Zahl der Menschen mit Anerkennungsstatus steigt

Abwärtstendenz bei Flüchtlingszuteilung

Seligenstadt - Die Unterbringung von Asylbewerbern ist auch in Seligenstadt weiterhin ein Thema. Jeweils um die 160. 000 Euro hat die Stadt für die kommenden Jahre an Personal- und Sachkosten veranschlagt.

Nach einem festen Schlüssel weist der Kreis Offenbach der Stadt Seligenstadt Asylbewerber zu. Zum Stichtag 1. September 2017 standen für 177 Personen eigene und angemietete Unterbringungsplätze zur Verfügung. „Bislang ist es immer gelungen, für alle zugewiesenen Personen rechtzeitig Gemeinschaftsunterkünfte zu schaffen, sodass wir nicht auf die kostenintensiveren Hotelzimmer zurückgreifen mussten“, so die Stadt Seligenstadt im Vorbericht zum neuen Etat. Aufgrund der internationalen Entwicklung sei seit Anfang 2016 „eine starke Abwärtstendenz bei den Zuteilungszahlen festzustellen. Trotzdem werden uns weiterhin regelmäßig neue Flüchtlinge zugewiesen, wenn auch in geringerer Zahl als ursprünglich angenommen.“ Mittlerweile, so das Statement der Verwaltung weiter, seien einige Familien zusammengeführt worden. Mit weiteren Familiennachzügen sei zu rechnen.

Die erforderlichen Mittel für die Anmietung von Gemeinschaftsunterkünften, die der Stadt Seligenstadt zur Verfügung gestellt werden, wurden daher sowohl in Ausgabe als auch in Einnahme veranschlagt, „sodass dies den städtischen Haushalt nicht belastet“. Für die Anmietung ist ein Betrag in Höhe von einer Million Euro veranschlagt. „Mit der Zahl der Flüchtlinge steigt auch die Zahl der Menschen, die einen Anerkennungsstatus haben und auf Dauer in Seligenstadt bleiben. Beides hat zur Folge, dass der Bedarf an sozialpädagogischer Unterstützung, wie auch der Bedarf an Integrationsmaßnahmen zunimmt. An Personal- und an Sachkosten sind hierfür 157.000 Euro veranschlagt. Für die Folgejahre (2019 bis 2021) sind Beträge zwischen 160.500 und 166.400 Euro geplant.

In der Etatberatung im Dezember 2017 nahm der FDP-Politiker Christian Bengs als einziger Redner des Abends Bezug auf die Flüchtlinge. „Welche Leistungen Seligenstadt im neuen Jahr erbringen muss, liegt nicht allein in unserer Hand. Gerade angesichts der immer noch nicht ausgestandenen Flüchtlingskrise werden wir gut daran tun, weiterhin sparsam und kostenbewusst zu handeln.“ Keiner wisse, ob und welche Anstrengungen die Stadt werde unternehmen müssen, um humanitäre Hilfe zu leisten und Flüchtlinge unterzubringen. Es sei nicht abzusehen, wie sich die Türkei verhalte, auch ob in Syrien und anderen Herkunftsländern in absehbarer Zeit ein sicheres Leben möglich sei, könne nicht abschließend gesagt werfen. „Wir werden gut daran tun, wachsam und handlungsbereit zu bleiben.“

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Indes stellt Burkard Müller, der Sprecher des Flüchtlings-Arbeitskreises (AK) „Willkommen in Seligenstadt“, in seiner Jahresbilanz gute und weniger gute Erfahrungen gegenüber. „Respekt, Toleranz, Humanität, Freiheit, Demokratie und Hilfe für Menschen in Not sind und waren nie Selbstverständlichkeiten. Sie mussten immer erkämpft und verteidigt werden (...) Wie wir mit Fremden und Fremdem umgehen, ist ein guter Gradmesser unserer eigenen inneren Einstellung (...) Wer uns glauben machen will, Integration sei gescheitert oder nicht möglich, hat vielleicht schon aufgegeben und seine Welt und seine Wertvorstellung zur einzig richtigen erklärt.“

Er glaube daran, so Burkard Müller weiter, dass eine Gesellschaft - auch eine Stadtgesellschaft - daran wachse, wie sie sich mit durchaus schwierigen und auch konfliktbeladenen Problemen qualifiziert auseinandersetzt und wie sie sich den Realitäten stellt. „Hunderte Menschen leben seit Jahren mit uns in Seligenstadt, zum Teil unter prekären Bedingungen. Einiges haben wir schon erreicht. Die Seligenstädter haben ihre Flüchtlinge weitestgehend gut aufgenommen. Auch 2018 soll es so bleiben - dafür bitte ich weiterhin um Mithilfe.“ (mho)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion