Familie Dako: „Kein Härtefall“

Abschiebung: Kein glückliches Ende für Roma-Familie

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Manuela und Elvis Dako - hier mit ihrer jüngsten Tochter Emmi - müssen morgen Seligenstadt verlassen.  

Seligenstadt - Seit drei Jahren lebt die Roma-Familie Dako in Seligenstadt. Obwohl sich das Ehepaar mit drei Kindern gut eingelebt und integriert hat, wird sie am morgigen Donnerstag in ihr Herkunftsland Albanien abgeschoben. Von Oliver Signus 

Es ist eine Integrationsgeschichte ohne glückliches Ende, beschreibt Burkard Müller vom Arbeitskreis Willkommen in Seligenstadt die Situation der Familie Dako. Seit drei Jahren lebt die Roma-Familie aus Albanien in Froschhausen und hat sich laut Müller „hier nach besten Kräften engagiert, integriert, selbst Hilfsbereitschaft gezeigt und viele Freunde gefunden“. Dennoch heißt es Abschied nehmen von Elvis und Manuela Dako und den drei Töchtern Kristina (11), Paola (6) und der kleinen Emmi (2). Nach allen Versuchen, die Familie weiter in der Einhardstadt wohnen zu lassen, sei nun auch die letzte Hoffnung, ein Bleiberecht aus humanitären Gründen zu erwirken, gescheitert, bedauert Müller.

Dabei haben laut Müller 23 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Politik, Ärzteschaft und Organisationen empfohlen, Familie Dako nicht abzuschieben. Sie alle gehören der Härtefall-Kommission an. Das Gremium hat sich somit einstimmig gegen die Abschiebung ausgesprochen. Hauptgrund: Die Roma-Familie werde auf dem Balkan - und vor allem in ihrem Herkunftsland Albanien - nachweislich diskriminiert und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. „Einstimmig und klar war dieses Votum“, sagt Müller, dennoch sei das Hessische Innenministerium der Empfehlung nicht gefolgt.

Diese Entscheidung sei eine Enttäuschung für alle, die die Familie und ihr Schicksal genauer kennen. Vor allem die älteste Tochter Kristina habe unter den traumatischen Erfahrungen, die sie in Albanien machen musste, sehr gelitten. „Sie war mittlerweile auf einem guten Weg, ihre noch immer tief sitzenden Ängste zu verarbeiten“, berichtet Burkard Müller.

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Doch das Innenministerium setze die Hürde für die Familie hoch: Sie solle ihren kompletten Lebensunterhalt - rund 2500 Euro - selbst erwirtschaften. „Das war die Bedingung, um bleiben zu können“, so Müller. Für Eltern ohne Schul- und Ausbildung mit einem Kleinkind, das zu Hause betreut werden muss, sei das nahezu unmöglich. Zwar hätten beide Elternteile Jobs, doch auf die geforderte Summe kommen sie nicht. Außerdem habe die Familie während der vergangenen drei Jahre viel für ihre Integration geleistet: Der Vater war ehrenamtlich aktiv bei Begegnungsfesten, half in der Fahrradwerkstatt, im Pferdestall oder bei Freunden im Garten aus, fand schließlich sogar eine Arbeit; die Mutter spricht gut Deutsch, Kristina und Paola besuchten regelmäßig die Schule bzw. den Kindergarten und fanden dort viele Freunde. Die beiden Mädchen brachten sich auch im Turnverein und im Chor der Harmonie Froschhausen ein, waren bei Begegnungsfesten oder Aktivitäten von Kristinas Klasse präsent.

Nun seien sie zur Rückkehr nach Albanien gezwungen: Mitte August muss Familie Dako zurück nach Albanien reisen. Der Arbeitskreis Willkommen überlegt, wie er die Familie dabei unterstützen kann, in Tirana trotz aller Widrigkeiten Fuß zu fassen. „Damit die Eltern und ihre drei Mädchen ein Dach über dem Kopf haben, möchten wir als Freunde und Aktive des AK Willkommen die Familie mit Spenden unterstützen“ sagt Müller. Ziel sei es, bei der Finanzierung der Miete zu helfen und Geld für Lebensmittel zu überweisen. Daneben werde der AK nach einer geeigneten Schule suchen, in der Kristina und Paola ohne Angst vor Diskriminierung weiter lernen können, „denn Bildung ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Kinder später eine bessere Zukunftsperspektive haben. Daher sind wir dankbar für jeden Euro, der für die Familie gespendet wird“, sagt der engagierte Seligenstädter.

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Nach den Bekanntwerden der Abschiebung der Familie Dako sei die Enttäuschung bei den Helfern des Arbeitskreises groß. „Trotz der guten Integrationsarbeit, die auch in Seligenstadt geleistet wird, lässt die Landesregierung positive Ergebnisse gelungener Integration nicht zu“, kritisiert Müller. Es seien gute Lösungen gefunden worden, um die Menschen in die Gesellschaft einzuführen, „doch wird das Engagement der Ehrenamtlichen ignoriert. „Politisch gefällt man sich, unter den Ländern eine Hitliste aufzustellen, welches Bundesland die meisten Abschiebungen durchgeführt hat. Dieser unsinnige Wettbewerb hat zur Folge, dass gerade die gut Integrierten und Gutwilligen für die Behörden besser greifbar sind und abgeschoben werden, damit sie bessere Zahlen auf ihrer Hitliste haben“, meint Müller. „Es waren die Bürger, die 2015 der Politik und den Behörden geholfen haben, und es ist aus meiner Sicht eine Schande, wie jetzt mit der Integrationsarbeit der Ehrenamtlichen umgegangen wird.“ Ein „gönnerhaftes Dankeschön“ bei offiziellen Anlässen sei nicht das, was die Ehrenamtlichen wollen. „Wir wollen die Unterstützung unserer Arbeit und ihrer Ergebnisse.“ Dazu gehöre Mut und ein Umdenken.

Michael Schaich, Sprecher des Hessischen Innenministeriums wollte die Gründe für die Abschiebung nicht nennen. Auf Anfrage sagte er, „dass wir keine Details zum aufenthalts- und asylrechtlichen Werdegang von einzelnen Personen veröffentlichen können“. Eine Veröffentlichung solcher Details würde das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen verletzen, sagt der Sprecher und beruft sich auf Artikel 2 (Absatz 1) des Grundgesetzes. Eine „sehr sorgfältige Abwägung“ habe ergeben, dass der Familie kein humanitärer Aufenthalt nach der Härteregelung in § 23a des Aufenthaltsgesetzes gewährt werden könne.

Spendenkonto: Katholische Pfarrgemeinde St. Marien – Flüchtlingshilfe: Sparkasse Langen-Seligenstadt DE14 5065 2124 0001 1362 25 Verwendungszweck: Roma

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