer Verunsicherung bei einigen Kunden sprechen die Verantwortlichen für das Testzentrum in der Hainburger Kreuzburghalle.

Berichte über mutmaßlichen Abrechnungsbetrug und Qualitätsmängel in Corona-Testzentren schmälern das Vertrauen der Bevölkerung in die Betreiber. Im Ostkreis wehren diese sich gegen einen Generalverdacht und sprechen von hoher Transparenz durch digitale Prozesse.

Ostkreis – Knapp bei Kasse? Einfach mal ein Testzentrum eröffnen! Nicht nur in den sozialen Medien schlagen sich seit den Vorwürfen der Qualitätsmängel und des Abrechnungsbetrugs in Corona-Schnelltestzentren Spott und Misstrauen nieder. „Die letzten Wochen waren sehr aufreibend für uns“, berichtet Mathias Fecht, Geschäftsführer der bitExpert AG. Das Mannheimer Software-Unternehmen steht dem Betreiber des Testcenters in der Hainburger Kreuzburghalle beratend zur Seite. Die Verunsicherung bei einigen Kunden sei groß gewesen. „Viele wollten das Teststäbchen ‚länger und tiefer‘ in der Anwendung spüren. Unser Fachpersonal musste hier erhebliche zusätzliche Aufklärungsleistungen erbringen.“

Der schnelle Aufbau der Teststruktur, fehlende einheitliche Standards für Bewerber, Abläufe, Abrechnung und Software sowie unzureichende Kontrollen haben Betrüger auf den Plan gerufen, die schnelles Geld machen wollen. Fechts Kritik an der Bundesregierung ist deutlich: „Im Fall der Testzentren hat der Staat paradiesische Möglichkeiten für kriminelle Machenschaften generiert.“

Dabei erfordere der Umgang mit der Pandemie ein sehr hohes Maß an Verlässlichkeit, Vertrauen und Transparenz, betonen die Betreiber der Teststelle in Seligenstadt. Für 74 Standorte zeichnet die Kineo Medical GmbH verantwortlich, dafür hat sie teilweise auch Partnerunternehmen mit ins Boot geholt. Nach den ersten Betrugsberichten habe man noch einmal darauf hingewiesen, dass jede Art der Unregelmäßigkeit von unzureichender Hygiene bis zur Falschmeldung von Testzahlen, die einen Betrug vermuten lassen, geahndet werde, teilen die Geschäftsführer Khosrau Musleh und Dr. med. Jaschar Kermany mit.

Ethische Grundsätze im Umgang mit der Gesundheit des Menschen – auch für Christian Howaldt, Geschäftsführer der InVitaGo Gmbh, die unter anderen das Testzentrum in Mainhausen betreibt, eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben insgesamt 216 Mitarbeiter im Einsatz, davon haben 84 eine medizinische Grundausbildung, von Krankenpfleger bis Osteopath. Da entsteht ein ganz anderer Berufsethos“, sagt er.

Die im Ostkreis tätigen Betreiberfirmen betonen neben dem Einsatz von geschultem und medizinischem Fachpersonal auch die hohe Transparenz, die durch die vollständig digitalen Prozesse von der Terminbuchung bis zur Übermittlung der Testergebnisse entstehe. „Alle durchgeführten Tests können lückenlos nachvollzogen werden“, sagen die beiden Kineo-Geschäftsführer, die gerne bereit seien, das gesamte Datenwerk den Gesundheitsämtern als ihren Auftraggebern vorzulegen.

Indes nutzen auch Privatpersonen die Online-Portale für eigene Überprüfungen. Eine Leserin berechnete anhand der verfügbaren Testtermine die Tageskapazität eines Zentrums und verglich sie mit veröffentlichten Zahlen, die ihr zu hoch erschienen. Das Testzentrum hatte an besagtem Wochenende jedoch mehr Mitarbeiter eingesetzt und so die Kapazitäten erhöht. Dass das Misstrauen in der Bevölkerung gewachsen sei, kann Christian Howaldt von InVitaGo nicht bestätigen. „Klares Nein“, sagt er. Vielmehr spüre man, dass der digitale Aufwand, den man in den Zentren betreibe, den Kunden Sicherheit gebe. Die unzureichenden Vorgaben für Betreiber bemängelt er ebenso wie seine Kollegen: „Wir wünschen uns, dass man die gesamte Umsetzung eines Testcenters in eine Überprüfung setzt, dass man schaut, wer da eigentlich ein Zentrum aufmacht, und dass man digitale Voraussetzungen zur Pflicht macht.“

Das Bundesgesundheitsministerium plant strengere Kontrollen und eine niedrigere Vergütung der Abstrichnahme. Bis zu 18 Euro je Corona-Schnelltest wurden den Teststellen bisher erstattet. Die Abrechnung läuft über die Kassenärztliche Vereinigung, Gesundheitsämter sind in die Abwicklung der Zahlungen nicht involviert. „Wir testen nur stichprobenartig die Einhaltung der Hygieneregeln. Da eine Meldepflicht nur bei positiven Testergebnissen besteht, liegt uns auch die Zahl der Gesamttests nicht vor“, schließt Sprecherin Ursula Luh das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach als Kontrollinstanz aus.

Mathias Fecht von bitExpert versichert, dass im Kreis Offenbach sehr genau hingeschaut werde. „Speziell vom Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrum wurde hinterfragt, wer wir sind, was und wie wir es tun. Es wurden Dokumente geprüft, kritische Rückfragen gestellt. Ohne medizinisches Fachwissen wäre die Erlangung einer Genehmigung nicht möglich gewesen.“

Für mehr Kontrollen vor Ort plädiert Ayse Sümeyra Demir, Inhaberin von Eeasy Sell, die in Hainburg in Kooperation mit der Sonnen-Apotheke ein zweites Testzentrum eröffnet hat. „Daten werden zwar erfasst, aber ob Personen tatsächlich getestet werden, wird nicht kontrolliert.“ Die geplante Reduzierung der Vergütung sieht Demir jedoch kritisch: Es müsse sich weiterhin rentieren, Testzentren zu betreiben, sagt sie und zählt als Kostenpunkte Mitarbeitergehälter, Schulungen, Versicherungen, Miete und Materialkosten auf. Schließlich hätten viele Anbieter auch das Ziel, zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.

Auch Mathias Fecht prognostiziert, dass im Zuge einer neuen Testverordnung seriöse Betreiber von ihrem Angebot Abstand nehmen werden. „Die angedachte niedrigere Vergütung – zur Diskussion stehen elf Euro – ist als grenzwertig zu betrachten“, sagt er. Der Aufwand, den qualitativ hochwertiger Service erfordere, lasse sich damit nicht decken. Hierbei spiele auch die derzeitige Rückläufigkeit der Tests eine Rolle. (Von Franziska Jäger)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare