Abzocke: Glücksbote lässt „Gewinner“ sitzen

+
Heinrich Hildner (links) und Werner Steiner präsentieren vor der Gaststätte eine der dubiosen Einladungen. Foto:

Seligenstadt - Zehn Jahre Heizkostenbefreiung im Wert von bis zu 6000 Euro? Eine achttägige Reise an die türkische Riveria? Oder doch lieber vier Tage an den Gardasee und dabei 2000 Euro sparen. Schon praktisch so ein Preisausschreiben. Könnte man meinen. Von Jörn Polzin

Dumm nur, wenn sämtliche Gewinne - 99 an der Zahl - niemals ausgezahlt werden.

In der gestrigen Ausgabe hatte unsere Zeitung auf die Betrugsmasche mit fragwürdigen Gewinn-Mitteilungen hingewiesen. Schreiben, die als „Umwelt-Energie-Umfrage“ getarnt, in die Briefkästen flattern. Diese bezogen sich auf ein Preisausschreiben, an dem der Empfänger der Nachricht angeblich teilgenommen hätten.

Gestern machte eine Reihe von „Glückspilzen“ dann ihre eigenen, unliebsamen Erfahrungen mit der Abzocke. Die gute Nachricht: Die Drahtzieher gingen der Polizei diesmal ins Netz und werden wohl - zumindest in der Region - nicht mehr ihren dubiosen Geschäften nachgehen.

Abzocke im Gasthaus der TGS Seligenstadt

Doch der Reihe nach: Eine kleine Gruppe von Rentnern versammelt sich an diesem Vormittag im Gasthaus der TGS Seligenstadt. Sie alle haben angeblich einen der Hauptpreise beim Preisausschreiben gewonnen. Neben den Gewinnen wird ihnen ein Mittagessen für zwei Personen versprochen. Kostenlos versteht sich. Doch daraus wird nichts.

Während die „geschlossene Gesellschaft“ drinnen auf die Präsentation wartet, taucht draußen ein dubioser Geschäftsmann auf, verschafft sich ein Bild von der Lage und kehrt in die Gaststätte zurück. Der Vorgang wiederholt sich zweimal. Beim dritten Mal ist er plötzlich verschwunden - und kommt nicht mehr zurück. Vorerst.

Was hat sich in dieser Zeit hinter den verschlossenen Türen zugetragen? „Es wurde nichts aufgebaut oder präsentiert. Ein Mann hat uns die Gewinnzettel abgenommen und war dann plötzlich verschwunden“, berichtet eine Frau, die namentlich nicht genannt werden will.

Für Heinrich Hildner und Werner Steiner keine große Überraschung. Der Hainstädter und der Klein-Krotzenburger haben schon häufiger an solchen Veranstaltungen teilgenommen. Die ausgelobten Gewinne haben sie dabei nie zu sehen bekommen.

„Ich wollte mir mal anschauen was passiert“

„Ich wollte mir mal anschauen was passiert. Und ein Kaffee in Gesellschaft trinken ist bei dem schönen Wetter ja auch ganz nett“, erzählt Hildner. Im vergangenen Jahr habe es zumindest das Essen gegeben, ehe die Polizei den Leuten mangels Genehmigung ihr Geschäft untersagte. Diesmal fällt das Mittagessen aus, dafür bleiben sie zunächst auf den Kosten ihrer Getränke sitzen.

Das ändert sich als die Polizei anrückt. Bevor die Vögel allesamt ausfliegen können, überprüfen die Kripo-Beamten ihre Personalien. Die drei Männer im Alter von 43, 53 und 64 Jahren stammten aus dem Bereich Cloppenburg. In ihren beiden Fahrzeugen hatten die zwielichtigen Händler reichlich „Billigware“ wie Bügeleisen, Teddybären und ähnlich dekorative Artikel. Doch statt der erhofften Gewinne durch den Verkauf von Massageautositzen bleiben die Geschäftsleute auf den Kosten für Saalmiete und bestellten Häppchen sitzen.

Nach Begleichung ihrer Ausstände beim Gastwirt darf das Trio wieder seiner Wege ziehen. Wie die Polizei berichtet, wollten die Männer allerdings weit weg fahren, um neue Geschäftsfelder zu suchen. Bereits am Montag platzte eine Veranstaltung in Hanau-Kesselstadt, am Dienstag ein Termin in Bruchköbel. An diesen Orten waren Mitarbeiter des Gewerbeamtes des Main-Kinzig-Kreises die „Spielverderber“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare