„Keiner hat Bescheid gesagt“

Ärger um Baustelle am Bahnhof Seligenstadt: Plötzlich ein Bauzaun vor dem Laden

Friseurmeister Felix Keil vor seinem Laden.
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Ärger um die Baustelle am Bahnhof: Friseurmeister Felix Keil kritisiert, dass er bei den Arbeiten vor seinem Laden immer vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

Friseurmeister Felix Keil wurde von der Einrichtung der nächsten Bauphase der Bahnhofsareal-Umgestaltung in Seligenstadt im Kreis Offenbach überrumpelt.

Seligenstadt – Felix Keil ist sauer – vor allem auf die Stadt Seligenstadt (Kreis Offenbach). Sein Vorwurf: „Die Kommunikation mit uns Gewebetreibenden ist eine Katastrophe!“ Der Seligenstädter Friseurmeister betreibt den Laden „Hauptsache“ im Bahnhofsgebäude. Nachdem er wegen Corona zuletzt fünf Monate schließen musste, hat sich Keil auf die Wiedereröffnung gefreut. Doch sein Laden liegt mitten im Bereich der Bauarbeiten auf dem Bahnhofsareal. „Seit Februar wird hier jetzt gearbeitet“, sagt er. „Damit habe ich grundsätzlich auch kein Problem, davon wussten wir ja. Ich find’s wirklich super, wenn hier alles mal modernisiert und verschönert wird.“

Was ihn so ärgert, ist allerdings die aus seiner Sicht mangelnde Kommunikation von Seiten der Stadt. Das sei bereits 2017 bei der Eröffnung seines Ladens losgegangen. „Da kamen wir morgens her und hatten plötzlich eine Baugrube vor dem Geschäft“, sagt er. Darüber seien er und sein Team vorab nicht informiert worden – weder per Brief noch per Mail und nicht persönlich. Auch in den darauf folgenden Jahren sei die Kommunikation mit der Stadt sehr mühsam gewesen.

Bei Bauarbeiten am Bahnhof in Seligenstadt wird ein Telefonkabel beschädigt

Seit Anfang der Woche ist die Geduld von Felix Keil am Ende. „Wir kamen montags zu unserem Geschäft und plötzlich stand da dieser hohe Bauzaun direkt davor. Wir hatten vielleicht 40 bis 50 Zentimeter Platz, um überhaupt zum Geschäft zu kommen.“ Und seine Kunden, davon ist der Friseurmeister überzeugt, denken deshalb, dass der Laden gar nicht offen hat – auch weil der Weg dahin in der Baustelle schwer zu finden sei. „Warum hat man uns das nicht eine Woche vorab sagen können? Ich bin durchaus gesprächsbereit und dann hätte man gemeinsam ja vielleicht eine bessere Lösung finden können – zum Beispiel mit halb so hohen Absperrungen.“

Dazu kommt, dass bei den Bauarbeiten vor seiner Tür am Montagmorgen auch das Telefonkabel beschädigt wurde. „Wir haben bestimmt zwei Stunden bei uns überall geschaut, was los ist – ob vielleicht der Router spinnt“, sagt er. „Da hat es von der Baufirma keiner für nötig gehalten, mal kurz Bescheid zu geben, dass das passiert ist.“

Friseur im Kreis Offenbach ist sauer: „Ich hatte definitiv Verdienstausfälle“

Seit Mittwochnachmittag funktioniert das Kabel, das aus einer Muffe herausgerutscht war, wieder. Die Baufirma hätte am Montag sofort eine Meldung abgesetzt, berichtet Erster Stadtrat Michael Gerheim. Die Telekom habe daraufhin den Schaden am Mittwoch behoben. Bis dahin allerdings konnte Keil sein Kassensystem und Online-Terminbuchungsprogramm nicht nutzen. Auch telefonisch war sein Laden nicht mehr zu erreichen. „Ich hatte definitiv Verdienstausfälle“, sagt der Friseurmeister.

Wie ein Labyrinth führen die Wege zu den Geschäften an der Baustelle entlang.

Nachdem er auch den Bauamtsleiter der Stadt nicht erreichen konnte, machte Keil seinem Ärger auch in den sozialen Medien Luft. In seinem Beitrag forderte er Bürgermeister Daniell Bastian auf, „die fehlende Kommunikation endlich so aufzunehmen, wie es sich [...] gehört.“

In den vergangenen Jahren habe es zwar schon Gespräche mit dem Rathauschef wegen anderer Themen gegeben, so der Friseurmeister, geändert habe sich aber nichts bezüglich der Kommunikation aus dem Rathaus. Dass bei Diskussionen zur Bahnhofs-Baustelle Baudezernent Michael Gerheim oft als Schuldiger vorgeschoben werde, missfalle ihm ebenso. Dieser habe bislang immer versucht, zu helfen, wenn es Probleme gebe, sagt er.

Seligenstadt (Kreis Offenbach): Erster Stadtrat Michael Gerheim räumt Versäumnisse ein

Gerheim räumt ein, dass die rechtzeitige Information der Gewerbetreibenden im Bahnhofsgebäude über die Einrichtung der nächsten Bauphase versäumt worden sei. Das Bauamt sei derzeit noch dünn besetzt und daher stark ausgelastet.

Inzwischen hat auch Bürgermeister Bastian auf die Vorwürfe reagiert und Keils Beitrag kommentiert. Die Kommunikation über die sozialen Medien sei demnach zwar Keils „gutes Recht, löst aber keine Probleme, sondern vertieft sie“, schreibt Bastian in seiner Antwort. Wenn er nicht im Urlaub wäre, hätte er aber bei Felix Keil persönlich vorbeigeschaut. „Nichtsdestotrotz werde ich versuchen zu helfen, wo es geht.“

Auch bei der Stadt ist man um ein besseres Einbinden der Baustellen-Betroffenen bemüht: In Planung ist laut Gerheim nun zunächst die Aufstellung eines Schildes, das den Kunden der betroffenen Gewerbetreibenden die Umleitung zum Parkplatz weist. Hierzu habe es bereits Gespräche mit den Beteiligten und der Ordnungspolizei gegeben. Ein Austausch der Bauzäune sei aber nicht vorgesehen. Und auch der Bürgermeister hat sich bei Keil gemeldet – im August ist ein persönliches Gespräch der beiden vereinbart. (Julia Oppenländer)

Auch mit den Toilettenanlagen am Bahnhof in Seligenstadt gibt es Probleme.

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